Pestkreuz spiegelt Teil der Ortsgeschichte wider

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Pfarrer Paul Janßen weihte das neue Pestkreuz am Waldrand ein. Viele Gemeindebürger wohnten diesem Festakt bei.

Schönberg - Am so genannten Bernloher Holz trafen sich mehr als zweihundert Bürger sowie die Fahnenabordnungen der Ortsvereine. Grund: die Weihe des neuen Pestkreuzes.

"Wir befinden uns hier an einem geschichtsträchtigen Ort der Gemeinde Schönberg" erinnerte Bürgermeister Alfred Lantenhammer in seiner Ansprache.

In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges hielt auch die Pest, der schwarze Tod, Einzug in die Gemeinde. Im Mai 1648 hat der damalige Pfarrer 37 an Pest Verstorbene in das Sterbematrikel eingetragen. Im November des gleichen Jahres waren es nochmals 26. Sie alle wurden zwischen Öd und dem Bernloher Holz beerdigt.

Wie schrecklich die Pest damals gewütet haben muss, kann man aus den Formulierungen des Pfarrers entnehmen: "Aus dem Hause Kölbl in Hanging ist alles weggestorben, sogar der Hund und die Katzen. In Wiesling sind 1649 alle Bewohner weggestorben und in der "Mill zu Steng" sind es sieben Personen." Erst 1650 wird kein Pestfall mehr gemeldet. Der Opfer des "Schwarzen Todes" wurde durch die Jahrhunderte mit einem Kreuz am Waldrand gedacht.

Nachdem das alte Pestkreuz der Witterung zum Opfer gefallen war, so der Bürgermeister, "war es ein besonderes Anliegen unseres Rektors Helmut Rasch wieder ein Kreuz zur Erinnerung an die schrecklichen Leiden der Pesttoten zu errichten."

Gemeinderat Josef Mayrhofer stellte einen Antrag, den der Gemeinderat einstimmig angenommen hatte. Ohne jeden Zuschuss wurde das Denkmal errichtet. Helmut Rasch und Michael Moosner wurden beauftragt, sich um die Gestaltung zu kümmern.

Nach den Skizzen des alten Kreuzes hat Kirchenmaler Karl Holzner aus Ampfing ein Kunstwerk geschaffen, das den Leidenden Christus am Kreuz zeigt, unter dem Maria und der Jünger Johannes um den Messias trauern. Für seine hervorragende Arbeit erhielt der Künstler im Rahmen der Einweihungsfeier einen anhaltenden Applaus. Auf Vorschlag von Helmut Rasch erhielt die auf Blech gestaltetet Beweinungsgruppe einen Holzhintergrund.

Die Arbeiten aus Eichenholz fertigte Schreinermeister Franz Aimer, die Blecharbeiten der Spengler Lutz aus Ampfing und das Blechdach der Spengler Peschl aus Habersam. Neben dem Kreuz wurde eine Schautafel aufgebaut, auf welcher VG-Geschäftsstellenleiter Georg Obermaier die Geschehnisse dieser Zeit dokumentierte.

Wie Bürgermeister Lantenhammer weiter ausführte, ist am Bernloher Holz nicht nur der Pestfriedhof ein geschichtsträchtiger Ort, sondern im angrenzenden Wald sind noch fünf Grabhügel zu sehen, die nach Aussage des Landesamtes für Denkmalpflege aus der Bronzezeit (800 bis 450 vor Christus) stammen. Sie deuten auf eine sehr frühe Besiedlung Schönbergs hin.

In einer feierlichen Andacht, die musikalisch von der Blaskapelle Weyerer gestaltet wurde, weihte Pfarrer Paul Janßen schließlich das neue Pestkreuz. Nach seinen Worten ist dieses Denkmal ein Zeichen der Verbundenheit der Generationen, auch wenn damals die Opfer ohne Zeremonien hier eine letzte Ruhestätte fanden. Das Kreuz soll immer an Leid, Schmerz und Trauer erinnern. Nach dem Weiheakt verbrachten Besucher und Gäste frohe Stunden am Waldrand, bei denen sie der Pfarrgemeinderat mit Kaffee und Kuchen bediente.

raa/Neumarkter Anzeiger

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