Neues Projekt gegen Ärztemangel auf dem Land 

"Die Zeiten, in denen der Hausarzt am Ort ist, sind vorbei!"

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Der Ärztemangel auf dem Land ist ein Problem, das durch das neue Projekt "Gesundheitsregion plus" eingegrenzt werden könnte. 
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Oberbergkirchen/Landkreis - Der Mangel an Fachärzten im ländlichen Raum ist nicht nur im Mühldorfer Landkreis ein Problem. Damit die medizinische Versorgung dauerhaft gewährleistet werden kann, gibt es bald das Projekt "Gesundheitsregion plus". 

Dr. Karl Dürner, Bürgermeister der Gemeinde Schwindegg, plädiert vehement für eine langfristige Sicherung der ärztlichen Versorgung in der ländlichen Region. Dass der Ärztemangel auf dem Land eine große Problematik darstellt, das erlebt Dr. Dürner tagtäglich in seiner Praxis für Allgemeinmedizin in Schwindegg. Zusammen mit seiner Frau, die als Internistin tätig ist, kann der 71-Jährige die Missstände nicht länger tolerieren. "Die Zeiten, in denen der Hausarzt am Ort ist, sind vorbei", konstatiert Dr. Dürner nüchtern. "Auch ich bin in einem Alter, in dem ein Vollzeitjob nicht mehr so einfach ist. Wir brauchen junge Kollegen, die sich gezielt für die ländliche Region entscheiden.

Damit nennt Dr. Dürner das Kind beim Namen: "Die Crux ist die Nachfolge - viele haben das Glück, einen jungen Kollegen an der Seite zu haben, die meisten aber nicht. Ich befinde mich selbst in einer schwierigen Lage. Es fehlt deutlich an jungen Ärzten, die sich auf dem Land eine Existenz aufbauen wollen", erklärt Dr. Dürner auf der Bürgermeisterversammlung am Montag in Oberbergkirchen. "Die Ideallösung wäre natürlich der Aufbau eines einheitlichen Versorgungszentrums." Dem "Theater in den Kreiskliniken, wenn sogenannte Notfälle antanzen" könnte man laut Dr. Dürner mit großzügigen Gemeinschaftspraxen gegenwirken. 

Zusammenschluss von medizinischen Akteuren unabdingbar

Eine erste Maßnahme, um dem Ärztemangel auf dem Land Einhalt zu gebieten, ist das Projekt "Gesundheitsregion plus". Dr. Wolfgang Richter, Ärztlicher Direktor und stellvertretender Geschäftsführer der Mühldorfer Kreiskliniken, stellt den Bürgermeistern des Landkreises Mühldorf auf der Versammlung das Programm näher vor. 

"Mir liegt die Gesundheitsversorgung des Landkreises sehr am Herzen", erklärt Dr. Richter den anwesenden Bürgermeistern. Der Zusatz "plus" in dem Projekt stehe für die Verbesserung der medizinischen Versorgung und Präventionsangeboten. "Eine Region, in der diese Versorgung nicht funktioniert, ist unattraktiv, was letztlich auch ein negatives Licht auf die Gemeinden wirft." Eine langfristige Gesundheitsversorgung könne nur gelingen, wenn viele Akteure zusammenarbeiten oder kleine Kliniken nach vorne gebracht werden. Hier müssten natürlich laut Dr. Richter auch "Einstiegsmodelle" geschaffen werden.  

Einen Arzt könne man nicht immer am Ort halten, das sei Dr. Richter klar. Vielmehr aber könnte man durch den Zusammenschluss mehrerer Nachbargemeinden an einem Standort die Situation verbessern. Als Beispiele, in denen solche Initiativen bereits gelungen seien, nannte er die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Waldkraiburg oder die KVB Bereitschaftspraxis der Kliniken Mühldorf. 

Bürgermeister der Gemeinden sind gefragt 

Das Projekt des Bayerischen Gesundheitsministeriums gibt es bereits in 33 Regionen, seit Mitte Juli ist es auch in Bayreuth und im Landkreis Mühldorf angekommen, wie Dr. Richter weiter erläutert. Die Förderung beträgt maximal 50.000 Euro im Jahr für die kommenden fünf Jahre, 70 Prozent der förderfähigen Kosten trägt der Landkreis mit einem Eigenanteil von 21.000 Euro

"Ein solches Projekt gelingt aber nur, wenn sich die geeigneten Leute auch engagieren, um weitere Aktionen ins Leben rufen zu können." Hier seien auch die Bürgermeister gefragt, Bedarfsanalysen in ihren Gemeinden durchzuführen und etwaige Möglichkeiten zu erkennen, sagt Dr. Richter abschließend. 

mb

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