Gemeinsamen Brief verfasst

Nach AfD-Vorwürfen: Jetzt melden sich Eberhartinger Eltern zu Wort

Lohkirchen/Eberharting - Eine Reihentestung nach einem Corona-Fall im Kindergarten Eberharting ließ die Wogen hochgehen: Die AfD sprach von „zahlreichen Elternprotesten“ und „zwangsweisen Tests“. Der Geschäftsführer des Erdkinder-Projekt e.V. Eberharting wies die AfD-Vorwürfe umgehend zurück. Nun melden sich die Eltern zu Wort - und finden ebenfalls kritische Worte über das Vorgehen der AfD.

Aussagen des AfD-Politkers Andreas Winhart ziehen in Lohkirchen weiter Kritik nach sich. Was war geschehen? In der Montessori-Schule und im Kindergarten Eberharting beziehungsweise in deren Umfeld sind zwei Corona-Fälle aufgetreten. Das Gesundheitsamt Mühldorf organisierte am Montag eine Reihentestung, welche im Testzentrum auf dem Volksfestplatz in Mühldorf durchgeführt wurde.


„Wir standen am Wochenende in engem Kontakt mit der Kindergarten- und Schulleitung, so dass die Testung der über 100 Kontaktpersonen in kurzer Zeit organisiert werden konnte. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes haben die Abstriche sehr kindgerecht durchgeführt“, so die zuständige Ärztin Andrea Bonakdar. 

Winhart richtete allerdings massive Vorwürfe an die Behörden. Er sagte unter anderem, es habe „zahlreiche Elternproteste“ gegeben. Des weiteren spricht er von „Massentests“. Zudem deutete er an, dass man „Kleinkinder und Grundschüler ohne Begleitung der Eltern“ zum Test „antreten" habe lassen.


Mit deutlichen Worten wies bereits Uwe Rehse, der Geschäftsführer des Erdkinder-Projekts e.V. Eberharting - es handelt sich um den freien Träger des Kindergartens und der Montessori-Schule - die Vorwürfe der AfD im Gespräch mit innsalzach24 zurück.

Nun melden sich auch Eberhartinger Eltern in einem gemeinsam verfassten und signierten Brief zu Wort. Sie loben darin den organisatorischen, „als auch in der Umsetzung der Reihentestung betriebenen Aufwand“ des Gesundheitsamtes hoch. „Man stelle sich vor, das Testteam erschien sehr herzlich und freundlich in Hasenverkleidung und mit einem Trostgeschenk für die getesteten Kinder", wie die Eltern in dem Brief ausführen. Außerdem treten sie - wie bereits auch schon Rehse - dem Vorwurf entgegen, dass die Kinder alleine durch den TestDrive fahren mussten.

In Richtung Winhart finden die Eltern deutliche Worte: „Wir grenzen uns vehement ab von einer politischen Gesinnung, die Menschen gegeneinander ausspielt, die Menschen instrumentalisiert und mit verwerflichsten Mitteln Populismus betreibt.“ Geradezu „schamlos“ hätte der AfDler „unsere Meinungsfreiheit in Bezug auf die Corona Maßnahmen“ ausgenutzt.

Und der Brief schließ mit den Worten: „Das Gesundheitsamt, samt seines professionellen Teams, hat hier herausragende Arbeit geleistet“.

Die Stellungnahme Eberhartinger Eltern im Wortlaut:

Wir verstehen das Erdkinder-Projekt als eine Alternative in der bunten Bildungslandschaft.

Für uns ist es eine Einrichtung, dessen Prämisse das wertfreie und gleichwürdige Miteinander-Sein zwischen Kindern, Pädagog*innen und Eltern ist. Hier haben Meinungen, Bedürfnisse und innere Bewegungen Raum. Hier kann diskutiert und interpretiert werden und gemeinsamer lösungsorientierter Austausch stattfinden.

Wir grenzen uns vehement ab von einer politischen Gesinnung, die Menschen gegeneinander ausspielt, die Menschen instrumentalisiert und mit verwerflichsten Mitteln Populismus betreibt.

Unsere Meinungsfreiheit in Bezug auf die Corona Maßnahmen wurde von Andreas Winhart schamlos ausgenutzt. Seine Strategie ist es, dort anzudocken, wo Unzufriedenheit herrscht. Eine Unzufriedenheit, die mit dem Prozedere, welches das Erdkinder-Projekt gemäß dem Infektionsschutzgesetz verfolgt hat, nicht im Geringsten zu tun hat!

Diese Unzufriedenheit steht in keinerlei Zusammenhang mit der Pädagogik bzw. der Haltung des Erdkinder-Projekts anlässlich der Corona Thematik. Vielmehr wurde der sowohl organisatorische, als auch in der Umsetzung der Reihentestung betriebene Aufwand des Gesundheitsamtes hoch gelobt. Man stelle sich vor, das Testteam erschien sehr herzlich und freundlich in Hasenverkleidung und mit einem Trostgeschenk für die getesteten Kinder die entgegen den Aussagen von Herrn Winhart übrigens nicht mutterseelenallein durch den TestDrive In fahren mussten. Das Gesundheitsamt, samt seines professionellen Teams hat hier herausragende Arbeit geleistet!

Mit freundlichem Gruß

Simone Kitschke, Anke Klinner, Ulrike Fiszel, Martina Wagner, Petra und Thomas Kagerer, Nathalie und Markus Mocek, Armin Kitschke, Bernhard Klinner, Anika und Patrick Wassermann, Familie Weber-Rusch, Claudia Judenhofer, Birgit Heilmannseder, Karin Eibl, Alexandra Huber, Manuela Kröner, Viki und Kristof Jurela, Familie Schussmüller, Familie Huber, Familie Leuckert, Familie Piehl, Familie Dauner, Familie Richter, Familie Schwäger, Familie Bäck, Silvia Forkel, Tiana Hecker, Familie Ciosmak, Familie Lindlbauer, Familie Krapf, Franz Hecker, Christina Eichmann, Christiane Häckl, Vanessa Lindner, Benjamin Schnizlein, Familie Frank, Julia Richardson, Angelo Mangiavillano, Claudia Theuerkauf-Borchard, Sandra und Wolfgang Deinbeck, Eva und Thomas Groß, Maik Stiegler, Johanna Weber, Familie Uhlig, Pia Gruber, Franziska Höck, Ulrike Matejka, Larissa Byzio

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