Bis die Flut kam

Der große Aufschwung des Fußballsports in Neumarkt

Auch der Verkauf von Postkarten, die das Modell abbildeten, sollte die Finanzierung des Stadions unterstützen.
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Auch der Verkauf von Postkarten, die das Modell abbildeten, sollte die Finanzierung des Stadions unterstützen.

1954 wird in Neumarkt ein neues Sportstadion für Fußballer und Leichtathleten gebaut – und gleich überschwemmt.

Neumarkt-St. Veit – Im Jahre 1946 wird der Fußballclub und im Jahre 1948 der TSV Neumarkt-St. Veit gegründet. Nach großer Debatte wird der Fußballclub im Frühjahr 1950 eigenständige Abteilung des TSV und hat mit Jakob Bergmeier seinen ersten Abteilungsleiter.


Neues Sportstadion in Neumarkt-St. Veit

Das sportliche Leben in Neumarkt-St. Veit ist im Aufwind begriffen. Was noch fehlt ist ein richtiges Sportstadion für mehrere Freiluftsportarten, die beim TSV angeboten werden. Der Neumarkter Anzeiger vermeldet am 13. Juli 1951 unter der Überschrift: „Neumarkt erhält ein neues Sportstadion“ erste Schritte in diese Richtung.


Endlich sei es einigen Idealisten gelungen, eine Planung für den völlig im Argen liegenden Sportplatz aus dem Jahre 1939 an der Ampfingerstraße zu entwerfen.

Vollste Unterstützung auch vom Ladratsamt

Der erste Gang war zum Arbeitsamt und zum Landratsamt, wo man den Plänen der Neumarkter laut Zeitungsbericht vollste Unterstützung zusagte.

Der örtliche Ausschuss unter Führung des rührigen TSV-Vorstandes Max Neumeier, Ingenieur Herrn Heinle als technischen Leiter, die Herren Niedermeier und Rath entwarfen damals dann ein Modell, das dann Kommissär Rath in der abgebildeten Weise schuf und das in der Auslage der hiesigen Kreissparkasse ausgestellt war.

Der feierliche Auftakt zur Gemeinschaftsarbeit sollte nun schrittweise im ausgehenden Monat Juli erfolgen.

Modell des Stadions auf Postkarte

Von dem Modell des neuen Stadions wurden Postkarten vom Neumarkter Blenk-Verlag hergestellt, damit sich auch die gesamte Bevölkerung an diesem Projekt beteiligen kann. Außerdem wurde zu weiteren Spenden durch die Bewohnerschaft von Neumarkt und Umgebung aufgerufen.

Der Bau beginnt schon 1951

Der Neumarkter Anzeiger berichtet am 22. August 1951: „ Dank des Entgegenkommens durch das Arbeitsamt und des Bauingenieurs Oelmeier konnte nunmehr mit dem Bau begonnen werden.

Vorerst wurde die gemeinnützige Gruppenarbeit im Sinne des bayrischen Jugendwerkes mit einem Fördersatz von arbeitstäglich 1 DM je Teilnehmer für 22 Arbeitstage monatlich und einer Förderung für Verpflegung von 0,90 DM je Teilnehmer arbeitstäglich durch das Landesarbeitsamt genehmigt.“

Zwölf Jugendliche seien ab Montag vom Arbeitsamt zur Verfügung gestellt worden und hätten „mit den dringlichsten Arbeiten begonnen“.

In der Vorstandssitzung des TSV am 18. August 1951 wird die Arbeitseinteilung festgelegt, sodass jeden Abend zusätzlich freiwillige Helfer zur Verfügung stehen. Um weitere Finanzmittel zu erschließen, musste jedes aktive Mitglied zehn Postkarten vom Sportplatz an die Bürgerschaft verkaufen. „Außerdem wird der Fußballabteilung der Kauf von zwei Paar Fußballschuhe genehmigt“, hieß es damals.

Langsamer Baufortschritt

Neben dem Fußballplatz und den leichtathletischen Anlagen, soll auch eine 400-Meterbahn und ein Umkleidehäuschen gebaut werden. Dazu werden Ende 1951 die ersten Pläne eingereicht. Doch die Bauausführung lässt aus finanziellen Gründen auf sich warten, sodass sich der Marktgemeinderat im Juli 1953 dazu entschließt, die Fertigstellung der Laufbahn und des Umkleidehäuschens zu übernehmen.

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Fertigstellung des Stadions 1954

Am 4. November 1953 vermeldet der Neumarkter Anzeiger die Fertigstellung des Sportplatzes. Der Abschluss der Arbeiten aller Anlagen des neuen Sportstadions erfolgte im Frühjahr 1954, ein ganz besonderes Jahr auch für den gesamten deutschen Fußball: Für die Fußballweltmeisterschaft 1954 in der Schweiz durfte die deutsche Nationalmannschaft erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder an der Qualifikation teilnehmen und schaffte den Einzug in die Endrunde.

Dort erreichte die Nationalelf als krasser Außenseiter das Endspiel am 4. Juli 1954 im Berner Wankdorfstadion. Vor 60 000 Zuschauern gewann die deutsche Nationalmannschaft völlig überraschend mit 3:2 gegen die hochfavorisierten Ungarn. Das „Wunder von Bern“ löste in Deutschland einen Freudentaumel aus und beförderte den Fußballsport in bisher ungeahnte Höhen – auch in Neumarkt-St. Veit.

Der Freude über den WM-Titel folgte eine Naturkatastrophe in Neumarkt

Die Freude über die gewonnene Fußballweltmeisterschaft 1954 erhielt in Neumarkt-St. Veit ein paar Tage später einen herben Dämpfer. Der gesamte Landkreis Mühldorf wird am 8. und 9. Juli 1954 von der größten Hochwasserkatastrophe des 20. Jahrhunderts heimgesucht. Ein über 40-stündiger Regen, der in der Nacht zum Mittwoch, 7. Juli, einsetzte und bis Freitag anhielt, ließ in kurzer Zeit alle Flüsse und Bäche anschwellen und über die Ufer treten.

Rott drang bis in den Marktplatz

Auch die Rott tritt aus ihrem Flussbett und überflutete in der Zeit von 8. bis zum 11. Juli 1954 weite Teile des Ortsgebietes. In der Nähe der Birkenstraße konnten die Bewohner eines Hauses nur mehr durch den Einsatz der Floriansjünger gerettet werden.

Die Rott war durch das untere Tor in den Marktplatz eingedrungen und machte auch vor dem neu gebauten Sportstadion nicht Halt. Der Fußballplatz, der erst wenige Monate zuvor seiner Bestimmung übergeben worden war, sah aus wie ein gut gefülltes Schwimmbecken, in dem nur mehr die Tore zu sehen waren und es dauerte einige Zeit, bis die größten Schäden wieder beseitigt waren.

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