Zur Erinnerung an die Schlacht

Neumarkt-St. Veit – Der 24. April ist der Namenstag des heiligen Georg, deshalb hat sich der Tag der Schlacht in Neumarkt an der Rott mit diesem Namen verbunden.

Für die Wochen und Jahre nach dem Gefecht gibt es nur wenige Aufzeichnungen. KSK-Vorsitzender Franz-Joseph Gruber hat in seinem 2009 erschienenen Buch anlässlich des 200. Jahrestages der Schlacht von Neumarkt auch die Geschichte der KSK zusammengefasst. Der Verein feiert dieser Tage ihr 175-Jähriges.

Wie den Aufzeichnungen Grubers zu entnehmen ist, wurden die Schwerverwundeten dieser denkwürdigen Schlacht zwischen Bayern, Österreichern und Franzosen versorgt und beim Ableben nicht auf dem Friedhof, sondern außerhalb von Neumarkt bestattet. Bei den vielen Grabstellen erfolgte wohl ursprünglich nur eine Kennzeichnung mit einfachen Holzkreuzen und den Marktbewohnern und Bauern verblieben die Stellen im Gedächtnis.

1836 haben sich dann ehemalige bayerische Soldaten und Überlebende der Kriege in Neumarkt zusammengetan und ersetzten die Holzkreuze durch ganz einfache Eisenkreuze. In dieser Zeit begann die Produktion von billigerem Bandeisen und eine Zahl von 40 sogenannten Neuner-Kreuzen für das Jahr 1836 wurde genannt.

Die Aktiven haben gleichzeitig im Jahr 1836 den Veteranenverein gegründet, der sich seitdem um die Pflege und Erhaltung der Neuner-Kreuze und das würdige Andenken aller Gefallenen von beiden Seiten sorgt. Dies geschah regelmäßig jedes Jahr am Georgitag. Ob im Jahr 1859 große Gedenkfeierlichkeiten begangen wurden, ist nicht überliefert. Jedoch erfolgte 1866 die Errichtung des großen Gedenkkreuzes mit den vier Kanonenrohrmündungen an der Stelle, wo bis jetzt jedes Jahr die Gedenkmesse feierlich abgehalten wird. Es heißt Franzosenkreuz, da hier 195 französische Chasseurs (Jäger zu Pferd) bestattet liegen. Früher wurde hinter dem Altar das große Ölgemälde von der Schlacht aufgestellt, das jetzt im Treppenhaus im Rathaus hängt.

Der 70. Jahrestag und die folgenden runden Gedenktage wurden ab 1879 in erweitertem Rahmen begangen. 1879 entstand auch das alte Kriegerdenkmal, gekrönt mit einem großen bayerischen Löwen mit Standort direkt an der Rottbrücke und an der Stelle, wo die schwersten Verluste der bayerischen Armee eingetreten waren.

Das wohl größte Georgifest fand 1909 als Jahrhundert-Feier statt. Ein Festkommitee sorgte für Blumenschmuck und Fahnen am ganzen Markt. Rund 160 Veteranenvereine wurden eingeladen und mit den 10.000 Besuchern, welche die Eisenbahn beförderte, dürften zirka 15.000 Menschen den kleinen Marktflecken bevölkert haben.

Eine besondere Attraktion war die Knaben-Kompanie, welche mit Holzgewehren und blauen Uniformen im Stil von 1809 ausgerüstet war und auch in den folgenden Jahren rund um Neumarkt im Einsatz war.

Der eingeladene Prinzregent Luitpold wurde durch einen General der Bayerischen Armee vertreten, aktive Soldaten marschierten mit und auch 450 Veteranen aus dem Krieg von 1870/71 gegen Frankreich. Der Tag endete mit dem traditionellen Pferderennen und dem Zapfenstreich.

Während und nach dem Ersten Weltkrieg fand der Georgitag in Neumarkt ohne Unterbrechung statt, wobei immer noch der 24. April ein gesonderter Feiertag war, wenn er nicht auf einen Sonntag fiel. Mit Beginn des Dritten Reiches ab 1933 wurde der Georgitag nach und nach zurückgedrängt und im Zweiten Weltkrieg und der Zeit danach passte diese Tradition nicht mehr ins gewünschte Weltbild.

1953 erfolgte die Gründung der Krieger- und Soldatenkameradschaft Neumarkt-St. Veit und auch die Wiederbelebung des Georgitages.

Das Treffen bei Neumarkt an der Rott am 24. April 1809 war nur ein kleines Gefecht am Rande der großen Lage in diesem heißen Kriegsjahr. Trotzdem waren in Neumarkt an einem Tag über 40.000 Soldaten auf engstem Raum von wenigen Quadratkilometern versammelt. Über 1000 Gefallene wurden begraben, weitere 1000 Verwundete sind nachgewiesen und auch um die 1000 Soldaten gerieten in Gefangenschaft. Dass keine Seite Fahnen oder Kanonen erbeutete, spricht für eine geordnete Kampfweise und das Durcheinander blieb überschaubar.

Für Bayern war es die letzte größere Kampfhandlung auf einheimischem Boden, da in der Folgezeit die großen Schlachten in Tirol, Wien, Russland, Leipzig, Frankreich und Waterloo stattfanden.

Das Besondere an Neumarkt sind die vielen Neuner-Kreuze, deren Pflege und Erhaltung bis zum heutigen Tag sowie die Tradition des Gedenktages mit einer Zeitspanne von über 170 Jahren. Andere Orte mit großen Gefechten haben oft erst Jahrzehnte später ein zentrales Denkmal zur Erinnerung errichtet und nur zu den großen Jahrhundertfeiern wird der Gefallenen dort gedacht.

Zurzeit sind rund 50 Kreuze nachgewiesen und auch vorhanden. Dazu kommen die Kriegerdenkmäler und sonstige Orte im Umfeld der Kampfhandlungen, wie Lazarette.

re/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © dpa

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