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Tonbaazen mit Leib und Seele

Bei Edith Dillkofer (65) aus Lohkirchen gibt es allerlei Tongeschichten

Edith Dillkofer lässt Kreatvies entstehen – von der Keramikkugel bis zum Brottopf.
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Edith Dillkofer lässt Kreatvies entstehen – von der Keramikkugel bis zum Brottopf.

Eigentlich ist Edith Dillkofer (65) schon ein paar Jahre in Rente. Gut ausgelastet war sie als Kinderkrankenschwester. Als medizinische Schulbegleiterin kam sie erstmals in Kontakt mit dem Werkstoff „Ton“. Jetzt kann sie nicht mehr davon lassen.

Lohkirchen – 2013 begleitete sie als medizinische Schulbegleiterin einen Schüler der Herzog-Heinrich Mittelschule in Neumarkt. Schulbegleiter betreuen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit geistiger, körperlicher oder (drohender) seelischer Behinderung. Sie unterstützen den Alltag in Schulen, Kindergärten und Kitas, sodass die Kinder und Jugendlichen ihn möglichst selbstständig meistern können.

Edith Dillkofer beim Arbeiten: Hier entsteht gerade eine Teelichtkugel. Stettner

Dabei kam sie im Werkunterricht zum ersten Mal mit dem Werkstoff Ton in Berührung. „Bis dato hatte ich noch nie Ambitionen, mit Ton oder dergleichen Stoffen zu arbeiten.“ Sogar die Werklehrerin Josefine Putz bemerkte ihr Talent und warnte: „Vom Arbeiten mit Ton kommst du so leicht nicht mehr weg.“ „Und Recht sollte Sie behalten“, so Edith Dillkofer lachend.

„Kaum Zuhause, hab ich mir sofort Ton und Werkzeug gekauft und drauf losgetöpfert.“ Sie hatte das Glück, dass nebenan das unbewohnte Haus der Schwiegereltern stand. Es wurde kurzerhand zur Werkstatt umfunktioniert. „Hier kann ich alles stehen- und liegenlassen“, so das Naturtalent. Da sie keinen Brennofen hatte, wurden die fertigen Stücke zum Brennen zu einer Töpferin in der Nähe von Hebertsfelden bei Eggenfelden gebracht.

Eines Tages überraschte sie die Familie mit einem kleinen gebrauchten Brennofen. Dann konnte sie so richtig loslegen. „Der Zuspruch meiner Kunden, sprich Familie und Freunde, stärkte mich in meinem Tun.“ Da Tochter Ulrike Sachen auf Christkindlmärkten verkauft, hat sie ihre Sachen einfach dazu gestellt und war völlig überrascht, das sich die Besucher so dafür interessieren.

Auch die Enkel David und Korbinian sind schon vom Ton baazen„infiziert“.

Mittlerweile töpfern auch zwei ihrer acht Enkelkinder gerne mal mit. Vor allem in den Ferien ist der Garten von Edith Dillkofer eine beliebte Anlaufstelle. „Dann findet sozusagen ein privates Ferienprogramm statt,“ so die Hobbykünstlerin.

In den Sommermonaten töpfert Edith Dillkofer am liebsten. Ihr bevorzugter Platz ist dann am Gartentisch unter einem Apfelbaum. Beim Töpfern haben die Meisten jemand vor Augen, der an einer Drehscheibe sitzt und den Ton nach oben zieht. Bei Edith Dillkofer ist das nicht so: „Ich besitze keine Scheibe. Ich hab es versucht, aber ich konnte nicht damit umgehen. Also gibt es bei mir lediglich Aufbaukeramik oder freies Gestalten.“ Mit Fundstücken aus Spaziergängen werden die Tonarbeiten auch mal mit Wurzeln, Ästen oder Schwemmholz, kombiniert. „Ich lasse da der Fantasie freien Lauf.“ Um beispielsweise Teelichtkugeln den letzten Schliff zu geben, werden gerne mit Gräsern, Blättern, Blüten und Ähnlichem oder mit altem Spitzenstoff Muster an die Außenseiten gedrückt. Aber auch Walzenmodel oder Flaschenkorken können da zum Einsatz kommen.

Besonders gerne mag sie freies Modellieren. Hier entstehen unter ihren Händen wahre Tongeschichten mit Gesichtern oder ausdrucksvollen Körperhaltungen. Mit Hilfe von Gießton, der in Gipsformen eingefüllt wird, entstehen auch Gartenkugeln. Diese werden mit handgearbeiteten Tierfiguren liebevoll komplettiert.

Unter den kreativen Händen von Edith Dillkofer entstehen vielfältige geschmackvolle Dinge; von der Keramikkugel bis zum Brottopf.

Das Angebot von Edith Dillkofer hat sich inzwischen ganz schön vergrößert. Von Zaunhockern, Dosen, Schalen, Seifenschalen, bis hin zu Schmelzlichttöpfen reicht das Repertoire. Natürlich ist auch ihr Brottopf zu Hause handgemacht. „Seitdem haben wir kein schimmeliges Brot mehr.“ Bei den Brottöpfen wird auch ihr Mann Gustav mit eingebunden. Er ist zuständig für das Schreinern der passenden Deckel auf den Topf. Diese werden aus alten Dielenbrettern hergestellt.

Mitgemacht hat Edith auch, auf Idee ihrer Tochter Ulrike, bei der Bundesgartenschau 2021 in Erfurt. Steinmetzmeisterin Franziska Kreipl-Poller und ihre Tochter Ulrike, ebenfalls Steinmetzin, stellten dort ein neuartiges Urnengrabprojekt aus: Eine Gemeinschaftsgrabanlage für Urnen, die in Form kleiner Häuschen individuelle Grabmale bieten. Ein charmantes, fast heiteres Dorf, so vielfältig wie die Lebenswege der Verstorbenen.

Durch das Hobby entstehen Geschenke

Die Idee wurde später durch die Jury belohnt. „Durch mein Hobby entsteht so manches Geschenk für die Familie oder Freunde. Wenn es zwischendrin auch immer mal wieder künstlerische Pausen gibt, vom Tonbaazen kimm i wirklich nimma weg“, so Edith Dillkofer zum Abschluss. Und ergänzt: „Natürlich wird nicht jedes Projekt wie gewünscht. Dann gibt’s auch mal ein „Aha, so bist du geworden“ zu hören.