STADTPLATZSANIERUNG

Licht aus: Müssen die alten Lampen in Neumarkt-St. Veit jetzt doch weichen?

Hell-Dunkel-Problematik am Stadtplatz: Selbst eine technische Aufrüstung kann die Defizite der Bestandsleuchten nicht kompesnieren. Zu diesem Schluss kamen Planer und Architektin.
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Hell-Dunkel-Problematik am Stadtplatz: Selbst eine technische Aufrüstung kann die Defizite der Bestandsleuchten nicht kompesnieren. Zu diesem Schluss kamen Planer und Architektin.

Neumarkter Bau- und Umweltausschuss kassiert Bürgervotum ein. Die Gründe sind plausibel, doch SPD-Stadtrat Ludwig Spirkl reagiert empört: „Wir machen uns unglaubwürdig!“

Neumarkt-St. Veit – Die Neumarkter Bürger hatten sich im Zuge der bevorstehenden Stadtplatzsanierung in einer Befragung für den Erhalt der bestehenden Beleuchtung ausgesprochen. Diesem Votum hatte der Stadtrat entsprochen, indem er überprüfen ließ, ob dies technisch überhaupt machbar und auch sinnvoll ist. Das Ergebnis: Architekten und Planer raten vom Festhalten an der Bestandsbeleuchtung ab. Im Bauausschuss löste das eine kontroverse Diskussion aus.


Viel Streuverlust und ein geringer Wirkungsgrad

Viel Streuverlust und ein geringer Wirkungsgrad. Zu diesem ernüchternden Urteil kommt Christina Lehner vom SHL-Architektenteam nach der Lichtberechnung, die das Bayernwerk für die bestehenden Lampen auf dem Neumarkter Stadtplatz durchgeführt hat. Schon im Bestand reiche die Beleuchtung des Stadtplatzes nicht aus. „Es entstehen Hell-Dunkel-Zonen, die kontraproduktiv zu einer gleichmäßigen Beleuchtung sind. Es wird dann schwierig, Personen im Bereich der Fahrbahn zu erkennen“, erklärte Lehner.


Lehner erteilt den bisherigen Lampen eine Absage

Der Verzicht auf Lampen entlang der Straße – so wäre es geplant, um damit mehr Fläche für Veranstaltungen zu schaffen – würde diesen Effekt verstärken. Sie schlug stattdessen vor, mit neuen, modernen Leuchtmitteln zu arbeiten – mit der Lichtfarbe 2700 Kelvin, alternativ mit 3000 Kelvin.

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Kompliment an die Stadträte!

Ingo Schindler vom Ingenieurbüro Coplan untermauerte Lehners Einschätzung, dass eine nachgerüstete Leuchte nie den Wirkungsgrad einer neuen Leuchte erreichen würde, „selbst wenn sämtliche Komponenten aufeinander abgestimmt wären“. Die Bestandsleuchten hätten eine relativ schlechte Lichtverteilung in die Fläche, dies wirke sich negativ auf die Gleichmäßigkeit aus. Es werde nicht einmal die Mindestanforderung nach DIN-Norm erreicht, so Schindler. Hellere Leuchtmittel würden den kontrastierenden Effekt sogar noch verstärken. Er sprach auch den Insektenschutz an, dem man Rechnung tragen würde, wenn das Licht künftig nicht in alle Richtungen, sondern nur noch nach unten abstrahle.

„Wir sollten nicht rummurksen“

„Für mich ist eine Planung mit den alten Lampen keine Alternative. Wir sollten nicht rummurksen, das bringt uns nicht weiter“, erteilte Bürgermeister Erwin Baumgartner (UWG) der Planung auf Basis der bestehenden Beleuchtung am Stadtplatz eine Absage. Peter Hobmaier (UWG) versuchte es noch mit einem Kompromissvorschlag: bestehende Lampen an den Fassaden belassen und neue Laternen entlang der Straße installieren. Doch Architektin Christina Lehner verneinte: „Das wäre aus unserer Sicht die schlechteste Variante.“ Gerade entlang der Straße sollten die Lampen ja wegfallen, man bliebe hinter den Möglichkeiten zurück.

Wolfgang Hobmeier: Fachliche Entscheidung sollte über dem Bauchgefühl stehen

Auch Wolfgang Hobmeier (CSU) sprach sich gegen die Kombination von alten und neuen Lampen aus. „Wenn es dann nicht passen sollte, ist der Raum tot.“ Man habe den Bürgerwillen respektiert und die Möglichkeiten prüfen lassen. „Wir haben jetzt aber eine fachliche Entscheidung“, und diese sollte über dem Bauchgefühl stehen, auch wenn dies möglicherweise zu Unverständnis der Bürger führe.

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Hellere Leuchtmittel verschlechtern die Situation nur

Peter Gruber (CSU) fragte nach, ob hellere Leuchtmittel in den Bestandsleuchten eine bessere Ausleuchtung bringen könnten. „Die Hell-Dunkel-Problematik bekommen wir damit nicht in den Griff. Es wäre nur punktuell heller“, sagte Lehner dazu. Ingenieur Ingo Schindler ergänzte, dass man damit das Licht nicht in die Fläche bekomme. „Die alten Lampen sind für LED ja gar nicht optimiert.“ Die Erkennbarkeit von Hindernissen wäre dann sogar noch schlechter.

Reduzierung der Lichtverschmutzung – warum dann Bodenleuchten?

Mit all diesen Erklärungen wollte sich SPD-Stadtrat Ludwig Spirkl nicht zufriedengeben. „Das Votum der Bürger war eindeutig, wir haben das zu akzeptieren. Doch brauchen wird künftig die Bürger nicht mehr befragen, wenn wir ein eindeutiges Ergebnis nicht respektieren. Die Leute fühlen sich doch verschaukelt. “ Er kenne niemanden, der sich über die Beleuchtung des Stadtplatzes bisher beklagt hätte und hielt den Planern sogar vor: Einerseits würden sie für eine Reduzierung der Lichtverschmutzung werben, andererseits aber zusätzliche Bodenleuchten in Baumgruppen vorschlagen.

Peter Gruber regt transparente und gut begründete Kommunikation an

Peter Gruber gab Spirkl „zu 100 Prozent Recht“. Man stoße die Bevölkerung vor den Kopf, selbst wenn diese zu „80 Prozent nach Bauchgefühl“ für die bestehenden Lampen gestimmt hätten und die Expertenmeinung nachvollziehbar sei. „Wir müssen das gut begründen“ Dazu ergänzte Baumgartner, dass man die bestehende Beleuchtung aufgrund des technischen Aspekts bewusst nicht zur Entscheidung gestellt hatte, „auch der Stadtrat hatte etwas anderes vorgegeben“.

Johanna Kaltenecker und Georg Wimmer (beide CSU) sprachen sich für eine neue Technologie aus, die auch nachhaltig sein soll. Kaltenecker ergänzte aber, dass anschauliches Bildmaterial zur Ausleuchtung bei der Entscheidungsfindung von Vorteil gewesen wäre.

Ludwig Spirkl schimpft: Reaktion des Stadtrates sei „vermessen“

„Ich habe mit vielen Neumarktern geredet. Einem Großteil war die Beleuchtung egal. Hauptsache man sieht etwas“, betonte Monika Eisenreich (UWG). Als „vermessen“ bezeichnete es hingegen Spirkl wiederholt, sich gegen das Votum der Bürger zu stellen: „Wir machen uns unglaubwürdig!“

Für Baumgartner ist belegt: Aufrüstung der bestehenden Lampen funktioniert nicht

Dies wiesen Baumgartner und Peter Hobmaier zurück und verwiesen auf die Einschätzung der Planer. „Wir hatten den Auftrag erteilt, die technischen Möglichkeiten zu überprüfen. Es ist nun belegt, dass es nicht funktioniert.“ Er stellte anschließend die Variante „Laterne“ zur Abstimmung, die bei der Umfrage neben der Bestandsleuchte die größte Befürwortung erhalten hatte. Sieben Räte stimmten dafür, Spirkl dagegen.

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