Der Puppenspieler aus Bach

Haben auch nach 20 Jahren mit dem Klick-Klack-Theater noch ihre helle Freude am Puppenspiel: Stefan und Silvia Beyrer.

Niederbergkirchen - Schon hunderte Puppen hat Stefan Beyrer, der Puppenspieler aus Bach, geschnitzt. Nicht nur Kinder werden in den Bann der Puppen gezogen, sondern auch Erwachsene.

Die Abendsonne strahlt in die Werkstatt und wirft das schauderhafte Profil der Hexe an die Wand. Mit leicht näselnder und doch sympathischer Stimme lädt diese im gleichen Augenblick wild gestikulierend auf den Blocksberg ein. Unglaublich, wie schnell es Puppenspieler Stefan Beyrer bei dieser Kostprobe seines Könnens schafft, die Aufmerksamkeit auf seine Marionette zu lenken. Ein Profi eben. Und das von Kindesbeinen an. "Mit Freunden habe ich in der Garage meines Vaters Puppentheater gespielt", erzählt Beyrer, ein begeisterter Anhänger der Augsburger Puppenkiste, über seine Anfänge. Schon damals hat der geschickte Mann seine Puppen selbst gebastelt.

Schon als Zwölfjähriger spielte er im Marionettentheater in der Münchener Blumenstraße. Beyrer verbesserte seine Fingerfertigkeit als Puppenspieler, absolvierte eine Schreinerlehre, war Kulissenschieber an der Münchner Staatsoper und verbesserte seine Spielkunst schließlich im Ensemble der Münchener Puppenbühne.

Doch der Niederbergkirchener ist weit mehr als nur Puppenspieler: Er absolvierte eine dreijährige Ausbildung als Holzbildhauer im Oberammergau, kehrte für sechs Jahre in die Werkstätten des Bayerischen Staatstheaters zurück und wagte schließlich 1991 den Schritt in die Selbstständigkeit, als er mit seiner Frau Silvia das Klick-Klack-Theater gründete.

Richtige Charakterköpfe sind es, denen Stefan Beyrer in seiner Werkstatt in Niederbergkirchen Leben einhaucht. Ottfried Preußlers kleine Hexe ist ebenso im Repertoire der Beyrers zu finden wie Grimms Märchen. Der Froschkönig begeistert die Kinder ebenso wie Dornröschen. Der kleine Muck fesselt die Zuschauer ebenso wie Kalif Storch. Und was wäre ein Puppenspieler ohne den verschmitzten Kasperl? "Der hat das Privileg, dann auch bayerisch zu sprechen", erzählt Beyrer.

20 Jahre gibt es das Klick-Klack-Theater bereits, Tausende von Aufführungen liegen hinter dem Ehepaar aus Bach bei Niederbergkirchen, das noch nicht müde geworden zu sein scheint. Wahre Spielfreude blitzt auf, wenn Beyrer seine Figuren zum Leben erweckt. In mittlerweile 20 Stücken ist das der Fall. Darunter auch erwachsenenkompatibeles Material wie Mozarts Entführung aus dem Serail.

Zielgruppe bleiben jedoch die Kinder. Stets sind die Beyrers darauf bedacht, dass ihre Aufführungen kindgerecht verarbeitet sind. Eine große Verantwortung, betont Beyrer, der mit seiner Frau ein "lebendiges Märchenbuch" sein will, wenn sie vor den Kindern, "ein absolut ehrliches Publikum", auftreten. Die beiden geben zu, dass sie nach wie vor süchtig nach Puppentheater sind. "Ein neues Stück ist bereits in Arbeit", sagt Beyrer. Was, will er noch nicht verraten. Erst im September oder Oktober wird es soweit sein.

Stücke schreiben ist die eine Sache, die Protagonisten aus Holz dafür zu schaffen eine andere. Am Anfang ist es ein Stück Lindenholz, aus der Beyrer eine filigran herausgearbeitete Figur entstehen lässt, die an neun Schnüren hängt und schließlich von Silvia Beyrer entsprechend eingekleidet wird. Etwa 100 Arbeitsstunden investiert das Puppenspieler-Paar in eine Figur.

Jede Figur wird auf dem Zeichenblatt geboren. "Zunächst sind es Skizzen, die am Küchentisch entstehen", schildert Beyrer. Gelungene Skizzen verfeinert Beyrer, schließlich münden die Ideen in eine detailgetreue technische Zeichnung, in der der Puppenspieler die exakten Maße herausmisst.

Sind Kopf, Rumpf, Gliedmaßen sowie Hände und Füße fertig, testet Beyrer ein erstes Mal die Beweglichkeit seiner Marionette. Über jeweils zwei Schnüre an den Schultern, den Händen, den Beinen und dem Kopf und einem weiteren am Rücken haucht Strippenzieher Beyrer seinen Figuren Leben ein. Zusätzliche Schnüre benötigt er, wenn sich die Nase oder zusätzlich auch der Mund bewegen lassen sollen. Ein Bleistück im Rumpf vermindert das Pendeln der Figur.

Ölfarben zeichnen das detailierte Gesicht, Silvia Beyrer sorgt an der Nähmaschine für die passende Kleidung. Soll die Hexe einen kleinen Bauch oder einen üppigen Hintern erhalten? Schaumstoff macht es möglich. Klick, klack, klick, klack - klingt es abwechselnd, wenn Stefan Beyrer seine Geschöpfe nach vollendeter Arbeit über die Bühne schreiten lässt. Und liefert damit auch die passende Antwort auf die Frage, woher das Klick-Klack-Theater überhaupt seinen Namen hat.

je/Mühldorfer-Anzeiger

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