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Achtklässler üben in der Praxis

Schüler schnuppern Restaurant-Luft: Berufsorientierende Klassen erhalten Gastro-Einblick

Das Serviceteam sorgte unter Aufsicht von Helene Eder für ein ansprechendes Tischambiente:(von links) Nalani Sapotnik, Emily Kühn und Katharina Bartl. Stettner
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Das Serviceteam sorgte unter Aufsicht von Helene Eder für ein ansprechendes Tischambiente:(von links) Nalani Sapotnik, Emily Kühn und Katharina Bartl. Stettner

In der Schule die Theorie, draußen in der freien Wirtschaft die Praxis. „Wirtschaft“ trifft es bei den Schülern der Herzog-Heinrich-Mittelschule auf den Punkt. Denn die Klassen des Unterrichtsfachs „Ernährung und Soziales“ tauschten ihr Klassenzimmer für einen Tag mit Küche und Gastraum.

Lohkirchen – Im Rahmen des Angebots der Regierung von Oberbayern „Praxis an Mittelschulen“ durften die Schüler Einblicke in den Landgasthof der Familie Eder gewinnen und tatkräftig mit anpacken.

Rundgang durch einen „Sebstversorger-Betrieb“

Zunächst wurden die Schüler durch den Betrieb geführt, der die Basis für die Gastwirtschaft in Habersam darstellt. Dabei erfuhren sie, wie mit der artgerechten Mutterkuhhaltung, der selbst angebauten Braugerste und der betriebseigenen Hackschnitzelheizung nahezu ein „Selbstversorger-Betrieb“ möglich ist.

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Der gesamte Viehbestand landet irgendwann auf der Speisekarte im Restaurant. Auch die Kartoffeln und das Gemüse bezieht Robert Eder fast ausschließlich aus der Nachbarschaft, von Familie Huber im benachbarten Hottenberg zum Beispiel. „Mir sind kurze Wege und somit regionale Produkte sehr wichtig“, so der Wirt. „Nachhaltigkeit steht in unserem Familienbetrieb ganz oben.“

Schüler wurden in Service- und Küchenteams aufgeteilt

Dann ging es an die Praxis: Die Schüler wurden nach der Betriebsbegehung in mehrere Gruppen aufgeteilt. So entstanden Service- und Küchen-Teams. Das sehr motivierte Küchen-Team zauberte in der modernen, geräumigen Küche unter der Anleitung von Robert Eder einen frischen Vorspeisensalat mit Kräuter-Croutons. Dazu kreierten sie Hähnchenbrust auf Saison-Gemüse mit Röstkartoffeln.

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Einblick in die verschiedenen Serviettenfalttechniken

Zeitgleich deckte das Service-Team die Tische für die Menüfolge ein. Angeleitet von der Service-Chefin Helene Eder gestalteten die Schülerinnen einen fantasievoll dekorierten Tisch der gehobenen Gastronomie. Zur Jahreszeit passend gestalteten die Schüler die Tische mit Gartenblumen, Getreide und Gräsern. Zusätzlich erhielten sie Einblick in die verschiedenen Serviettenfalttechniken.

Die Wirtsgattin gab einen Einblick in die Aufnahme von Bestellungen. Servieren und das Abservieren gehörten natürlich dazu, und natürlich zeigte ihnen Helene Eder auch, wie die Kasse fachmännisch zu bedienen ist. Am Ende belohnten sich die Schüler für ihren Einsatz selbst: Mit großem Stolz auf ihre Leistungen genossen die Schüler ihr Essen und das kreativ eingedeckte Tischambiente.

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Einblick in ein abwechslungsreichen Betätigungsfeld

Übereinstimmend zogen sie das Fazit: Durch diese hautnahe Praxiserfahrung in einem Restaurantbetrieb konnte man sich ein objektives Bild vom Berufsfeld Gastronomie machen. In diesem Fall war die Rede von einem abwechslungsreichen Betätigungsfeld, in welchem man viel lernen könne.

Praktika unterstützen die Schüler in ihrer späteren Berufsentscheidung

„Die Praktika unterstützen die Schüler in ihrer späteren Berufsentscheidung. Die Schüler erfahren alles über die Ausbildungsberufe und können auch Fragen dazu stellen, was im normalen Schulbetrieb nicht möglich wäre“, fasst Fachlehrerin Josefine Putz den Tag zusammen.

Regierung von Oberbayern jährlich Mittel in Höhe von rund 220 000 Euro

Dass ihre Schüler diesen Tag erleben durften, geht auf eine Initiative der Regierung von Oberbayern zurück, die seit 20 Jahren Mittel in Höhe von 220 000 Euro zur Verfügung stellt, damit im Rahmen von „Praxis an Mittelschulen“ Schüler Einblick in verschiedene Berufsfelder bekommen. Im Programm „Praxis an Mittelschulen“ (PaM) werden Schüler in ihren praktischen Fertigkeiten intensiv und in kleinen Gruppen gefördert.

Das Küchenteam zauberte unter fachmännischer Anleitung ein leckeres Menü. Leon Hoffmann und Mirwais Ahmadi (rechts) waren mit Feuereifer bei der Sache.

Programm hat sich seit 20 Jahren bewährt

„Die Mittel stehen für Personalkosten außerschulischer Fachkräfte zur Verfügung, die in Absprache mit der Mittelschule handwerkliche, künstlerische, musische, soziale und hauswirtschaftliche Projekte durchführen“, erklärt der Pressesprecher der Regierung von Oberbayern, Wolfgang Rupp. Das Programm habe sich seit 20 Jahren bewährt und sei bei Mittelschulen sehr beliebt, „auch weil die Planung der Projekte vor Ort von Lehrkräften und lokalen und regionalen außerschulischen Fachkräften übernommen werden kann“, so Rupp.

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Seit 2019 in Oberbayern rund 450 Projekte gefördert

Das Antragsverfahren ist unkompliziert: Ein Projekt wird entwickelt, ein Antrag von der Schule gestellt und von der Regierung von Oberbayern genehmigt, das Projekt durchgeführt, die Honorarrechnung über die Schule eingereicht und bezahlt. Seit 2019 seien trotz Corona-Einschränkungen in Oberbayern rund 450 Projekte mit einer durchschnittlichen Fördersumme von 1150 Euro gefördert worden. In den Landkreisen Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Traunstein organisierten die Mittelschulen knapp 80 Projekte.

Praxisklassen in Buchbach, Mühldorf und Waldkraiburg

Der Regierungssprecher verweist auch auf die „Praxisklassen in Oberbayern“, ein Modell, das es ebenfalls seit 20 Jahren gibt. Es sei speziell für Mittelschüler mit Lern- und Leistungsrückständen, die durch eine spezifische Förderung zu einer positiven Lern- und Arbeitshaltung geführt werden. Für die Arbeit in der Praxisklasse kooperiert die Mittelschule mit Partnern aus der Wirtschaft, der Jugendhilfe und der Berufsberatung. Von den 30 in Oberbayern im aktuellen Schuljahr eingerichteten Praxisklassen befinden sich drei im Landkreis Mühldorf, verteilt auf die Standorte Buchbach, Mühldorf und Waldkraiburg.

Praxisklassen helfen, Defizite zu beseitigen

„Ziel der Praxisklasse ist es, die Schüler durch einen auf ihre Leistungsmöglichkeiten abgestimmten Unterricht in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu stabilisieren, Defizite im Bereich der Kulturtechniken zu beheben und Grundwissen und Grundfertigkeiten vor allem in Deutsch und Mathematik zu festigen.“

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90 Prozent aller Schüler profitieren davon

Das Modell der Praxisklasse ist erfolgreich: 90 Prozent der Schüler, die eine Praxisklasse in Oberbayern verlassen haben, konnten nach dem Schuljahr 2020/21 eine Ausbildung oder ein Arbeitsverhältnis beginnen. Oder sie besuchen nach der Praxisklasse weiter die Schule, etwa in einer Regelklasse der Mittelschule, im Berufsgrundbildungsjahr oder eine Berufsfachschule.

Kein direktes Praktikum, aber die Schüler dürfen hineinschnuppern

„Das ersetzt zwar kein direktes Praktikum, aber die Kinder schnuppern zumindest in die Gewerke rein“, berichtet die Fachlehrerin. Das sei extrem wichtig, denn ihre Schüler aus der 8. Klasse befänden sich schließlich jetzt in der Berufsfindung.

Umso mehr schätzt sie auch das Engagement von Robert Eder, der sich „total aufgeschlossen“ gezeigt und sofort zugesagt habe.

Förderung drückt Wertschätzung aus

Wertschätzung, die Robert Eder zurückgibt. Er ist begeistert davon, mit welchem Eifer die Jugendlichen bei der Sache waren. Und das in einer Branche, in der der Fachkräftemangel ganz klar zu erkennen sei. „Wenn auch nur einer dieser Praktikanten diesen Berufszweig einschlagen will, dann hat sich der Aufwand schon gelohnt!“

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