Auf der Jagd nach Motiven

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Neumarkt - Schmetterlinge bei der Paarung, Bussarde im Kampf um das Revier oder eine Raupe, die erst bei entsprechender Vergrößerung bedrohlich wirkt.

Mit atemberaubenden Aufnahmen beeindruckt der Niederbergkirchener Hobbyfotograf Egbert Pfeifer.

Entstanden sind diese in Dolling, einem überdimensionalem Biotop. Niederbergkirchen/Dolling - Egbert Pfeifer hat die Stube verdunkelt, der Beamer und sein Laptop fahren hoch und schon beginnt die Diashow. Und das mit einem Hammermotiv: Ein Eisvogel ist es, aufgenommen am Teich gleich hinter seinem Haus. "Leicht verwackelt", kommentiert der 65-Jährige diesen seltenen Schnappschuss leicht zerknirscht, zumal seine Ausrüstung zum Zeitpunkt dieser Aufnahme noch nicht die beste war. Doch was dann folgt, sind Bilder allerbester Güte. Eine Gebirgsstelze, die sich in einem Blecheimer in der Werkstatt eingenistet hat. Oder das Neuntötermännchen, das gerade seinen Nachwuchs mit einem erlegten Schmetterling füttert. Dann wieder ein Silberreiher, der sich majestetisch in die Lüfte erhebt.

Fantastische Makroaufnahmen von Insekten entlarven eine harmlose Raupe als mit Dornen bewaffnetes Insekt. Die Chitin-Platten einer Heuschrecke erscheinen als undurchdringlicher Panzer. Am meisten beeindruckt aber die Aufnahme einer Königslibelle im Flug, gleich einem Helikopter, eingefroren bei minimaler Belichtung, so dass selbst die Maserung auf den Flügeln erklennbar ist. "Man drückt 100 Mal ab bis man eine solche Aufnahme erwischt", erklärt Pfeifer stolz und verrät dabei, dass er sein Objektiv dafür am Boden liegend gen strahlend blauen Himmel gerichtet hatte, "denn erst der richtige Hintergrund macht das Motiv aus."

Seine Begeisterung für die Fotografie hat Pfeifer während seiner Studienzeit entdeckt. Mit einer DDR-Exacta-Ausrüstung sei er damals auf Motivjagd gegangen. "Doch irgendwann konnte ich mir damals die Filme für die vielen Fehlaufnahmen nicht mehr leisten", erklärt er schmunzelt, warum sein Hobby eine Weile ruhen musste. Seit seiner Pensionierung vor zwei Jahren hat der Maschinenbauingenieur aber umso mehr Zeit, seiner Passion zu frönen. Es folgte die Anschaffung einer digitalen Spiegelreflexkamera und schließlich auch der Kauf eines 400-mm-Objektives.

Und seitdem ist Egbert Pfeifer auf der Pirsch. Etwa 20000 Aufnahmen seien seit Beginn des Jahres entstanden, von der Amsel über den Eichelhäher und den Kuckuck bis zum Waldbaumläufer finden sich sämtliche Vogelarten auf der Festplatte seines Laptops. Dabei muss der Niederbergkirchener nicht einmal weit fahren. Es genügt der Gang auf die Terrasse, seine Kamera stets in Griffweite.

Dann heißt es geduldig abwarten. Es erscheinen Bachstelzen, die sich auf dem Dach putzen, sich paarende Turmfalken oder eine Rauchschwalbe beim Beutefang - alles in unmittelbarer Nähe seines Hauses, dessen Umgebung für die Passion Pfeifers prädestiniert ist. Ein naturbelassenes Tal, das einem überdimensionalem Biotop gleicht und wo sich die Tierwelt wohl fühlt. "Drei bis vier Mal gehe ich am Tag mit der Kamera raus. Selbst beim Ausführen des Hundes habe ich meine Kamera umhängen." Diesem Umstand hat es Pfeifer zu verdanken, dass ihm die wohl ungewöhnlichsten Schnappschüsse gelungen sind: zwei kämpfende Bussarde. "So etwas sieht man wahrscheinlich nur einmal im Leben", ist sich Pfeifer sicher.

Mit der Anzahl der Fotografien änderte sich auch die Anspruchshaltung des Hobbyfotografen. Still sitzende Vögel langweilen Pfeifer mittlerweile. Dynamisch will es der 65-Jährige haben. Vögel im Flug oder beim Verlassen ihres Nistkastens. "Am schwersten lässt sich die Rauchschwalbe ablichten", sagt Pfeifer über die geschickte Luftakrobatin. Alle Aufnahmen schießt Pfeifer deswegen aus freier Hand, "mit Stativ könnte man nie die Flugbahn eines Vogels nachverfolgen."

Mit der Fotografie kam auch das Interesse an der Dokumentation. Die Jagd nach Tieren, die eher selten sind ("auch die Zebraspinne ist hier wieder heimisch geworden") oder das Festhalten einzelner Entwicklungsstufen, wie er es bei der Baumwanze getan hat. Pfeifer hat dabei das Glück, mit einer Expertin verheiratet zu sein. Seine Frau Antje ist Biologin und kennt sich bestens mit der Fauna um ihren Hof in Dolling aus.

Das Jagdfieber Pfeifers nach dem perfekten Schnappschuss ist ungebremst. Dabei hat er ein Traumobjekt im Hinterkopf: den Eisvogel. "Ich hoffe, dass der Eisvogel im Herbst zurückkehrt und ich ihn dabei einfange, wie er sich von einem Ast ins Wasser stürzt und sich einen Fisch aus dem Teich holt. Das wird extrem schwer."

je/Neumarkter Anzeiger

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