Ein historischer Bus - wieder ganz neu

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Drei Jahre hat es gedauert, um aus einer "schrottreifen Ruine" ein Stück Nostalgie zu schaffen. Jetzt rollt der Bus generalüberholt und mit neuem Lack wieder durch die Lande.

Neumarkt-St. Veit - In einem österreichischen Museum hat Ulrich Brunner den alten Setra S6, Baujahr 1957, entdeckt. Über drei Jahre haben ihn Mechaniker wieder in seinen alten Zustand versetzt.

Ein schnuckeliger Bus - wie er in den Nachkriegsjahren auf europäischen Straßen fuhr - erstaunte am Wochenende die Rottstädter. Die Neumarkt-St. Veiter Firma Kronberger, Busreparaturwerkstatt, hatte mit Partnern aus einer "schrottreifen Ruine" ein nostalgisches Schmuckstück wieder erstehen lassen.

"4500 Arbeitstunden haben wir da hineingesteckt," erläutert Firmenchef Albert Kronberger bei der Übergabe. Sehnlichst hatte auf diese Stunde der neue Besitzer des Setra S6, Baujahr 1957, Ulrich Brunner aus Eggenfelden, gewartet. "Mein Sohn Hubertus ist extra Busfahrer geworden, denn er wird künftig die Handwerker, die wöchentlich zu Kursen in meinen Betrieb kommen, mit diesem Fahrzeug transportieren", sagt Ulrich Brunner.

Dann erzählt er den Mechanikern und anwesenden Freunden die Geschichte des kleinen Busses und die Odyssee bis zu dessen Kauf. "Im Lagerbestand eines österreichischen Museums fand ich dieses Fahrzeug zwischen vielen anderen stehen", erinnert er sich. Dieser Setra sei von 1957 bis in die späten 90er-Jahre auf allen europäischen Straßen rund 1.430.000 Kilometer gefahren. Das wäre knapp 36-mal um die Erde. Im österreichischen Reiseverkehr ist er nicht nur in der Wachau und Burgenland unterwegs gewesen. "Von Skandinavien bis Sizilien und vom Ural bis zum Atlantik könnte er erzählen." Und das alles mit einem 90-PS-Hentschel-Motor mit 90 Stundenkilometer Höchtgeschwindigkeit.

Mit dem Kauf des Fahrzeugs war es aber nicht getan. Nun mussten von Händlern Ersatzteile und Originalarmaturen besorgt werden. Brunner legt nämlich größten Wert bei diesem "Urgestein mit nachvollziehbarer Technik und Mechanik", dass alles original ist.

Albert Kronberger und seine Mannschaft bestätigten, dass der Motor, das Getriebe und das Fahrgestell generalüberholt wurden und selbst das Radio, die Sitze und andere Ausstattungsteile von S6-Händlern und Sammlern mühsam besorgt wurden.

"Am Anfang sah der Bus ja noch ganz anständig aus. Aber als wir ihn zerlegten, stellten wir fest, dass er nur noch eine Ruine war", bestätigt der Werkstattmeister. Um so erstaunlicher ist das Ergebnis nach über dreijähriger Bauzeit, denn der Bus sieht heute aus wie neu - in originalen Farben und gleichen Schriftzügen.

Und er fährt auch. Die kleine Gruppe macht eine Probefahrt mit dem renovierten Bus durch Neumarkt-St. Veit. Der junge "Fahrzeugführer" Hubertus muss ganz schön schwitzen, denn ohne Servolenkung und mit Zwischengas beim Rauf- und Runterschalten der Gänge hat er nicht viel Erfahrung. Einige Fahrgäste stellen sich beim Erklimmen des St. Veiter Berges vor, wie sich Busreisende vor 65 Jahren auf der alten Brennerstraße gefühlt haben mögen.

Bei seiner Jungfernfahrt erregt der Bus die ungeteilte Aufmerksamkeit der Passanten. Aber weite Reisen sind in modernen Bussen wohl doch bequemer.

nz/Neumarkter Anzeiger

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