Stockender Export

Verdiensteinbußen: Neumarkter Schweinehalter von Schweinepest und Corona betroffen

Der Absatz von Schweinefleisch ist rückläufig: Schweinemäster befürchten, dass das irgendwann auch tierschutzrechtlich problematisch werden könnte, denn die Schweine werden größer und damit auch deren Platzbedarf.
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Der Absatz von Schweinefleisch ist rückläufig: Schweinemäster befürchten, dass das irgendwann auch tierschutzrechtlich problematisch werden könnte, denn die Schweine werden größer und damit auch deren Platzbedarf.

Beinahe 90 Mastschweinehalter gibt es im Landkreis Mühldorf. Sie haben es derzeit alles andere als leicht und müssen gleich an zwei Fronten mit kämpfen: zum einen gegen die Auswirkungen der Schweinepest und zum anderen die der Corona-Pandemie.

Neumarkt-St. Veit – Clara Späth vom Fachzentrum für Schweinezucht und -haltung am Amt für Landwirtschaft in Töging erklärt das folgendermaßen. Im Raum Brandenburg ist ein Fall von Schweinepest festgestellt worden, der „wahrscheinlich aus Polen zu uns nach Deutschland herübergeschwappt ist“. Damit gilt Deutschland nicht mehr als schweinepestfrei und darf sein Schweinefleisch nicht mehr in Drittländer exportieren.


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Virus fühlt sich in den Schlachthöfen wohl


Das hatte gravierende Auswirkungen für die Schweinehalter. Die Märkte für den Schweinefleischmarkt sind eingebrochen und der Preis ist von etwa 1,27 Euro pro Kilogramm auf 1,19 Euro pro Kilogramm gesunken. Das ist ein extrem niedriges Niveau“, sagt Späth. Das andere Problem für die Schweinehalter sei Corona.

Einbruch der Schlachtkapazitäten sorgt für „Schlachtstau“

Vor allem in den Schlachthöfen scheint sich das Virus wohlzufühlen. So sind beispielsweise beim Landshuter Schlachthof rund 75 Mitarbeiter auf Corona getestet worden. Damit kann der Schlachthof, in dem überwiegend Schweine geschlachtet werden, nur noch eingeschränkt arbeiten. Durch den Einbruch der Schlachtkapazitäten, so Clara Späth, gebe es sozusagen einen „Schlachtstau“.

Abnahmeverträge, die nicht eingehalten werden

Das bestätigt auch ein Schweinemäster aus dem Raum Neumarkt-St. Veit. Er möchte seinen Namen nicht nennen, da er Sorge hat, dass er von Menschen mit falschen Tierschutzvorstellungen angegangen wird. Er ist ein Schweinemäster, der mit Ferkel von einem Landwirt aus dem Raum Vilsbiburg beliefert wird. „Wir haben Abnahmeverträge, die aber nicht eingehalten werden“, so der Schweinemäster.

Höhere Futterkosten und mehr Platzbedarf – ein gefundenes Fressen für Tierschützer

Das heißt, die Ferkel, die er gemästet hat, werden derzeit teilweise erst Wochen später abgeholt. Er müsse praktisch jeden Tag anrufen und werde meistens vertröstet. Das bedeute aber auch, dass er sie länger füttern müsse, was mit entsprechenden Futterkosten verbunden sei. Auch das Futter sei deutlich teurer als sonst.

Zudem fielen die gemästeten Tiere irgendwann aus ihrer Gewichtsklasse heraus und „dann gibt es praktisch gar nichts mehr für das Kilo Fleisch“, so der Schweinemäster.

Lockdown in der Gastronomie spielt keine Rolle

Ein weiterer Punkt ist, dass die Schweine, wenn sie immer größer und schwerer werden, natürlich auch mehr Platz benötigen. Das heißt, der „Schlachtstau“ ist irgendwann auch tierschutzrechtlich problematisch. Keine so große Rolle scheint für die Schweinehalter der Lockdown der Gastronomie zu spielen. Eine Lösung für das Dilemma der Landwirte ist derzeit nicht in Sicht.

Proteste der Landwirte scheinen Wirkung zu zeigen

Zumindest die Proteste der Landwirte scheinen Wirkung gezeigt zu haben: Der Discounter Lidl hat als Reaktion auf die Protest- und Blockadeaktionen von Landwirten die Preise für Schweineprodukte erhöht. Lidl habe den Einkaufspreis für zehn Artikel aus dem Schweinefleischsortiment um einen Euro pro Kilogramm angehoben, als Folge steige der Verkaufspreis im gleichen Umfang, teilte Lidl in einer Pressemitteilung mit.

Lesen Sie dazu auch: Bauernproteste – Handel geht auf Landwirte zu (Plus-Artikel ovb-online.de)

Lidl will zusätzlich 50 Millionen Euro an die Landwirte zahlen

Lidl hatte zudem angekündigt, 50 Millionen Euro zusätzlich an die Landwirte über die Initiative Tierwohl auszuzahlen. Auch Rewe geht einen Schritt auf die Landwirte zu. Die Handelskette kündigte an, bei Schweinefleisch bis auf Weiteres Beschaffungspreise zu zahlen, die dem Marktniveau vor Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest und dem damit zusammenhängenden völligen Zusammenbruch des Exportmarktes entsprechen.

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