Tiefflieger gegen Windräder

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Regeneratives Idyll unter weißblauem Himmel: In Angerbach, nur wenige Kilometer von Frauenhaselbach entfernt, stehen bereits zwei Windräder. In Frauenhaselbach jedoch wird keines montiert: Die Höhe des Rades würde sich mit dem Tiefflugkorridor der Bundeswehr überschneiden. 

Neumarkt-St. Veit/Frauenhaselbach - Mehr als ein halbes Jahr der Planung war umsonst: Die Wehrbereichsverwaltung der Bundeswehr lehnte die Windanlage ab.

"Das bedeutet das Aus für den Standort Frauenhaselbach", fasst Reinhard Fuchs enttäuscht zusammen. Der Frauenhaselbacher hatte das Projekt zur Errichtung des ersten Windrades im Landkreis Mühldorf vehement vorangetrieben. Nachdem die Wehrbereichsverwaltung Süd im August 2011 einen positiven Bescheid erstellt habe, auch in Bezug eines Tiefflugkorridors, seien die Planungen konsequent weitergeführt worden, so Fuchs. Die BBV-Landsiedlung habe das Projekt wegweisend begleitet und auch viel Geld in die Hand genommen, um die Planungen voranzutreiben.

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Es fand eine Bürgerversammlung statt, schließlich wurde auch ein Windgutachten, das das Windpotenzial bestätigte, in Auftrag gegeben. Auch Planungen über Technik und Kabeltrasse liefen bereits. Alles umsonst. Denn: "Nun kam ein halbes Jahr später ein Nachbescheid zum Tiefflugkorridor. Diesmal negativ!", ärgert sich Fuchs.

"Dies war für die BBV-Landsiedlung ein Schock, da dies das Aus für das Paradeprojekt in Frauenhaselbach bedeutet", zeigt sich auch Elfriede Zellner frustriert, die seitens der BBV-Landsiedlung das Projekt von der ersten Stunde an begleitet und viele Stunden Arbeit investiert hat. Zumal sie die Voraussetzungen als gut beschreibt: "Es war ein Grundstück vorhanden, an dem die Schall- und Schattenimmission passte. In der Bürgerversammlung zeigten sich die Anwohner rund um das Windrad positiv." Nur vereinzelt habe man sich den Anblick einer Windenergieanlage nicht recht vorstellen können, teilt Zellner mit, "das Windpotenzial war akzeptabel".

Negativer Nachbescheid

Nach sieben Monaten sei nun ein Nachbescheid zum Tiefflugkorridor gekommen - negativ. Näher wollte sie den Briefwechsel nicht erläutern. Nur soviel: Die Behörde habe bei ihrem ersten Bescheid offensichtlich einen Fehler gemacht. Jetzt sehe sie keine rechtliche Handhabe mehr gegen den Bescheid vorzugehen, selbst ein Gang vor das Verwaltungsgericht bezeichnet sie als aussichtlos: "Alle Planungen wurden eingestellt. Das Bürger- und Bauernwindrad in Frauenhaselbach wird nicht gebaut."

Fakt ist: Der geplante Standort für das Bürgerwindrad hätte sich auf 490 Meter über Normalnull befunden, der Korridor beginnt bei 609 Metern: "Alles, was höher als 120 Meter wäre, wäre nicht genehmigungsfähig gewesen", erklärt Fuchs. Das Frauenhaselbacher Windrad hätte alleine eine Nabenhöhe von 140 Metern gehabt.

Kritik wird bei Zellner zwischen den Zeilen laut: "Auch wenn die Landwirte und die Bürger bereit sind, an der Energiewende in Bayern ihren Teil beizutragen, die Rahmenbedingungen sind eng gesteckt und machen das Engagement einzelner Landwirte und Projektanten zunichte." Und auch Fuchs findet: "Wenn man an Grenzwerte nicht herangeht, wird die Energiewende nicht zu schaffen sein. Ein Fortbestehen solcher Grenzwerte würde dazu führen, dass die Potenziale, die wir in Bayern haben, rein theoretisch bleiben und keine praktische Umsetzung möglich ist."

Für Fuchs spielt in Sachen regenerativer Energieerzeugung auch der Flächenverbrauch eine entscheidende Rolle. In diesem Punkt habe die Windkraft entscheidende Vorteile. Das Windrad in Frauenhaselbach mit seiner Leistung von 2,3 Megawatt erzeuge soviel Strom wie 1200 Hektar Mais, die in einer Biogasanlage vergären, oder etwa eine Fotovoltaik-Freiflächenanlage mit einer Größe von drei Hektar, rechnet Fuchs vor. Er will den Standort noch nicht ganz aufgeben. "Sollte der militärische Tiefflugkorridor verändert werden, wäre der Standort wieder im Rennen." je

je/Mühldorfer Anzeiger

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