PAAR-BEZIEHUNG IN DER KRISE

Ein Paar aus Niederbergkirchen kann seit Monaten wegen Corona nicht mehr arbeiten

Drei Monate im Lockdown: Moritz Rauschecker und Shaira Sperber haben versucht, an Minijobs zu kommen. Doch ohne Erfolg. Beide verhehlen nicht: Drei Monate auf engem Raum – da bleiben Reibereien nicht erspart.
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Drei Monate im Lockdown: Moritz Rauschecker und Shaira Sperber haben versucht, an Minijobs zu kommen. Doch ohne Erfolg. Beide verhehlen nicht: Drei Monate auf engem Raum – da bleiben Reibereien nicht erspart.

Seit November nichts zu tun: So erleben ein Koch und eine Servicekraft aus Niederbergkirchen den Lockdown. Bemühungen mit einem Minijob einen geordneten Tagesablauf zu bekommen, sind bislang gescheitert. Ändert sich nächste Woche etwas an der Situation im Gastgewerbe?

Niederbergkirchen – Gastgewerbe, Friseure, Einzelhandel – der Frust ist groß in den Sparten, die seit Mitte November vom Lockdown besonders betroffen sind. Der Niederbergkirchener Moritz Rauschecker und seine Freundin Shaira Sperber arbeiten im Restaurantgewerbe, sitzen seit dem 15. November daheim – und sind zum Nichtstun verdammt.


Erst umgebaut, dann auf die Gäste gefreut – doch dann kommt der zweite Lockdown

Es hatte eigentlich wieder ganz gut begonnen: Nach dem ersten Lockdown, den das Hotel und Restaurant Bastei in Mühldorf für eine umfassende Renovierung genutzt hatte, war man zuversichtlich. Es kamen wieder Gäste, freilich in reduzierter Zahl und unter akribischer Einhaltung der Hygienerichtlinien. „Das Geschäft lief wieder gut an – bis zum nächsten Lockdown im November. Seitdem warten wir darauf, dass wir wieder arbeiten können“, erzählt der Niederbergkirchener Moritz Rauschecker, Küchenchef im Restaurant.


Vor dem Lockdown noch den Ausbildungsschein gemacht

Nicht nur der 27-Jährige wartet seit drei Monaten sehnsüchtig darauf, dass er in die Küche zurückkehren darf. Auch seine Lebensgefährtin Shaira Sperber (25) ist vom Lockdown im Gastgewerbe betroffen. Die Hotelfachfrau koordiniert in der Bastei als Serviceleiterin die Arbeit der Bedienungen. „Vor dem ersten Lockdown haben wir noch unseren Ausbilderschein gemacht, der Keller war während des Umbaus geöffnet. Nach dem Lockdown lief alles wieder gut an“, erinnert sich Sperber an den 25. Mai 2020, als wieder Gäste kommen durften. Der Sommer sei gut gewesen, stimmt ihr Moritz Rauschecker zu. Dann der zweite Lockdown: Es gab keine Advents- und Firmenfeiern mehr. Und auch der Fasching im Bastei-Keller fällt Corona zum Opfer. Beide sind in Kurzarbeit, kommen damit bislang auch gut über die Runden.

Schränke aufgebaut und Schnee geschippt

Aber stillhalten ist ihre Sache nicht. „Natürlich sucht man sich Arbeit. Ich habe etliche Schränke aufgebaut, den Keller aufgeräumt und nach den Schneefällen der letzten Wochen halb Miesing geräumt“, lacht der 27-Jährige, der seit kurzer Zeit mit seiner Lebensgefährtin in diesem Niederbergkirchener Ortsteil lebt.

Schön langsam geht die Arbeit aus

„Aber schön langsam geht mir zu Hause die Arbeit aus“, ergänzt er. Beide haben Versuche unternommen, im Lockdown andere Tätigkeiten aufzunehmen, die einen geregelten Tagesablauf ermöglichen. Bis zu 450 Euro pro Monat dürften sie nach geltender Regel dazuverdienen. Rauschecker hat sich am Inn-Klinikum beworben, um in der Küche zu helfen. Spargelstechen war schon beim ersten Lockdown eine Option. Doch offenbar gab es keinen Bedarf: „Ich habe keine Antworten erhalten“, zuckt Rauschecker mit den Schultern. Auch Shaira Sperber ließ nichts unversucht, an einen Job zu kommen. Warenhaus und Tankstelle standen als Option für einen Minijob.

Keine Qualifikation für das Pflege- oder Seniorenheim

Auch in einem Seniorenheim hatte sie nachgefragt, wurde aber abgelehnt. „Weil die Qualifikation dafür fehlt und es nur befristet gewesen wäre. Man weiß ja nicht, wann die Gastronomie wieder öffnen wird und dann wären wir natürlich weg gewesen“, haben beide für die Reaktionen sogar Verständnis. Die Hoffnungen ruhten lange auf den 14. Februar. Dass an diesem Tag die Lockerungen eintreten, die die Gastronomen schon lange herbeisehnen. „Doch wir glauben nicht daran, dass wir ab nächster Woche öffnen dürfen“, bleiben beide skeptisch, verhehlen dabei nicht, dass in den vergangenen drei Monaten mitunter auch gezankt wurde. „Ist aber auch verständlich, wenn man 24/7 in der Wohnung verbringt“, meint Rauschecker.

Babysitterqualitäten für sich entdeckt

Immerhin haben sie in den vergangenen Monaten ein gemeinsames Hobby für sich entdeckt. „Crosstraining, drei bis vier Mal die Woche, um fit zu bleiben“, ergänzt Shaira Sperber. Ansonsten liegt der Fokus auf der Familie. Pünktlich zum Lockdown im November kam der Neffe von Moritz Rauschecker auf die Welt, beide konnten somit ihre Qualitäten als Babysitter zeigen.

Den Meisterbrief vor Augen

Wie geht es jetzt weiter, wenn die Wirtshäuser weiterhin geschlossen bleiben sollten? Shaira Sperber weiß es nicht, doch Moritz Rauschecker hat einen Plan. Er hat sich bei der IHK angemeldet, um seinen Meister für die Küche zu machen. „Passbilder wären dafür recht und vorher ein ordentlicher Haarschnitt natürlich“, schmunzelt Rauschecker, während er nach oben in Richtung wallendes Haupthaar schielt. „Leider haben die Friseure zu – aber das ist eine andere Geschichte.“ Oder doch nicht?

Im Frühjahr 2020 haben die beiden noch ihren Ausbilderschein gemacht. Nur ausbilden können sie aktuell nicht. Wegen Corona sitzen die Serviceleiterin und der Koch zu Hause.

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