Urteil nach Einbruch in Schützenheim in Niedertaufkirchen

Gewehr-Dieb erhält Bewährungsstrafe

Niedertaufkirchen/Mühldorf - Zwei Männer sind vor über einem Jahr in ein Schützenheim eingebrochen. Reichtum bescherte ihnen der Bruch nicht, dafür aber einem davon jetzt eine Verurteilung.

Niedertaufkirchen/Mühldorf - "Aus Dummheit". Recht viel mehr fällt dem Angeklagten Harry S. (Name von der Redaktion geändert) nicht ein auf die Frage der Staatsanwaltschaft, warum sich der 27-Jährige von seinem Bekannten zum Einbruch hatte überreden lassen, "ich hatte nicht die Willensstärke, um mich rauszuhalten." Die Folge: Der Mann aus dem nördlichen Landkreis musste sich nun vor dem Amtsgericht für den Einbruch verantworten, bei dem zwar kein Bargeld zu finden war. Doch erbeuteten die beiden Täter Bierkrügerl, fünf Luftgewehre und Koffer sowie Schießbekleidung im Wert von 10.000 Euro.

Nicht zu vergessen die Sachbeschädigung, die der Angeklagte mit seinem Komplizen verursacht hatte, weil sie auf dem Weg zur Beute eine Tür eingetreten hatten. Oberstaatsanwalt Schneider sprach hier von rund 650 Euro. Offensichtlich hatte der Einbruch darüber hinaus gehörigen Durst ausgelöst: Jeweils einen Kasten Spezi und Radler ließen die Einbrecher mitgehen.

Über das Kellerfenster hatten sich der Angeklagte und sein Komplize Zutritt zum Schützenheim in Niedertaufkirchen verschafft und die Wertgegenstände mitgenommen. Dass davon niemand Notiz genommen hatte, erklärte der ermittelnde Polizeibeamte damit, dass es sich um ein frei stehendes Gebäude handle. Auf den Täter sei man aufgrund eines Hinweises aus der Schützenszene gestoßen, nachdem offensichtlich versucht worden war, die Waffen zu verkaufen.

Ein anonymer Anrufer habe den Schützenmeister von Bayerntreu darüber informiert, die Spuren hätten so auch zu Harry S. geführt. In dessen Wohnung hätten die Polizeibeamten im Rahmen einer Durchsuchung dann auch Beweismaterial, darunter die Schießbekleidung und ein inzwischen umgebautes Luftgewehr gesichert. "Verkaufen konnte ich das Gewehr nicht. Aus Freude am Basteln habe ich es dann etwas umgebaut", erläuterte Harry S. den Umbau.

Der arbeitslose Angeklagte, der über einen fachgebundenen Hochschulabschluss verfügt, war schon Mal gerichtlich in Erscheinung getreten, wie sich Richter Florian Greifenstein erinnerte. Zweimal musste sich der Angeklagte bereits wegen Anbaus von Marihuana vor Gericht verantworten, kam damals mit Geldstrafen davon. Und auch nach dem Einbruch kam er in Kontakt mit der Polizei: Bei einer Routinekontrolle im Mai 2013 in einem Zug hatten Polizeibeamten verbotene Waffen - ein Klappmesser und eine Drahtwürgeschlinge - sichergestellt. "Das gehört nicht zu meiner Standardausrüstung", versuchte der Angeklagte zu erklären. "Mir lag es fern an diesem Tag jemanden zu erdrosseln", versicherte Harry S. gegenüber Richter Greifenstein. Die Waffen wurden zwar eingezogen, nach Antrag der Staatsanwaltschaft wurde deren verbotener Besitz in Hinsicht auf die zu erwartende Strafe wegen des Einbruchs nicht weiterverfolgt.

Bei den Plädoyers erwähnte der Staatsanwalt dann den erheblichen Ermittlungsaufwand, den der Einbruch in das Schützenheim zur Folge hatte. "Erst als die Polizei auf der Matte stand, hat der Angeklagte einen Aufklärungsbeitrag geleistet", er sei dann sehr geständig gewesen. Über den Angeklagten sprach er als Mitläufer. Eine Bewährungsstrafe von einem Jahr hielt der Staatsanwalt für vertretbar, verbunden mit der Hoffnung, dass Harry S., den er an sich für intelligent hielt, etwas aus seiner Bildung mache.

Weil sein Mandant nahezu unbelastet sei, darüber hinaus auch kooperiert habe und auch keine Personen gefährdet habe plädierte Rechtsanwalt Olav Mitter auf eine zehnmonatige Bewährungsstrafe. Dem schloss sich auch Richter Greifenstein an. Er rechnete es Harry S. an, dass er sich geständig gezeigt habe und nicht einschlägig vorbestraft sei. Ein Beuteschaden in Höhe von 10.000 Euro bezeichnete Greifenstein jedoch als "massive Straftat". Die Bewährungstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre, sollte dem Angeklagten zur Mahnung dienen, er warnte Harry S: "Sie stehen jetzt drei Jahre unter Beobachtung!"

Auf eine Revision wurde verzichtet, das Urteil ist somit rechtskräftig. Wie sich in der Verhandlung herausgestellt hat, ist Harry S. zu einem weiteren Gerichtstermin geladen. Im Juni soll sein Komplize vor Gericht stehen, Harry S. ist dann Zeuge.

je

Rubriklistenbild: © Picture Alliance / dpa

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