Experte erklärt in Oberbergkirchen

Das sind die häufigsten Unfallquellen in der Landwirtschaft

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Es gibt eine Reihe häufiger Unfallquellen in der Landwirtschaft. Experte Andreas Hartmetz erklärt sie.
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Oberbergkirchen - Immer wieder ereignen sich teils schwere Unfälle in landwirtschaftlichen Betrieben. Wir waren mit einem Experten unterwegs, der die Hauptursachen erklärt:

Andreas Hartmetz ist Sicherheitsberater bei der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau. Er berät in deren Auftrag Landwirte und hilft, Unfallrisiken zu beseitigen oder zumindest zu verringern. 

Die drei Haupt-Unfallschwerpunkte sind seiner Erfahrung nach:

Mit Landwirten im Gespräch

Wir sind an diesem Tag mit ihm auf zwei Bauernhöfen in Oberbergkirchen unterwegs. Bei beiden liegt der Schwerpunkt auf der Rinderhaltung. Im einen Fall im eher kleinen Maßstab und Anbindehaltung. Im anderen Fall im etwas größeren Ausmaß und mit Laufstall-Haltung. 

Hartmetz im Gespräch mit einem Landwirt.

Hartmetz wird von den Landwirten jeweils mit Handschlag begrüßt. Man kennt sich schon länger. Die Kontrolle läuft auch weniger wie beispielsweise eine Verkehrskontrolle ab sondern der Ton ist vertraut, es wird sich geduzt. "Du, das da passt soweit, aber da wär ein Geländer noch zusätzlich an der Treppe gescheit", so wird geredet. Hartmetz kennt sich aus, fachsimpelt immer wieder oder kann sich deutlich für manche neue Anschaffung wie einen brandneuen Traktor begeistern. 

Allerlei Gefahrenquellen bei der Rinderhaltung

Zuerst geht es jeweils in die Rinderställe. "Generell ist es ja so: Eine Kuh an sich ist ja ein friedliches Tier. Aber wenn sie beispielsweise erschreckt reicht schon die reine Körpermasse um anderen Tieren oder dem Landwirt vollkommen unabsichtlich zu schaden", berichtet der Sicherheitsberater. Die Unfallgefahren seien je nach Anbinde- oder Laufstallhaltung unterschiedlich. "Bei der Anbindehaltung kann es schneller passieren, dass mal etwas bei der Melkarbeit passiert. Dagegen ist das Risiko eines Unfalls bei der sonstigen Bewirtschaftung des Stalls geringer, da die Tiere ja fixiert sind. Gerade andersherum ist es in der Regel bei der Laufstallhaltung."

In der Rinderhaltung gibt es eine Vielzahl an Unfallrisiken.

Eine weitere Unfallquelle bei der Rinderhaltung sei die Reinigung der Melk- und Milchanlagen. "Dabei sollte man immer idealerweise eine Schutzbrille tragen. Denn einerseits kann es bei der Reinigung mit Flüssigmitteln passieren, dass einem ein Spritzer ins Auge gerät, andererseits besteht bei Pulvern das Risiko, dass es beispielsweise beim Einfüllen staubt und das ins Auge gerät."

Umstrittenes Thema Enthornung

Außerdem käme es nicht selten zu Unfällen durch Ausrutschen in der Melkanlage. "Neben der Sauberkeit ist hier auch ein Punkt ein griffiger Untergrund, auf dem man mit den Schuhen immer Halt findet. Das ist dann allerdings ein Problem beim Reinigen." 

Zuletzt sei auch die Enthornung bei Rindern aus arbeitsschutztechnischen Gründen zu befürworten. "Dass das naturschutzrechtlich höchst umstritten und für Bio- und Demeter-Betriebe nicht zulässig ist, wissen wir genau", betont Hartmetz,"Aber unser Anliegen ist der Schutz der Landwirte und dafür ist die Enthornung der beste Weg."

Viele Unfälle in der Forstwirtschaft

Die richtige Schutzausrüstung ist wichtig bei Arbeit im Holz.

Ein wichtiger Punkt bei dem Besuch der Höfe ist auch die Überprüfung der Schutzausrüstung für die Forstwirtschaft und beratende Gespräche zur Arbeit hier. "Wie gesagt, die meisten tödlichen Arbeitsunfälle ereignen sich bei Arbeiten im Holz", betont Hartmetz. Daher rät er grundsätzlich:

  • Risikoreiche Arbeiten, beispielsweise bei Sturmschäden, sollten nicht selbst, sondern von Experten erledigt werden.
  • Wer regelmäßig Forstarbeiten zu erledigen hat, sollte sich zumindest grundlegende Kenntnisse hierzu aneignen. Beispielsweise die Bayerische Waldbauernschule biete hier umfangreiche Weiterbildungsangebote an.
  • Die Arbeitsausrüstung sollte stets in gutem Zustand sein, beispielsweise ein Helm sollte nach spätestens sechs Jahren ausgetauscht werden.

Experte rät: Treppen und Arbeitsbühnen statt Leitern

Holzleitern sollte man eigentlich nicht mehr benutzen. Generell sollten Leitern solch eine Einhak-Vorrichtung besitzen, um sicher benutzt werden zu können. 

Schlussendlich geht es auch stets um die dritte Unfallquelle. Zum Thema Sturz- und Fallunfälle hat Hartmetz ebenfalls einige Ratschläge parat:

  • Wo möglich, sollten Leitern durch Treppen oder Hubbühnen, die vorne am Traktor angebracht werden, ersetzt werden.
  • Treppen sollten im Außenbereich und wo es zu Feuchtigkeit und Rutschgefahr kommen kann, aus einem trittsicheren Metallrost bestehen und immer mit Geländern versehen sein. 
  • Wo noch Leitern genutzt werden müssen, sollten diese aus Metall sein und eine Vorrichtung zum Einhaken, beispielsweise an Regenrinnen besitzen. 
Stattdessen sollte es so eine Hubbühne, die vorne an den Traktor gebaut wird ...

"Viele Unfälle ereignen sich hier beispielsweise bei der Obsternte", berichtet Hartmetz. "Dabei geht das mit so einer Hubbühne sehr viel sicherer."

... oder möglichst so eine Treppe mit rutschsicherem Metallrost und Handgeländer sein.

Auch über eine Vielzahl anderer Unfallquellen könnte der Sicherheitsberater noch berichten. Das Wichtigste sei aber immer, stets überlegt vorzugehen. "Es können so einfache Dinge sein, wie ein Gerät vollkommen abzustellen, bevor man einen Gegenstand beseitigt, das es blockiert. Oder das man die Schutzverkleidung der Gelenkwelle zwischen Gerät und Traktor immer bei Schäden erneuert und Kleidung vermeidet, die sich darin verfangen kann."

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