Oberpfälzer pilgern nach Altötting

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
In vier Gruppen ziehen Pilger aus der Oberpfalz auf ihrem Weg nach Altötting durch Neumarkt-St. Veit. Die Geschichte der Fußwallfahrt reicht bis ins Jahr 1685 zurück und findet seitdem jedes Jahr statt.

Neumarkt-St. Veit - Mehr als 170 Kilometer zu Fuß liegen hinter den Pilgern, seit Freitag sind sie unterwegs auf ihrem Weg nach Altötting. Dabei durchqueren sie auch Neumarkt-St. Veit.

Die Oberpfälzer Fußwallfahrt hat eine lange Tradition, die nie unterbrochen wurde. Glaubensspaltung, 30-jähriger Krieg, Pest, Viehseuchen und Türkengefahren - schwere Zeiten standen im 16. und 17. Jahrhundert an. Viele Bürger baten in Gebeten um Hilfe oder pilgerten zu neuen Wallfahrtsstätten. Die Bewohner der westlichen Oberpfalz gelobten eine jährliche Fußwallfahrt nach Altötting. Das war im Jahr 1685, wie es auf der Internetseite heißt. Seit 326 Jahren machen sich die Pilger aus der Opferpfalz auf den Weg und sind dazu mehrere Tage unterwegs.

In vier Gruppen pilgern etwa 1600 Wallfahrer zur Muttergottes nach Altötting. Diese große Schar, darunter auch sehr viele junge Pilger, kommen aus den Gebieten rund um Beilngries (etwa 550 Personen), Günching bei Neumarkt in der Oberpfalz (450 Personen), Daßwang und Hemau, die von etwa sechs Seelsorgern auf dem 170 Kilometer langen Pilgerweg begleitet werden. Am Freitag starteten sie in der Oberpfalz, gestern früh starteten sie von Neumarkt-St. Veit beziehungsweise Stetten in Richtung Altötting.

Nicht immer war der Pilgerstrom so groß. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wagten zum Beispiel nur eine Handvoll Pilger den Weg. In den Jahren wuchs die Menge immer mehr an. Das Bild der großen Pilgerschar ist den Bürgern aus Neumarkt-St. Veit vertraut. Hier machen sie ein letztes Mal Station, bevor es tags darauf die letzten Kilometer nach Altötting geht. Als "Schwalben" und somit als erste Boten des Sommers empfindet Maria Bergmeier die Wallfahrer. "Denn wenn die ersten 'Weidler' zum Oberen Tor hereingezogen sind, dann haben alle gewusst, daß es wieder Mai geworden war", schreibt sie in einer Erinnerung. Gerti Seifert hat die Anekdote ihrer verstorbenen Mutter zur Wallfahrt wieder hervorgeholt. Jedes Jahr im Mai hatte deren Familie eine Oberpfälzer Wallfahrerin zu Gast. Zurück ging es von Neumarkt-St. Veit mit einem Sonderzug.

Doch nicht immer hat es mit dem Transport zurück in die Oberpfalz alles reibungslos funktioniert. Durch ein Versehen gab es zu wenige Personenwägen, in der Not wollte man sich mit Viehwägen behelfen. "Der Fahnenträger protestierte energisch gegen diese menschenunwürdige Behandlung", schreibt Maria Bergmeier. Gutes Zureden, Verhandeln und Bitten - mit nichts kam der Fahrdienstleiter weiter. Bis ihm die rettende Idee kam:

"Der Zug fährt jetzt ab! Wer nicht einsteigt, bleibt eben da, schreit der Fahrdienstleiter über den ganzen Bahnsteig hinweg", heißt es bei Maria Bergmeier. Ein Pfiff ertönte und der Zug setzte sich langsam in Bewegung. Der Fahnenträger war der Erste, der in den Viehwagen kletterte. Und ihm folgten alle anderen. War es bis zum Jahr 1985, der 300. Wiederkehr des Versprechens, die Tradition der Wallfahrt, auch den Weg zum Ausgangspunkt zu Fuß zurückzulegen, wird seit dieser Zeit nach einem ganzen Tag Ruhepause (Mittwoch) von etwa 40 Pilgern nochmals die Strapaze über die Tagesetappen von Altötting nach Dorfen, weiter bis Aigsbach unternommen, bis am Samstagmittag der Wallfahrtsort Petzbrunn bei Ingolstadt erreicht wird.

hus/hi/Neumarkter Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Neumarkt-Sankt Veit

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser