Empfindliche Strafen

Teure Party im Hörberinger Gasthaus: Bußgelder in Höhe von insgesamt 25.000 Euro stehen im Raum

Nur noch das Reklameschild und die Speisekarte erinnern daran, dass sich in dem Hof in Hörbering ein Wirtshaus befunden hat. Seit zehn Jahren hat es zu, doch am Samstag steppte dort der Bär. Das hat teure Konsequenzen.
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Nur noch das Reklameschild und die Speisekarte erinnern daran, dass sich in dem Hof in Hörbering ein Wirtshaus befunden hat. Seit zehn Jahren hat es zu, doch am Samstag steppte dort der Bär. Das hat teure Konsequenzen.

Landratsamt Mühldorf will mit aller Härte gegen Feiernde in der Pandemie vorgehen. Das hat die Behörde schon im vergangenen Corona-Jahr getan und 650 Verstöße im zurückliegenden Corona-Jahr sanktioniert. Diese Strafen kommt auf den Veranstalter und die Partygäste zu.

Neumarkt-St. Veit – 40 Personen, die ausgelassen feiern: Eine Party in dieser Größenordnung in Hörbering und das in Zeiten von Corona – das sorgte für viel Kritik. Dabei wurden noch nicht einmal alle Partygäste erfasst. Jetzt kommt die große Abrechnung. Wie das Landratsamt in Mühldorf mitteilt, müssen Veranstalter und Gäste mit hohen Strafen zu rechnen.

Veranstalter muss mit 5.000 Euro rechnen

„Das sind keine Kavaliersdelikte, sondern sie gefährden auch potentiell die Gesundheit anderer“, kommentiert Landrat Max Heimerl Zusammenkünften wie in Hörbering. „Bei groben Verstößen wie Silvesterpartys oder Feierlichkeiten mit vielen Teilnehmern haben wir die Möglichkeiten des Bußgeldkatalogs bislang ausgeschöpft und werden das auch weiterhin tun“, kündigt der CSU-Landrat an.

Veranstalter muss wohl 5.000 Euro abdrücken

Im Falle Hörberings liegt dem Landratsamt bislang eine Vorabinformation seitens der Polizei über den Einsatz und Auflösung der Feierlichkeit mit circa 40 Teilnehmern vor. Grundsätzlich habe ein Veranstalter einer Party mit einem Bußgeld in Höhe von bis zu 5.000 Euro rechnen, ein Partybesucher in der Regel mit 500 Euro.

„Die Höhe richtet sich nach dem konkreten Einzelfall entsprechend Art und Umfang der Verstöße sowie eventuell bereits angezeigter Regelverstöße in der Vergangenheit“, teilt dazu die Pressestelle des Landratsamtes mit. Im Falle von Hörbering wären das also bis zu 25.000 Euro, die an den Freistaat überwiesen werden müssen.

Bescheide im hohen dreistelligen Bereich

Dass das Landratsamt auch vor diesem Fall nicht untätig war und konsequent eingegriffen hat, zeigt ein Rückblick auf knapp ein Jahr Corona im Landkreis. „Seit Beginn der Pandemie im März 2020 hat das Landratsamt mehr als 650 Bußgeldbescheide erlassen“, sagt Landratsamtssprecherin Simone Kopf.

Verhältnismäßigkeit muss gewahrt bleiben

Sie betont, dass die Behörde bei der Bemessung eines Bußgeldes verhältnismäßig vorgehe und verweist auf den Polizeieinsatz im Januar an einem Schlittenberg in Mühldorf. Die Polizei hatte dort Eltern und Kinder vertrieben, weil sie keine Masken trugen und keine Abstände einhielten.

„Im Nachgang des Polizeieinsatzes am Schlittenberg wurden keine Bußgeldverfahren eingeleitet“, betonte Kopf. Verhältnismäßigkeit und Vorgehen würden abgewogen werden, dazu werde jeder Einzelfall geprüft.

Keine Bußgeldverfahren für Schlittengaudi in Mühldorf

Entwarnung gibt es in Bezug auf Corona-Infektionen. Die Polizei hatte einen Tag nach Auflösung der Party die Befürchtung geäußert, dass durch die hohe Anzahl an Personen, ein Hotspot entstehen könnte, der schließlich wieder zurück nach München getragen werde. Es seien bislang keine neuen Corona-Fälle in Zusammenhang mit dieser Feierlichkeit bekannt, sagte jetzt das Gesundheitsamt auf Anfrage.

Bislang kein Hinweis auf Corona-Infektion

Dass eine Versammlung wie im Hörberinger Gasthaus geschehen, nicht ohne Konsequenzen bleibt, ist auch im Sinne von Neumarkts Bürgermeister Erwin Baumgartner (UWG). „Der Verstoß scheint ja keine Lappalie gewesen zu sein.“

Baumgartner verweist darauf, dass schon alleine die Anfahrt aus der Landeshauptstadt einen Verstoß gegen das Infektionsschutzgesetz darstelle, weil es sich um eine nicht notwendige Fahrt handele. Die vielen Feiernden, die schließlich geflüchtet seien – das käme noch dazu.

Bürgermeister begrüßt Sanktionen

„Das alles habe man in Kauf genommen, man hat sich bewusst den Richtlinien widersetzt“, so der Eindruck Baumgartners, der es begrüßen würde, wenn das Fehlverhalten konsequent geahndet werde.

Die Wut über die Party von Münchnern auf dem Land ist auch bei den Hörberingern groß: „Weil eine Gruppe, sogenannter Münchner, im eigenen Wirtshaus in Hörbering eine Party mit circa 40 Personen abgehalten hat, haben wir Hörberinger derzeit eine unverantwortliche Situation, die wir nicht verstehen können“, regt sich der ehemalige Zweite Bürgermeister, Michael Asbeck auf.

Michael Asbeck: „Hörbering ist keine Pampa!“

Schon in seiner Zeit als Zweiter Bürgermeister von Neumarkt-St. Veit hatte Michael Asbeck den heimlichen Titel „Hörberinger Bürgermeister“. Zurecht, denn Asbeck setzte sich nicht nur als Gemeinderat für sein Dorf ein und tut es immer noch.

Ehrenamtlich engagierte sich der Rentner viele Jahre in nahezu jedem Hörberinger Verein, das Dorfleben ist ihm nach seiner politischen Karriere enorm wichtig. Umso mehr stört es ihn, wenn in der Berichterstattung vom Dienstag die Rede von der „Party in der Pampa“ die Rede ist. Für ihn ein Unding.

Hörberinger haben sich nach Schließung des Wirtshauses selbst geholfen

In seinem Sprachgebrauch stehe „Pampa“ für einen menschenleeren Ort, in einer einsamen abgelegenen Gegend. „Wenn man das Ganze so liest, sehe ich das schon als Verachtung unseres Dorfes Hörbering an!“

Hörbering habe das so nicht verdient, betont Asbeck und liefert dafür Beispiele: Nachdem nämlich das nun in die Schlagzeilen geratene Wirtshaus endgültig geschlossen hatte, „das vorher auch nie eine richtige Heimat für uns Hörberinger war“, hätten sich die Hörberinger Gedanken gemacht, wie es weitergehen könne.

Pfarrhaus als Heimat vieler Vereine

Man habe sich darauf geeinigt, einen Teil vom Pfarrhof abzubrechen, das Pfarrhaus umzubauen und zu renovieren. „Dies ist mit vielen Kosten und noch mehr Eigenleistung geschehen. Somit habe wenigstens unsere Landjugend und weitere Gruppierungen eine Heimat, ein Zuhause, wo man sich treffen kann.“

Außerdem sei in Eigenleistung und mit Hilfe der Stadt der dazu gehörige Parkplatz erheblich vergrößert worden, um nicht nur Parkmöglichkeiten für die Kirche zu haben, sondern auch einen Platz für Feste.

„Die Hörberinger haben es nicht verdient, negativ dargestellt zu werden!“

Was Michael Asbeck damit ausdrücken will: „In unserem Hörbering herrscht noch eine echte Dorfgemeinschaft, hier wird zusammen gehalten und da kann sich einer auf den anderen verlassen!“ Das Dorf habe es nicht verdient als Pampa abgestempelt und dadurch negativ dargestellt zu werden.

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