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Ein Motorrad lieferte die Idee

Niederbergkirchner erfindet eine Notruf-App

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Nach einem Sturz von diesem Motorrad kam Roland Rauscheder aus Niederbergkirchen die Idee für seine Notruf-App.
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Niederbergkirchen - Nach einem Motorradunfall hatte ein Niederbergkirchner die Idee für eine Notruf-App - und setzte sie in die Tat um. Wie aus der kleinen Idee ein Großprojekt wurde:

Ein Motorradunfall mit glücklichem Ausgang brachte den Stein ins Rollen. Roland Rauscheder aus Niederbergkirchen, Fachlehrer an einer Fleischereimeisterschule, war an einem Sonntag im Mai 2013 mit seinem Motorrad unterwegs, als ihm, so erinnert er sich, die Vorfahrt genommen wurde und er im Graben landete. Passiert ist ihm bei dem Sturz glücklicherweise nichts - "nur mein Motorrad war verletzt", scherzt Rauscheder heute. "Als ich im Graben gehockt bin, habe ich gedacht, ich rauche eine Zigarette und fahre wieder weiter", erinnert sich der 38-Jährige. Schließlich hat sich Rauscheder jedoch dazu entschlossen zu warten, bis ein Auto vorbeikommt. Etwa eine halbe Stunde sei vergangen, erzählt Rauscheder, und der erste Autofahrer, der schließlich am Graben vorbeifuhr, hat den Niederbergkirchner nicht bemerkt.

Fast nebenbei fiel Rauscheder auf, dass sich bei seinem Sturz das Kopfhörerkabel von seinem Smartphone gelöst hatte. Was, wenn das Smartphone automatisch einen Notruf sendet, sobald das Kabel gezogen wird? Die Idee einer Notruf-App war geboren. Ursprünglich war Rauscheder noch davon ausgegangen, dass er eine vergleichbare App schon geben müsste, wurde aber nicht fündig. Keine der Notruf-Apps, die der 38-Jährige bei seinen Recherchen fand, hatten einen Selbstauslöser. Kurzerhand fasste Rauscheder den Entschluss, selbst eine derartige App zu entwickeln. Er wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, vor welchem Großprojekt er stand.

Waldkraiburger Programmierer hat die App entwickelt

Alleine, einen Programmierer für die App zu finden, gestaltete sich als schwierig. Bei Softwarefirmen hatte Rauscheder keinen Erfolg, die Auskunft, eine solche App programmieren zu lassen koste zwischen 5000 und 50.000 Euro, war dem Niederbergkirchner und seiner Frau Franziska, die ihn bei dem Projekt unterstützt, zu vage. Über einen Bekannten lernte Rauscheder schließlich den Waldkraiburger Programmierer Thomas Rohrbacher kennen. "Er hat sich das ganze zirka zehn Sekunden überlegt", erinnert sich Rauscheder an das Treffen mit dem Programmierer. "Er hat mir gesagt, er hat schon immer auf so eine Gelegenheit gewartet."

Nach einigen Monaten hatte Rohrbacher die iOS-Version der App fertiggestellt, er und Rauscheder sendeten sie an Apple. "Dann ging der Nerventerror los", erinnert sich Franziska Rauscheder. Apple prüfte die App auf Herz und Nieren - insbesondere in Bezug auf den Datenschutz - und gab schließlich das Okay.

Beinahe 100.000 Euro investiert

Rauscheder gibt rückblickend zu, dass er das Projekt nicht in Angriff genommen hätte, wenn er zu Beginn geahnt hätte, was auf ihn zukommt - auch finanziell. Wie Rauscheder und seine Frau erzählen, belaufen sich die Kosten inzwischen auf rund 97.000 Euro, ein Betrag, der sich nach und nach anhäufte. "Die Gewerbeanmeldung war das Billigste, die hat 50 Euro gekostet", scherzt Rauscheder. Große Kostenfaktoren waren beispielsweise das technische Equipment, allen voran der Server für die App. Außerdem hat sich Rauscheder seine Idee weltweit schützen lassen. Nicht für die App an sich, aber für den Auslösemechanismus via Kabelzug hat er ein weltweites Patent angemeldet.

Dieser Auslösemechanismus ist das Alleinstellungsmerkmal der Notruf-App "iHelpU", die es inzwischen auch für Smartphones mit Android-Betriebssystem gibt. Ist die App entsprechend eingestellt, aktiviert sich ein Timer, sobald das Kabel vom Smartphone getrennt wurde. Nach einigen Sekunden, in denen man die Aktion noch abbrechen kann, sendet die App eine Nachricht an ein Callcenter, das 24 Stunden täglich und 365 Tage im Jahr besetzt ist. Deren Mitarbeiter, ausschließlich medizinisches Fachpersonal, wie Franziska Rauscheder betont, versuchen daraufhin, den Nutzer der App telefonisch zu erreichen.

Nutzer muss sich über ein Passwort identifizieren

Gelingt dies nicht, setzt das Callcenter einen Notruf ab. Dabei übermittelt das Callcenter zusätzlich all jene Daten, die der Nutzer in die App eingetragen hat, wie etwa Allergien oder chronische Erkrankungen. Über GPS ist zudem der Standort des Nutzers bekannt, sodass die Einsatzkräfte wissen, wo sie nach dem Nutzer suchen müssen. Nimmt man den Anruf des Callcenters entgegen, muss man sich über ein Passwort identifizieren. Ist das Passwort nicht korrekt, alarmiert das Callcenter die Polizei.

Auch innerhalb der App selbst, also ohne Kabelmechanismus, kann der Nutzer das Notruf-Prozedere in Gang setzen. Auch dort startet ein Countdown, der wieder abgebrochen werden kann. Außerdem kann der Nutzer den Countdown überspringen und dem Callcenter direkt eine Nachricht übermitteln.

Inzwischen haben Roland Rauscheder und seine Mitstreiter eine weitere App entwickelt. "iNeedU" hat ähnliche Funktionen wie "iHelpU", sendet aber keinen Notruf an ein Callcenter, sondern übermittelt eine Nachricht an eine Kontaktperson. Die Entwickler dachten dabei insbesondere an Kinder, die in einer Notsituation schnell ihre Eltern kontaktieren möchten. Diese App gibt es derzeit für iOS, eine Version für Android-Betriebssysteme wird gerade programmiert.

"Wenn wir nur ein Leben retten, hat es sich gelohnt"

Beide Apps sind kostenpflichtig, "iNeedU" kostet einmalig 2,69 Euro, "iHelpU" kostet 6,99 Euro im Jahr. Roland Rauscheder betont jedoch, dass sich der Preis in erster Linie durch die Kosten ergibt. So gingen bei der iOS-Version alleine 40 Prozent des Preises an Apple. Außerdem muss die jährliche Gebühr der Notruf-App "iHelpU" die Kosten für das Callcenter decken. Ob sie ihre eigenen Kosten decken und sich die App-Idee irgendwann finanziell vielleicht sogar lohnt, wissen Roland und Franziska Rauscheder nicht. "Wenn wir nur ein Leben retten, hat es sich gelohnt", betont Franziska Rauscheder.

Im Moment sind Roland Rauscheder und seine Mitstreiter auf der Suche nach Kooperationspartnern. Unter anderem suchen sie nach einer Firma, die etwas entwirft, mit dem man das Kabel an einem Motorrad befestigen kann, damit es sich im Falle eines Sturzes garantiert vom Smartphone löst. Außerdem würden die Rauscheders gerne Firmen für das Projekt gewinnen, die die App ihren Mitarbeitern zu Verfügung stellen möchten. "Eine große Betriebskrankenkasse" sei bereits daran interessiert, ihren Versicherten die App zu bezahlen, erzählt Franziska Rauscheder.

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