AWO: Sozialverband darf nicht sterben

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AWO, wohin gehst du? Zunächst Ratlosigkeit, dann doch die Lösung: Ein halbes Jahr soll die AWO Zeit bekommen, um sich zu rehabilitieren. Die Alternative wäre ein Zusammenschluss mit Ampfing, wie deren Vorsitzender Lothar Kunz (stehend) vorschlug.

Neumarkt-St. Veit - Auf der einen Seite gegenseitige Vorwürfe zwischen Orts- und Kreisverband, auf der anderen Durchhalteparolen und eine neue Gründungsoffensive:

Sehr emotional war die Versammlung der Neumarkt-St. Veiter Arbeiterwohlfahrt, letztlich konnte die Auflösung verhindert werden. Es wird nun ein letzter Versuch unternommen, den Ortsverband am Leben zu erhalten.

"Sie haben nominell 41 Mitglieder - eigentlich kein Grund zur Auflösung", betonte Bezirksvorstand Peter Dingler im Gasthaus zur Post, in welchem nur drei AWO-Mitglieder aus Neumarkt der Führungsriege von Kreis- und Bezirksverband gegenüber saßen. Dingler hoffte auf den Fortbestand des Ortsvereines, auch wenn er sich im Klaren darüber sei, dass das Durchschnittsalter der AWO mit 68 Jahren grundsätzlich zu hoch ist. "Dabei ist die AWO nicht nur eine Senioreneinrichtung", sie spreche mit ihrem Angebot eigentlich alle Bevölkerungsschichten an.

Nur eben nicht in Neumarkt-St. Veit. "Seit zwei Jahren suchen wir krampfhaft eine Nachfolge, doch wir finden leider keine", bedauerte die verzweifelte Vorsitzende Helga Herbrechtsmeier, einzig verbliebenes Vorstandsmitglied, nachdem alle weiteren Postenträger entweder ihre Ämter niedergelegt hatten oder aus dem Verband ausgetreten waren. "Ich hänge mit Herzblut an der AWO und es tut auch unheimlich weh. Doch ich kann nicht mehr", sagte die gesundheitlich angeschlagene 81-Jährige, die seit 1991 an der Spitze des Ortsvereins steht. Viele Versuche habe es gegeben, um jüngere Mitglieder anzuwerben oder etwa für Posten in der Vorstandschaft zu begeistern. Doch alle seien ins Leere gelaufen.

Ohne funktionierende Vorstandschaft blieb es dann auch Lothar Kunz, stellvertretender Kreisvorsitzender der AWO, vorenthalten, den Jahresbericht zu erstatten. Er verwies dabei auch auf einen Kassenstand in Höhe von 9000 Euro. Auf eine Entlastung der Vorstandschaft verzichtete er, "es gibt ja keine mehr".

Britta Hennersdorf, Ehrenvorsitzende des Kreisverbandes, konnte die Hilflosigkeit Herbrechtsmeiers nachvollziehen: "Eine AWO mit grauen Haaren tut sich verdammt schwer." Sie verwies auf das gute Angebot der Stadt Neumarkt-St. Veit, das das Interesse an der Arbeiterwohlfahrt möglicherweise abgeschwächt habe. "Die Zeiten haben sich geändert - Gott sei Dank", sagte sie zum einen dazu, dass offensichtlich die Nachfrage nach einem Wohlfahrtsverband abgenommen habe. Herbrechtsmeier und ihr Team hätten alles unternommen, um die AWO am Leben zu halten, stärkte sie der Vorsitzenden den Rücken.

AWO-Kreisvorsitzende Wibke Müller betonte: "Niemand macht euch einen Vorwurf." Auch sie sah ein, dass sich die "Gesellungsformen der jungen Generation geändert haben". Niemand wolle sich heutzutage mehr ehrenamtlich engagieren.

Kunz, der auch Vorsitzender des Ampfinger Ortsverbandes ist, empfahl schließlich, den Ortsverband nicht aufzulösen. Er habe mit Ludwig Spirkl einen möglichen Kandidaten in Peto, der der AWO neuen Schwung geben könne. Alternativ könne er sich auch eine Fusion des Ampfinger und Neumarkt-St. Veiter Ortsverbandes vorstellen.

"Ein Zusammenschluss ist keine Ideallösung, aber immer noch besser, als die AWO sterben zu lassen", stieß Peter Dingler in das gleiche Horn. Zuletzt bestehe auch die Möglichkeit, dass Mitglieder dem Kreisverband angehören könnten. Er plädierte für einen Gründungsaufschwung, eine Wiederbelebung, die in Form von Vorträgen erfolgen soll.

Bürgermeister Erwin Baumgartner kündigte ebenso Unterstützung an, verwies auf die Freiwilligenagentur des Landkreises, die Kräfte entbehren könne. "Kampflos die Fahnen zu streichen, das muss nicht sein", sagte er.

Herbrechtsmeier erklärte sich mit dem Vorschlag einverstanden: Ein halbes Jahr soll die AWO Zeit haben, sich neu aufzustellen, dann wird über die weitere Zukunft entschieden. Lesen Sie dazu auch den Kasten unten und den Kommentar "AWO in der Verlängerung".

je/Neumarkter Anzeiger

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