"Wir haben doch nichts verbrochen!"

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Neumarkt-St. Veit - Die Weihnachtsgeschenke für ihre Enkel liegen noch verpackt im Kinderzimmer. Immer noch sind Julia und Angelina bei ihrer Pflegemutter. Angelika Iwanskis Kampf um ihre Enkelinnen geht weiter.

"Wir haben doch nichts verbrochen", sagt Angelika Iwanski verzweifelt. Alles was die Neumarkterin möchte, ist ihre Enkel wieder nach Hause zu holen und so den letzten Willen ihrer verstorbenen Tochter Dana zu erfüllen.

Hinter Angelika Iwanski und ihrem Ehemann Erich liegt ein schreckliches Jahr. Viele Gutachten, Termine, Erklärungen und Anträge hatte das Ehepaar zu bewältigen und ging schließlich bis ans Oberste Landesgericht in München, das dem leiblichen Vater die Kinder auch zusprach. (Wir berichteten). Trotzdem müssen Angelina (drei Jahre) und Julia (fünf Jahre) noch bei ihrer Pflegemutter in Hannover bleiben, weil diese einen Antrag auf Verweildauer gestellt hat.

Liebevoll hat Angelika Iwanski schon die Weihnachtsgeschenke für ihre Enkelinnen vorbereitet. Doch aus einem gemeinsamen Weihnachtsfest wurde nichts.

"Wir sind also wieder nicht weitergekommen", seufzt Angelika Iwanski. Das Weihnachtsfest wollte die 54-Jährige eigentlich mit ihren Enkelinnen verbringen, die Pflegemutter nahm die Mädchen aber mit in den Urlaub. "Die Geschenke liegen noch verpackt oben im Kinderzimmer. Ich hätte so gerne ihre strahlenden Augen gesehen, wenn sie sie auspacken."

Statt ihren Enkelinnen hat Angelika Iwanski einen erneuten Brief vom Jugendamt in Mühldorf erhalten, der der Großmutter empfiehlt, die Mädchen nicht aus ihrer gewohnten Umgebung zu reißen. "Das Jugendamt hat eigentlich mit der ganzen Sache nichts mehr zu tun. Ich weiß gar nicht, warum ich noch Briefe bekomme", meint Iwanski. Von den Mühldorfer Ämtern ist die Neumarkterin nur noch enttäuscht. "Ich habe das Gefühl, dass sie uns nicht helfen, sondern alles nur noch schlimmer machen." Besonders schrecklich sei die Hilflosigkeit, nichts ausrichten zu können. "Das macht mich so wütend."

In ihrer Verzweiflung hat Angelika Iwanski jetzt einen Brief an das Amtsgericht in Celle geschrieben, das den Antrag auf Verweildauer der Pflegemutter genehmigt hat. "Wir haben einen schweren Schicksalsschlag durch den Tod unserer Tochter hinnehmen müssen und haben auf ernst gemeinte und ehrliche Hilfe umsonst gehofft", heißt es darin. Wenn sie die Zeit zurückdrehen könnte, würde Iwanski nicht noch einmal den Fehler machen, auf das Jugendamt Mühldorf zu hören, so die 54-Jährige wörtlich.

"Wir mussten ein polizeiliches Führungszeugnis abgeben, damit wir Kevin, unseren dritten Enkel, hier behalten durften. Wir haben doch nichts verbrochen", sagt die Neumarkterin kopfschüttelnd. Keiner könne verstehen, warum sich die Ämter und Gerichte so dagegenstellen, dass die Mädchen in ihrer eigenen Familie leben dürfen. Und wieder kann Angelika Iwanski ihre Tränen nicht unterdrücken. Der harte Kampf um ihre Enkelinnen hat Spuren hinterlassen. "Es ist so frustrierend und ein schreckliches Gefühl, immer wieder an das Grab meiner Tochter treten und sagen zu müssen: ´Wir haben wieder nichts geschafft`. Es waren doch ihre letzten Worte vor ihrem Tod."

In den Faschingsferien wollen die Iwanskis ihre Enkel endlich nach Bayern holen. "Die Pflegemutter hat eingewilligt, dass sie die Ferien bei uns verbringen dürfen, aber man weiß ja nie", meint die Großmutter hoffnungslos. Aber das Ehepaar wird niemals aufgeben, auch wenn es das Vertrauen in die Ämter nach den schrecklichen Erlebnissen verloren hat. "Wir sind die Familie dieser Kinder, sie brauchen unsere Liebe!"

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Anette Mrugala

Rubriklistenbild: © Anette Mrugala

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