Schnelltest im Selbsttest

Unangenehm und gefühlte Ewigkeit: So läuft der Corona-Test in einer Neumarkter Apotheke ab

Zuerst wird Fieber gemessen. 36,5 Grad Celsius im Scanner– alles im grünen Bereich.
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Zuerst wird Fieber gemessen. 36,5 Grad Celsius im Scanner– alles im grünen Bereich.

Einmal pro Woche darf sich ab sofort jeder kostenlos auf Corona testen lassen. Binnen 15 Minuten sollen diese Schnelltests ein aussagekräftiges Ergebnis liefern. In der Johannesapotheke von Ulrich Geltinger in Neumarkt-St. Veit ist dies seit Montag möglich. Ein Selbstversuch.

Neumarkt-St. Veit – Vor dem Test ist erst einmal Schreibkram nötig. Zum einen geht es um die Personalien, die im Falle einer Covid-19-Infektion unmittelbar an das Gesundheitsamt weitergeleitet werden. „Aber auch nur dann. Wenn der Test negativ ausfällt, werden die Unterlagen vernichtet“, informiert Ulrich Geltinger.

Blatt zwei besteht dann aus einem Fragebogen zur Selbsteinschätzung: Grippeähnliche Symptome – jetzt oder in den zurückliegenden 14 Tagen? Kontakt mit einem bestätigten Corona-Patienten oder auch nur ein Verdachtsfall? Das war nicht der Fall. „Dann weiter zum Test“, sagt der Neumarkter Apotheker Ulrich Geltinger, verbunden mit der Aufforderung, die Apotheke zu verlassen und das Gebäude eine Tür weiter den Stadtplatz runter erneut zu betreten.

Apothekenraum wird zum Schnelltestlabor

Dort steht ein kleiner Raum zur Verfügung, keine vier Quadratmeter groß. Eine Schleuse. Eine weitere Tür trennt den dahinterliegenden Raum ab, den Ulrich Geltinger zum Schnelltest-Labor umfunktioniert hat. Er selbst desinfiziert sich die Hände. Dann legt er einen flüssigkeitsdichten Schutzkittel an, auch an eine Kopfhaube hat der Apotheker gedacht sowie an die FFP2-Maske. Ein Schutzvisier noch, denn sicher ist sicher. Die Einmalhandschuhe kommen zu guter Letzt.

Phiole, Extraktionsflüssigkeit und Kontrollflüssigkeit. Dazu Testkassette und Teststäbchen. In der Apotheke von Ulrich Geltinger werden aktuell die Clinitests von Siemens für den Schnelltest herangezogen.

Bevor sich Geltinger nun das Teststäbchen schnappt noch ein kurzer Blick auf die Temperaturmessung, die an einer Wand in der Schleuse montiert ist. 36,5 Grad Celsius – alles im grünen Bereich.

Das Teststäbchen kommt in beiden Nasenlöchern zum Einsatz

Erst jetzt darf die Testperson die Maske ablegen und Geltinger schreitet zum eigentlichen Prozedere. Erst schiebt er das Teststäbchen mit der Wattierung in das rechte Nasenloch, dreht es hin und her. Nein, Schmerz ist es nicht, aber dennoch ein unangenehmes Gefühl.

Dieses wechselt in ein erlösendes, wenn er nach einer gefühlten Ewigkeit – 15 Sekunden sind erforderlich, je nach Sekretmenge – das Stäbchen herauszieht. Man möchte niesen, verkneift es sich aber. Und schon ist die andere Nasenöffnung dran. Ähnlich unangenehm. Ähnlich ewig.

Dann die Testkassette – wie beim Schwangerschaftstest

Geltinger fügt das Stäbchen in eine Phiole mit der Testflüssigkeit, die Extraktionslösung, ein, lässt es mehrmals routieren, verschließt das Gefäß und schüttelt es kräftig, bevor er es in den Phiolenständer abstellt.

Jetzt kommt die Testkassette zum Zug. „Ähnlich wie beim Schwangerschaftstest“, erklärt Geltinger, träufelt die Lösung mit der Kontrollflüssigkeit auf die Testkassette. Dann heißt es Warten. Geltinger stellt die Uhr ein, lässt 15 Minuten runterlaufen.

Testlinie ist bereits nach vier Minuten zu sehen

Zunächst ist die Testfläche komplett gerötet, mit zunehmender Wartezeit hellt sich die Fläche auf, immer deutlicher sichtbar wird hingegen der Indikator, der aussagt, ob eine Infektion vorliegt. Bleibt die rote Testlinie auf Höhe des „C“, ist die Testperson negativ. Ist zusätzlich, wenn auch nur schwach, ein weiterer Strich auf Höhe des „T“ zu erkennen ist der Test positiv. Das „T“ alleine würde bedeuten: ungültig.

Oben läuft die Zeit, unten wir das Testergebnis sichtbar. In diesem Fall bedeutet der rote Testlinie auf Höhe des „C“: der Test ist negativ. Keine Antigene nachweisbar, und damit auch keine Corona-Infektion.Enzinger

Bei einem negativen Testergebnis gibt es den „Derfschein“

Mein Test zeigt bereits nach vier Minuten an: negativ, keine Viruslast nachweisbar. „Das heißt: Nicht ansteckend!“, erklärt Geltinger, der nach Ablauf der Viertelstunde ein Formular zur Hand nimmt und darauf bestätigt, dass sich beim Test kein Hinweis auf eine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 ergeben habe.

„Das ist ein ,Derf-Schein‘, ein Zeugnis für das negative Testergebnis“, erklärt Geltinger als er das Schriftstück aushändigt. Die Bestätigung berechtige jetzt sogar zum Zutritt in ein Seniorenheim.

Acht Stunden – älter sollte der Test nicht sein

Das Bundesgesundheitsministerium gibt vor, dass so ein Test eine Gültigkeit von 48 Stunden habe. Geltinger jedoch empfiehlt eine sensiblere Handhabung, wenn noch dazu Besuche von Risikogruppen oder älteren Menschen anstünden.

„Acht Stunden – älter sollte der Test nicht sein“, so Geltinger, und er erklärt: „Ein negativer Antigentest bedeutet, dass im Moment der Testung keine Covid-19-Antigene im Hals-, Nasen-, Rachen zu finden sind.“ Es könne aber durchaus sein, dass man sich bereits angesteckt habe, die Infektion aber erst in einigen Tagen nachweisbar sei. Und deswegen lautet sein Appell trotz negativen Tests: „Abstandsregeln einhalten und die Maskenpflicht beachten!“

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