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Aus dem Bauausschuss

„Nicht mehr sanierungsfähig“ - Vernichtendes Urteil für das Fischerhäusl in Neumarkt

Das Holz fault, das Dach ist undicht, das Mauerwerk ist völlig durchnässt. Das Fischerhäusl ist nach Ansicht des Neumarkter Gebäudereferenten Wolfgang Hobmeier nicht mehr zu retten. Das Urteil der Denkmalschutzbehörde steht noch aus.
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Das Holz fault, das Dach ist undicht, das Mauerwerk ist völlig durchnässt. Das Fischerhäusl ist nach Ansicht des Neumarkter Gebäudereferenten Wolfgang Hobmeier nicht mehr zu retten. Das Urteil der Denkmalschutzbehörde steht noch aus.

Wie geht es weiter mit dem Fischerhäusl? In den sozialen Medien wurde emotional diskutiert, nachdem sich die Nachricht über einen drohenden Abriss verbreitet hatte. Nun diskutierte auch der Bauausschuss, dabei kamen vernichtende Details zum Vorschein.

Neumarkt-St. Veit – Wie geht es nun mit dem denkmalgeschützten Fischerhäusl weiter? Der Antrag auf Abbruch stand eigentlich auf der Tagesordnung der Sitzung vom Bau- und Umweltausschuss der Stadt Neumarkt-St. Veit. Der aber machte seine Entscheidung vom Urteil des Landesamtes für Denkmalpflege abhängig.

Bauausschuss hat keine Entscheidungsgewalt

Überraschend für die Zuhörer im Sitzungssaal: Anders als die Ladung zur Sitzung suggeriert hatte, hat die Stadt keine Entscheidungsgewalt über den Bestand des Gebäudes. „Wir als Stadt sind lediglich dazu aufgerufen eine Stellungnahme abzugeben“, erklärte Bürgermeister Erwin Baumgartner eingangs der Sitzung.

„Es wird hier nichts verschleiert!“

Als „sehr interessant“ beschrieb er die emotionale Diskussion in den sozialen Netzwerken, in welchem dem Eigentümer mitunter vorgeworfen worden war, dass er das Baudenkmal dem Verfall preisgegeben habe. Baumgartner selbst stellte klar, dass die Erörterung des Abbruchs gängiges Prozedere im Rahmen des Denkmalschutzgesetzes sei. „Es wird hier nichts verschleiert!“

Antrag Anfang August eingereicht

Anfang August 2022 war der Antrag für den Abbruch des Fischerhäusls gestellt worden, das gleichzeitig als Baudenkmal in der Denkmalliste aufgeführt ist. Wie es in der Sitzung hieß, ist für den Abbruch eines solchen Gebäudes eine Erlaubnis erforderlich, die sich nach dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz richtet. Demnach sei ein solcher Antrag bei der Gemeinde einzureichen, die diesen wiederum mit ihrer Stellungnahme unverzüglich der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landratsamt Mühldorf vorlegt.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Es gibt viel aufzuarbeiten

Antragsunterlagen inklusive Gutachten abgegeben

Im konkreten Fall sei den Antragsunterlagen ein Gutachten über die Bausubstanz beigefügt. Aus diesem sei nach Darstellung der Verwaltung zu entnehmen, dass die Standsicherheit des Gebäudes nicht mehr gegeben ist. Auch bestehe keine Sanierungsmöglichkeit mehr. Bei der Sanierung müssten wohl so viele Bauteile ersetzt werden, dass fraglich sei, ob das Gebäude dann noch als Denkmal anzusehen wäre. Letztendlich entscheide dies das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, betonte Baumgartner.

Referent des Denkmalamtes war in der Stadt

Wie der Bürgermeister weiter ausführte, habe die Stadt den Referenten der Denkmalschutzbehörde – er war eine Woche zuvor in der Stadt – um eine Einschätzung beziehungsweise Stellungnahme zu dem Antrag gebeten. Bis zur Bauausschusssitzung lag diese aber nicht vorgelegen. Baumgartner empfahl, sich nach der Stellungnahme des Landesamtes für Denkmalpflege zu richten.

Über Sanierungsfähigkeit entscheidet das Denkmalamt

Für Bürgermeister Erwin Baumgartner stand in der Sitzung fest: „Eine Beurteilung, ob ein Gebäude noch sanierungsfähig ist, ist nicht Aufgabe der Gemeinde. Dies ist Aufgabe des Bayerischen Landesamtes für Denkmalschutz und des Kreisheimatpflegers.“ Das Landratsamt habe dann als Untere Denkmalschutzbehörde final über den Abbruch zu entscheiden. Einschätzungen, ob sich ein Grundstückseigentümer die Sanierung leisten kann, können nach Ansicht der Verwaltung keine Gründe für die Stellungnahme sein.

Übergabe an Museum wäre zu prüfen

SPD-Stadtrat Ludwig Spirkl verwies auf erfolgreiche Sanierungsmaßnahmen bei Denkmälern in der Stadt. Das Schloss Adlstein sei bereits zum Abbruch genehmigt gewesen, das gleiche Schicksal habe auch dem Bahnhofsgebäude geblüht. „Doch in beiden Fällen ist etwas Schönes daraus geworden.“ Er hatte beim Fischerhäusl die Idee, das Gebäude abzutragen und in einem Freilicht- oder Bauernhofmuseum, Massing oder Amerang, aufzubauen. Man sollte Kontakt mit dem Eigentümer aufnehmen und solche Möglichkeiten erörtern, schlug Spirkl vor.

Gebäudereferent hat das Gespräch gesucht

Dies ist vor der Sitzung tatsächlich geschehen. Wie Gebäudereferent Wolfgang Hobmeier (CSU) in der Sitzung sagte, habe er Kontakt mit dem Eigentümer aufgenommen. Dieser habe sich auf Anfrage Hobmeiers dazu bereit erklärt, das Gebäude zu verschenken, „wenn es der neue Besitzer dann auch eigenhändig ab- und aufbaut“.

Gebäude stark einsturzgefährdet

Mit dem Eigentümer habe Hobmeier das Fischerhäusl dann auch in Augenschein genommen. Sein Urteil war vernichtend. „Man darf das Gebäude nicht betreten, weil es stark einsturzgefährdet ist. Das Dach sei offen, die Immobilie nass, das Holz verfault. Natürlich könne man jetzt bedauern, dass in den vergangenen Jahrzehnten keine Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt worden seien. „Aber ein ‚Hätte, hätte‘ bringt uns jetzt auch nicht weiter. Das ist vorbei.“

In den 60er-Jahren sogar ein Schafstall

Ihm seien vom Eigentümer Bilder gezeigt worden, die belegen, dass das Gebäude in den 1960er- und 1970er-Jahren sogar als Schafstall gedient habe. Der Schafsmist habe entsprechende Spuren hinterlassen.„Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man das herrichten kann“, fasste Hobmeier nach der Sichtung zusammen, wobei er betonte, dass dies eine rein subjektive Einschätzung sei, er sei kein Fachmann.

Verständnis für den Eigentümer

Der Eigentümer als Bauingenieur jedoch verfüge sehr wohl über entsprechend Sachverstand. „Ich hatte bei dem sachlichen und sehr offenen Gespräch mit dem Eigentümer nicht das Gefühl, dass es ihm egal ist, was mit dem Gebäude passiert.“ Spirkl äußerte daraufhin Verständnis für den Eigentümer. „Ich würde wahrscheinlich auch so einen Antrag stellen“, meinte er im Hinblick auf den Zustand des Gebäudes. Man solle versuchen, mit Museen ins Gespräch zu kommen.

Beschluss war schließlich einstimmig

Im Beschluss hielt der Ausschuss einstimmig (9:0) fest, dass die Stadt Neumarkt-St. Veit dem Denkmalschutzantrag für den Abbruch des Fischerhäusls, Kirchenweg 13, insoweit sein Okay gibt, falls das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege einen Abbruch ebenfalls zustimmt beziehungsweise rechtlich für möglich hält. Zusätzlich wurde festgehalten, dass, „egal, wie das Landesamt für Denkmalpflege entscheidet, eine Übergabe an ein Museum zu prüfen ist“.

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