Ergebnis einer Umfrage

55 Prozent für die alten Laternen: Neumarkts Bürger wollen am Bestand festhalten

Die rechte Leuchte bekam den größten Zuspruch unter den Neuvorschlägen (30 Prozent Zustimmung). Die überwältigende Mehrheit der Bürger, die ihren Fragebogen im Rathaus abgegeben haben, war aber für die Beibehaltung der bisherigen Lampen.
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Die rechte Leuchte bekam den größten Zuspruch unter den Neuvorschlägen (30 Prozent Zustimmung). Die überwältigende Mehrheit der Bürger, die ihren Fragebogen im Rathaus abgegeben haben, war aber für die Beibehaltung der bisherigen Lampen.

Neumarkt-St. Veit – Die Umfrage zur Beleuchtung des Neumarkter Stadtplatzes ist ausgewertet. Dabei stellt sich heraus: Der Favorit der Neumarkter stand eigentlich gar nicht zur Wahl. Diesen Kompromiss schlägt nun Planerin Christina Lehner vor.

Die Neumarkter Bevölkerung will an den bestehenden Leuchten am Stadtplatz festhalten. Das hat die Haushaltsbefragung ergeben, welche die Stadt Neumarkt-St. Veit im Zuge der geplanten Stadtplatzsanierung durchgeführt hat. Vier Leuchten hatte die Stadt vorgeschlagen, von modern bis „historisierend“, wie es Planerin Christina Lehner bezeichnet hat. Letztlich entschieden hatten sich die Bürger aber für die Lampe, die nicht zur Auswahl stand: nämlich die Laterne, die bis jetzt den Stadtplatz erhellt hat.


117 Antworten in der Haushaltsbefragung

117 Antworten kamen von der Haushaltsbefragung zurück ins Rathaus. Rund 55 Prozent stimmten für die bestehenden Leuchten, knapp 30 Prozent hatten die klassische Mastleuchte favorisiert, die der bestehenden Stadtplatzbeleuchtung noch am nächsten kommt. Die drei Alternativvorschläge – ein Reflektor, eine Stele und ein Ausleger – brachten es zusammen auf nur 15 Prozent Zuspruch.


Bestandsleuchten mit Streuverlust

Vor der Verkündung des Ergebnisses im Neumarkter Bauausschuss hatte Planerin Christina Lehner vom Büro SHL Architekten und Stadtplaner, die Aspekte zur Stadtplatzbeleuchtung vorgestellt. Der Bestand sei analysiert und Alternativen entwickelt worden. Dabei sei das Beleuchtungskonzept, konkret die Platzierung der Leuchten, entwickelt, und auch der Leuchtentyp ausgewählt worden. Dafür habe auch die Funktion eine große Rolle gespielt.

Das Problem: Streuverlust und geringerer Wirkungsgrad

Lehner erklärte zum Status Quo, dass die bestehende Beleuchtung viele Lichtpunkte habe, Fassaden und Straße gleichermaßen ausleuchte. Die Bestandsleuchten seien auf warmweißes LED-Licht umgerüstet worden, hätten aber einen Streuverlust und einen geringen Wirkungsgrad. Sie betonte, dass der Stadtplatz auch für Festlichkeiten flexibler genutzt werden könne, wenn die Lichtquellen zukünftig nur an den Raumkanten, also an de Gebäuden platziert würden. „Das wären zwar weniger Leuchten, dafür wäre aber die Beleuchtung gleichmäßiger!“

Reduzierung der Beleuchtung entlang der Straße angeregt

Die bestehenden Leuchten hätten zu den Alternativvorschlägen eine vergleichsweise niedrige Leuchtpunkthöhe. Sie bringen laut Lehner keine Verbesserung der Abstrahlgeometrie und auch keine Aufwertung der Platzarchitektur. Dennoch könne man die bestehenden Lampen in die Planung integrieren, entlang der Straße schlug sie eine Reduzierung des Bestands um drei bis vier Leuchten vor.

Sie fügte bei der Gegenüberstellung der Alternativvorschläge hinzu, dass die klassischen Mastleuchten, die in der Haushaltsbefragung mit knapp 30-prozentiger Zustimmung ebenso favorisiert worden waren, in puncto raumbegleitender Ausleuchtung, Tagwirkung, Lichtlenkung und -technik sowie in der denkmalpflegerischen Bewertung besser zu bewerten seien als Stele, Reflektor und Ausleger.

Keine Einwände von der Städtebauförderung

„Es war wichtig, die Musterlampen anzubringen, um zu sehen, ob sie denn überhaupt optisch und funktionell in den Stadtplatz passen“, betonte Bürgermeister Erwin Baumgartner (UWG). Solange die nun favorisierten Leuchten ins Konzept passen würden und auch Städtebauförderung und Denkmalamt keine Einwände hätten, gebe es keinen Grund, das Beleuchtungskonzept nicht entsprechend anzupassen.

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Die Laternen sollen bleiben. Das geht aus einer Umfrage hervor, die die Stadt im Zuge der Stadtplatzsanierung vorgenommen hat. Die Anregungen aus der Bevölkerung sollen in das Beleuchtungskonzept eingepflegt werden.

Schnörkellose Lampen sind ehrlicher

Peter Hobmaier (UWG) fand die Befragung gut, „auch wenn wir im Ergebnis jetzt nicht das Lichtbild bekommen, das wir haben wollten.“ Er tendiere zu den neuen Leuchten mit einem besseren Lichteffekt. Dem entgegnete die Planerin jedoch, dass es ehrlicher wäre, die schnörkellosen Bestandsleuchten zu integrieren. „Es sollte nicht so sein, dass das Neue so tut als wäre es alt.“

Monika Eisenreich sagt: „Wir geheneinen Schritt zurück!“

Ludwig Spirkl (SPD) bedauerte, dass die gegenwärtigen Lampen bei der Haushaltsbefragung nicht zur Wahl gestanden hätten. „Das Ergebnis zugunsten der Bestandsleuchten wäre dann vermutlich noch klarer gewesen“, meinte er.

Monika Eisenreich (UWG) hatte die klassische Mastleuchte bevorzugt. Das Festhalten an den Bestandsleuchten gehe zu Lasten der freien Fläche, bedauerte sie, „wir gehen damit einen Schritt zurück“.

Im Beschluss wurde dann einstimmig mit 9:0 festgehalten, dass in der weiteren Planung der Stadtplatzbeleuchtung die Bestandsleuchten integriert werden sollen.

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Bodenstrahler für die beiden Brunnenplätze

Noch einen Punkt diskutierte der Ausschuss: Eine indirekte Beleuchtung der Bäume an den Brunnen. Die zwei Brunnenplätze wird es auch weiterhin auf dem Stadtplatzgeben. Planerin Christina Lehner schlug im Bauausschuss dazu eine Akzentbeleuchtung vor. Jeweils vier Bodenstrahler, die zwischen 22 Uhr und Morgendämmerung ausgeschaltet würden, würden die Brunnenplätze in „kleine Stübchen“ verwandeln.

Mit acht Strahlern könne man die geplanten acht Bäume indirekt beleuchten, als Kostenpunkt nannte die Planerin 1000 Euro pro Bodenstrahler.

Baumgartner spricht von Eyecatcher

Bürgermeister Baumgartner sprach von einem Eyecatcher, „ich fände es gut!“ Peter Gruber (CSU) sowie Peter Hobmaier (UWG) erkundigten sich nach Lichtfarbe und -stärke. Dazu sagte Lehner, die Lichtfarbe für dieses „atmosphärische Licht“, wäre variabel einstellbar. „Je wärmer, umso weniger Insekten werden angezogen!“ Und Wolfgang Hobmeier (CSU) forderte eine Lichtberechnung, „die Beleuchtung am Stadtplatz ist jetzt schon zu weiß“, meinte er dazu.

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Spirkl hält die Bodenstrahler für Energieverschwednung

Ludwig Spirkl (SPD) war von den Bodenstrahlern nicht begeistert. „Irgendwann sollte auch mal Ruhe einkehren. Außerdem sehe ich unseren Stadtplatz immer noch nicht als Flaniermeile, wo am Abend viel Bewegung ist.“ Für ihn hätten die Bodenstrahler lediglich Deko-Charakter, er sprach von Energieverschwendung. Im Sommer sei es bis 21.30 Uhr hell. Wenn die Lichter dann um 22 Uhr abgeschaltet würden, stelle er sich die Frage: „Braucht‘s das?“ Acht Ausschussmitglieder inklusive Bürgermeister befanden: Ja. Spirkl jedoch lehnte diesen Vorschlag als einziger ab.

Beleuchtung kommt auch noch in den Stadtrat

Die Beleuchtungsthematik ist auch Thema im Stadtrat, der sich am Donnerstag um 18.30 Uhr zur Sitzung im Kulturbahnhof trifft.

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