Digitalfunkmast: Der Aufbau beginnt

+

Neumarkt-St. Veit - Im März war die Stadt mit ihrer Klage gegen den Standort des Digitalfunkmasts am Ortseingang gescheitert. Jetzt werden die Pläne des Innenministeriums umgesetzt.

Im März dieses Jahres war die Stadt mit ihrer Klage gegen den Standort des Digitalfunkmasts am Ortseingang vor dem Verwaltungsgericht in München gescheitert. Jetzt werden die Pläne des Innenministeriums umgesetzt. Ab heute laufen die Vorbereitungen für den Bau des Funkmasts.

Die Firma Telent aus München ist für das Standortmanagement zur Errichtung dieser Digitalfunkmasten verantwortlich, arbeitet dabei mit der Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben zusammen, um die Umstellung von analogem zu digitalem Funk sicherzustellen. Wie es nun aus München heißt, beginnt die Arbeiten am südlichen Ortseingang von Neumarkt-St. Veit am heutigen Donnerstag.

Nur drei Prozent des Grenzwertes

Kaum ein anderer Bereich wurde in den vergangenen Jahrzehnten so intensiv wissenschaftlich untersucht wie der etwaige Einfluss elektromagnetischer Felder auf Mensch und Natur. Zum gesundheitlichen Aspekt bezieht das bayerische Innenministerium wie folgt Stellung: „Nach allen anerkannten wissenschaftlichen Erkenntnissen gilt das TETRA-System des Digitalfunks – wie andere digitalen Funksysteme auch – bei Einhaltung der Grenzwerte der 26. Bundesimmissionsschutz- Verordnung als gesundheitlich unbedenklich.“ Diese Grenzwerte, bei denen es sich bereits um Vorsorgewerte handele, würden laut Innenministerium beim digitalen Einsatzfunk regelmäßig nur zu einem äußerst geringen Prozentsatz (zirka drei Prozent) ausgeschöpft.

Zunächst sind es Aushubarbeiten, im nächsten Schritt wird die Betonplatte erstellt, schließlich der knapp 43 Meter lange Masten aufgestellt. Befürchtungen aus Teilen der Bevölkerung ob erhöhter Strahlungswerte hatten die planenden Gremien im Vorfeld zu entkräften versucht, indem sie auf die Einhaltung der Grenzwerte verwiesen (siehe Kasten). Weitere Ängste, dass der Mast am Ortseingang von Neumarkt-St. Veit auch als Mobilfunkmast mitgenutzt werden könnte, entkräftet jedoch Jürgen Harle, der als Polizeihauptkommissar im Bayerischen Innenministerium und Mitglied der Projektgruppe „DigiNet“ für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. „Das wird sehr restriktiv gehandhabt, es wird kein Mobilfunkmast. Schließlich muss der Betrieb des Behördenfunks ungestört sein.“

Dass das digitale Funknetz in ersten Testphasen – etwa im Bereich der Polizei in München – fehlerhaft war, verhehlt Harle nicht. „Die Probleme wurden aufgearbeitet und soweit beseitigt.“ Dass die Technologie mittlerweile voll funktioniert belegt der Polizeihauptkommissar mit Erfahrungen aus dem Champions-League-Finale im Mai in München. Im gesamten Stadtgebiet München – das mittlerweile vollständig über Digitalfunk abgedeckt sei – seien an diesem Tag über 2000 Polizeibeamte mit zirka 1500 digitalen Funkgeräten unterwegs gewesen. „Alles ohne Probleme“, so Harle, die maximale Auslastung habe bei 48 Prozent der möglichen Verkehrskanäle gelegen.

Was in München offensichtlich schon erfolgreich praktiziert wird, soll in den nächsten drei Jahren Schritt für Schritt auch in allen anderen bayerischen Netzabschnitten umgesetzt werden. Ziel sei bis 2014 den Ausbau des Digitalfunk zu beginnen und bis 2015 den flächendeckenden Digitalfunk sicherzustellen. Harle spricht dann von einer Netzabdeckung von 95 Prozent. 100 Prozent seien schlichtweg aufgrund natürlicher Schattierungen, wie sie vor allem im alpinen Bereich vorzufinden seien, nicht zu erreichen. Der Netzabschnitt Oberbayern Süd, zu dem auch der Standort in Neumarkt-St. Veit zählt, soll spätestens 2014 in den Probebetrieb gehen, wie Harle weiter informiert.

Alleine im Landkreis Mühldorf werden acht Funkmasten aufgestellt, um die Netzabdeckung zu erreichen. Um welche weiteren Standorte es sich dabei handle darf Harle jedoch aus Geheimhaltungsgründen nicht preisgeben. Harle spricht von einem 30 Kilometer großen Radius, die eine Zelle an Reichweite habe.

Genaue Angaben zu den Kosten, die nach Abschluss der Digitalisierung auf die Hilfskräfte zukommen – in Neumarkt-St. Veit müssten alleine sieben Feuerwehren mit Endgeräten ausgestattet werden – kann Harle derzeit nicht machen. Nur soviel: Für die Erstausstattung erhält jede Feuerwehr eine Förderung von 80 Prozent, entstehende Einbaukosten müssten die Hilfsorganisationen jedoch zu 100 Prozent selbst tragen.

Info: Alarmierung über das digitale Netz

Vom digitalen Behördenfunk profitieren nach Angaben des Bayerischen Innenministeriums unter anderem Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, Technisches Hilfswerk, Zollbehörden und Verfassungsschutzämter. Vorteile des Digitalfunks auf Basis der TETRA-Technologie sind unter anderem die verbesserte Abhörsicherheit, Funktionalitäten wie Einzel- oder Gruppenkommunikation, Datenübertragung oder bessere Sprachund Empfangsqualität. In Bayern ist zudem geplant, die Alarmierung zukünftig über das digitale Netz zu realisieren. In Bayern werden rund 945 Basisstationen und damit ein Viertel der bundesweit geplanten Standorte benötigt

je

Zurück zur Übersicht: Region Neumarkt-Sankt Veit

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser