Oldtimer: So teuer wie ein halbes Haus

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Zwei Modelle (fast) gleichen Baujahrs: Der BMW 321 ist nur ein Jahr älter als sein 62-jähriger Besitzer Max Schnablinger.

Schönberg - Mindestens 4800 Reichsmark musste man 1938 für einen BMW 321 hinblättern - das war so viel wie ein halbes Haus. In der Garage von Max Schnablinger steht also eine echte Rarität.

Max Schnablinger dreht den Zündschlüssel. Der Anlasser winselt ein wenig, dann endlich springt der Zündfunke über, der Motor startet und brummt zufrieden vor sich hin, als der Oldtimerfreund sein Schmuckstück auf den Hof fährt. Um einen BMW handelt es sich dabei. Natürlich. "Ich war immer schon BMW-Freund", verrät der Sägewerksbesitzer aus Schönberg mit funkelnden Augen. Schließlich darf er ein sehr seltenes Fahrzeug der Bayerischen Motorenwerke sein Eigen nennen: ein BMW 321 Cabrio, Baujahr 1938. "Aus der letzten Serie, die vor dem Krieg noch gebaut worden ist", weiß Schnablinger, der noch gar nicht auf der Welt war, als sein Schmuckstück das Fließband verlassen hat.

Wobei: Von Fließband kann gar nicht die Rede sein. Denn der BMW 321 war sicherlich kein Fahrzeug, das am laufenden Band produziert worden ist. Bei Preisen ab 4800 Reichsmark war der Fahrgenuss vor dem Krieg allenthalben der besseren Gesellschaft vorbehalten, "das war damals ein halbes Einfamilienhaus", relativiert Schnablinger den Fahrzeugpreis von damals.

Schnablinger fasziniert vor allem die Stromlinienform, die es schon damals im Fahrzeugbau Fuß gegeben habe. Ein 6-Zylinder-Motor mit einer Leistung von immerhin schon 45 PS bei einem Hubraum von knapp 2000 Kubikzentimeter - damit schaffte der BMW immerhin knapp 90 Sachen.

Ausgefeilte Technik findet sich nicht nur unter der Motorhaube der zweitürigen Limousine, deren Türen nach hinten aufgehen. "Das Auto hatte schon Hydraulikbremsen - damals absolut modern", schwärmt Schnablinger. BMW sei seiner Zeit voraus gewesen, "baute schon damals die besten Autos", ist der zweite Vorsitzende der Oldtimerfreunde Mühldorf überzeugt. Dieses Unikum verließ aber nicht etwa, wie man vermuten würde, in Bayern seine Produktionsstätte. "Diese Wagen wurden in Eisenach gebaut", klärt der 62-Jährige auf. Dann kam der Krieg, das Werk fiel an die Russen, fortan wurde das Werk als Eisenacher Motorenwerke, kurz EMW, weitergeführt, berichtet Schnablinger. "Die bauten dieselben Autos und nahmen sogar ähnliche Bezeichnungen her", verweist Schnablinger auf entsprechende Unterlagen in seinem Ordner.

Bis nach Eisenach ist Schnablinger nicht gefahren, um sein Traumauto zu kaufen. Eigentlich hatte er es überhaupt nicht im Sinn, ein Auto zu kaufen, als er sich mit seinem Schwager - er besaß ein ähnliches Fahrzeug in zerlegtem Zustand - vor 30 Jahren nach Holzkirchen aufmachte. "Ich wollte ihm das Fahrzeug zeigen, wie es zusamengebaut aussieht." Und schon war es um ihn geschehen: "Es hat mir so gut gefallen, dass ich es gleich gekauft habe."

Fahrtüchtig war es aber noch lange nicht. Zusammen mit einem Mechaniker investierte er rund 2500 Arbeitsstunden in den Boliden aus den 30ern. "Wir haben ihn total zerlegt, entrostet und wieder aufgebaut." Wie neu steht er auch nach 30 Jahren da, Schnablinger unternimmt gerne Oldtimer-Rallye, fährt damit sogar bis nach Dresden. Oder er kutschiert die lokale Prominenz: Wenn zum Volksfestaufzug in Mühldorf gerufen wird, dann sitzen Stadträte und Bürgermeister bei ihm im Cabrio und winken staatsmännisch dem Volk zu. Ein Traum von einem Auto eben, aber Schnablinger träumt weiter. "Ein BMW 507 - das wär ein Auto", schärmt er. 1954 wurde dieser schnittige Wagen produziert, dessen Bild bei Schnablingers zumindest das Mousepad ziert. "Der ist unbezahlbar", meint Schnablinger schulterzuckend. Wohl mindestens so teuer wie ein ganzes Einfamilienhaus heute, rechnet er vor.

je/Neumarkter Anzeiger

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