Ein Leben wie in einem Museum

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Traudl Blaha mit ihrer ersten Puppe. Inzwischen besitzt sie an die 1000 Puppen.

Niederbergkirchen - Es gibt eigentlich nichts, was die Blahas nicht sammeln: Puppen, Spielzeug, Schnupftabakflaschen, Schallplatten und und und. Das ehemalige Kloster bei Oberhofen ist ein wahres Schatzkästchen, in dem Traudl Blaha auch Klosterarbeiten und Hinterglasbilder zur Schau stellt.

Dabei alleine will sie es aber nicht belassen.

"Stübchen" nennt die 57-Jährige liebevoll ihr Salettl, das sich im Erdgeschoss des ehemaligen Klosters und Wirtshauses hoch droben in Oberhofen befindet. Liebevoll dekoriert, mit Hang zur Nostalgie präsentiert sie auf den wenigen Quadratmetern zunächst ihre Klosterarbeiten --sogenannte Eing'richtl und Fatschnkindl - sowie Hinterglasmalereien; Heilige, Jahreszeiten und Blumen bilden dazu die Motive. "Bis zu vier Wochen sitzt man an einem Bild", erklärt die Künstlerin ihre Leidenschaft für Malerei. "Manchmal hab ich mitten in der Nacht eine Idee, stehe auf und beginne zu malen oder basteln." Langweilig wird Traudl Blaha nie. Im ganzen Haus ist ihr kreativer Geist versprüht. Man merkt gleich, dass sie ein Faible für das 19. Jahrhundert hat. "Ich koche auch nur noch mit dem Holzofen", bestätigt sie diese Vermutung.

Doch auch sonst fühlt man sich in den vier Wänden des ehrwürdigen Gebäudes hoch über dem Isental, das die Blahas seit 2005 bewohnen, in das Zeitalter des Biedermann zurückversetzt. Schreib- und Nähmaschinen, Kaffeemühlen, Fotoapparate und Bügeleisen - selbst der Gang zur Toilette wird zum kulturhistorischen Ereignis. Filigrane Porzellanklöppel, die ehemals der Spülung dienten, zieren den Spiegel, alte Apothekerflaschen auf den Regalen, dazu Nachttöpfe neben der Toilette und an der Wand hängend. Das alles ist jedoch nichts gegen das gesammelte Allerlei, das sich auf das erste und zweite Obergeschoss, den ehemaligen Tanzboden, verteilt. Puppen über Puppen. Aus Porzellan, aus Pappmaché oder Zelluloid. "Damit hat alles begonnen", erzählt sie und meint ihre Sammelleidenschaft. Sie wollte immer eine Puppe mit langen Haaren haben, auf einem Flohmarkt wurde sie dann vor 20 Jahren fündig, sie kaufte sich gleich zwei Puppen, inzwischen sind es an die 1000. "Von Fingerhutgröße bis lebensgroß", erzählt sie. Damit nicht genug, näht sie Möbel und Kleidung für die Puppen selbst. Für ihre kleinsten Puppen fertigte sie sogar in filigranster Feinarbeit eine Konditorei an, inklusive Schwarzwälder Kirschtorte und Breze.

Was sagt ihr Mann Herbert zu ihrem Hobby? Der ist ebenso vom Sammelfieber infiziert. Schnupftabakflaschen, Automodelle, Porzellantabakpfeifen, Schallplatten ("1200 werden es wohl sein") Autogrammkarten, und Charivari-Schmuck, "den ich teilweise auch selbst anfertige", schmücken seinen Sammlerraum. So viele Kostbarkeiten anno dazumal - dies alles wollen Traudl und Herbert Blaha nicht der öffentlichkeit vorenthalten. Es ist ihr mittelfristiges Ziel, ihre Schätze zu ordnen und aus ihrem klösterlichen Zuhause ein Museum auszugestalten.Dabei will sie aber nicht gleich all ihre Schmuckstücke ausstellen. Sie schwärmt von themenbezogenen Ausstellungen, die sich vierteljährlich ändern. "Nostalgische Nähmaschinen im Vergleich zu Kindernähmaschinen zum Beispiel", sprudelt es aus der kreativen 57-Jährigen frei weg heraus. Oder eine Ausstellung über ihre asiatische Puppensammlung - Ideen hat sie genügend, Sammlerstücke ebenfalls. So viele, dass sie sich schließlich selbst eingestehen muss: "Schön langsam würde es reichen", dieser Vorsatz reicht allerdings nur bis zum nächsten Flohmarkt. Wie an jenem, als sie einfach nur "gucken" wollte. Heimgefahren ist sie dann mit 20 Zuckerlöffeln für nur fünf Euro. "Da muss man doch zuschlagen, oder?"

je/Mühldorfer Anzeiger 

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