Leichenhaus hat sich gesetzt

+
Der Putz bietet keinen Wetterschutz mehr - so das Fazit von Architekt Göbl, der die Sanierungskosten des Leichenhauses in St. Veit auf rund 103.000 Euro schätzt.

Neumarkt-St. Veit (NA) - Die Schäden am Leichenhaus am Friedhof von St. Veit sind größer als befürchtet.

Architekt Wolfram Göbl hat in der Neumarkter Bau- und Umweltausschusssitzung die Ergebnisse der Schadenskartierung und Sanierungsmaßnahmen vorgestellt.

Teilweise hat sich das Gebäude gesetzt.

127 Jahre sind nicht spurlos an dem Gebäude auf dem Neumarkter Friedhof vorüber gegangen, wie sich bei der Auflistung aller Schäden herausgestellt hat. Der Architekt sprach von einer Setzung des Gebäudes um acht Zentimeter auf der Südwestseite. Dachziegel und Bleche seien an ihrem "Lebensende". Auf der Talseite des Gebäudes hat sich bei der Kartierung aller Schäden auch Feuchtigkeit am Gebäude feststellen lassen, Göbl vermutet, dass diese von einem Fallrohr stammt, hervorgerufen durch einen Frostschaden.

Frost sei ebenfalls ausschlaggebend dafür gewesen, dass das Gesims kaputt ist. "Auch Putz und Farbe erfüllen ihre Wetterschutzfunktion nicht mehr", erklärte Göbl, der zumindest bei den Dachreitern befand: "Die sind überwiegend noch in Ordnung." Beim Glockentürmchen sei es jedoch notwendig, die verrostete Verankerung nachzubessern, "ich weiß nicht, ob das Türmchen dem nächsten Sturm noch stand hält".

Bei der Untersuchung des Dachstuhls seien morsche Balken entdeckt worden, die Beschädigung reicht von fünf bis 100 Prozent: "Zwei Balken müssen komplett ersetzt werden", bei anderen würden Ausbesserungsarbeiten ausreichen. Michael Asbecks (CSU) Meinung, dass es besser sei, marode Balken komplett auszutauschen, anstatt diese aufwändig zu sanieren, traf auf Zustimmung des Architekten. Dies müsse jedoch mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgeklärt werden.

Ziegel und Fugen seien in sehr gutem Zustand, das Leichenhaus sei auf tragfähigem Boden gebaut und ausreichend tief gegründet. Risse entlang der Bodenplatte führte Göbl auf fehlendem Frostschutz zurück.

Ferdinand Rothkopf (CSU) fügte an, dass die Fenstereinteilung auf der Westseite zergliedert erscheine und regte an, bei einer erfolgenden Sanierungsmaßnahme darauf zu achten, die Front einheitlich zu gestalten. Göbl erklärte, dass das unverhältnismäßig große Fenster auf dieser Seite früher zweckmäßig gewesen sei, weil sich dahinter der Sezierraum befunden hätte, "wo man viel Licht benötigte".

Im Gesamten sprach Göbl beim Leichenhaus von einem altehrwürdigen Schmuckstück, dessen Bau ins Jahr 1882 zurückreicht. 1913 sei der Anbau erfolgt. Man habe sogar eine Erweiterungsplanung aus dem Jahr 1891 gefunden, die jedoch nicht umgesetzt worden sei. Die Lisenen an den Fenstern seien urspünglich gelb gewesen, nannte Göbl ein Detail des Gebäudes.

Eine Kostenschätzung stand am Ende seines Berichtes. Rund 103.000 Euro würden die Ausbesserungsmaßnahmen kosten, die jedoch abschnittsweise durchgeführt werden könnten, die Planung sei darauf ausgerichtet. "Nach der Sanierung ist dann für ein bis zwei Generationen aber Ruhe", schloss Göbl. Über mögliche Zuschüsse konnte Göbl keine Angaben machen.

Bürgermeister Erwin Baumgartner fügte schließlich noch hinzu, dass das Landesamt für Denkmalpflege die Schadenskartierung überprüfen müsse, "dann schauen wir, wie wir die Maßnahmen haushaltstechnisch unterbringen können."

Der Bauausschuss beschloss daraufhin, dass die abschnittsweise Sanierung gemäß dem Konzept von Architekt Wolfram Göbl weitergeführt werde.

je/Neumarkter Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Neumarkt-Sankt Veit

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser