Entscheidung gefallen

Neumarkt beteiligt sich an Petition gegen Zwischenlager Niederaichbach

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Neumarkt-Sankt Veit - Nicht nur vor Ort in Landshut, auch im nur 40 Kilometer entfernten Neumarkt-Sankt Veit sorgt man sich wegen einem Zwischenlager für Atommüll. Nun kam das Thema in den Stadtrat.

Update, Freitag 16.45 Uhr: Entscheidung gefallen

Wie die Stadtverwaltung auf Anfrage von innsalzach24.de mitteilte, sprach sich der Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstagabend mehrheitlich für die Beteiligung an der Petition aus.

Der Vorbericht vom Freitag:

"Tschernobyl liegt Tausende Kilometer von uns entfernt. Und noch heute, über 30 Jahre nach der Havarie des dortigen Atomkraftwerkes, strahlen bei uns die Schwammerl im Wald", klagte der Neumarkter Unternehmer Armin Groß kürzlich gegenüber dem Neumarkter Anzeiger. Nach Niederaichbach seien es dagegen keine 40 Kilometer. Er hatte seine Sorge vor einem möglichen Endlager dort bereits in der Bürgerversammlung vorgetragen

Nun steht auf der Tagesordnung für die nächste Stadtratssitzung am kommenden Donnerstag, den 20. Dezember, auch ein Antrag, ob sich die Stadt einer Petition wegen dem Atommüllzwischenlager anschließen soll. 

Widerstand vor Ort im Kreis Landshut 

Der Landrat von Landshut, Peter Dreier (Freie Wähler) befürchtete bereits Ende des vergangenen Jahres, dass aus dem atomaren Zwischenlager im Kernkraftwerk Isar bei Ohu ein "De-facto-Endlager" werden könnte. Er verwies damals auf eine Mitteilung des Bundesumweltministeriums und des Betreibers des Atomkraftwerks, PreussenElektra, nach der an dem Standort weitere Castor-Behälter eingelagert werden sollen.

Voraussichtlich ab 2019 sollen demnach sieben Behälter mit radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield in Großbritannien in das atomare Zwischenlager bei Ohu gebracht werden. Gemeinsam mit den Bürgermeistern der beiden betroffenen Gemeinden Essenbach und Niederaichbach, Dieter Neubauer und Josef Klaus (beide CSU), forderte Dreier vom Bund bereits damals "eindeutige Rechtsgarantien", dass die dortige Zwischenlagerung nicht zur Dauerlösung wird.

Gemeinden und Landkreis gegen Lager

"Der Landkreis Landshut, der Markt Essenbach und die Gemeinde Niederaichbach haben den Verantwortlichen deutlich gemacht, dass das Brennelementebehälterlager Niederaichbach für die Einlagerung nicht zur Verfügung steht, da die Sicherheitseinrichtungen für einen eventuell undichten Fremdcastorentyp nicht vorhanden sind", heißt es nun auch auf einer Sonderseite der Gemeinde Niederaichbach zur Petition gegen das Zwischenlager. "Deshalb möchte die Gemeinde, dass die restlichen Castoren dort eingelagert werden, wo alle bisher zurückgelieferten Castoren eingelagert wurden, nämlich im Zwischenlager Gorleben in Niedersachsen." Dieses Zwischenlager sei auch eigens dafür geplant, genehmigt und gebaut.

Im Zwischenlager in Gorleben würden ausreichend Einlagerungskapazitäten bestehen. Es besitze eine sogenannte "heiße Zelle", die für 13 Millionen Euro aufwendig errichtet wurde und genau für den verwendeten Castorentyp ausgerichtet sei. "Das heißt, dass bei Undichtigkeit dieser wieder hinreichend repariert werden kann." Die Gemeinde Gorleben akzeptierte die Aufnahme der Castoren in das dortige Zwischenlager, jedoch behinderten politische Egoismen diese Lösung.

Petition gestartet

"Die Gemeinde Niederaichbach hat einen Rechtsanwalt beauftragt, die Änderungsgenehmigung für die Einlagerung von Fremdcastoren zu verhindern." Außerdem sei eine Arbeitsgruppe eingerichtet worden, um weiteren für die Gemeinde Niederaichbach negativen Entwicklungen direkt entgegenzuwirken, sowie dem Rechtsanwalt zuzuarbeiten und die sogenannte "ASKETA", einen Zusammenschluss aller Standortgemeinden mit kerntechnischen Anlagen, so gut es geht zu unterstützen.

"Weiter wird aktuell eine breit angelegte Unterschriftenaktion mit dem Ziel durchgeführt, uns hierdurch Gehör in Berlin bei den verantwortlichen Stellen verschaffen zu können." Neben einer Unterschriftenliste vor Ort in Niederaichbach gibt es auch eine Online-Petition, durch welche das Anliegen bundesweit verbreitet werden soll. 

"Uns ist bewusst, dass unser Entgegenwirken gegen die gewollte Einlagerung der Fremdcastoren ein Kampf gegen Windmühlen ist, nichtsdestotrotz möchten wir die Einlagerung mit allen legalen Mitteln verhindern und hierzu nichts unversucht lassen", so Niederaichbachs Bürgermeister Josef Klaus auf der Website. 

Rubriklistenbild: © hs/dpa-Symbolbild (Montage)

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