"Die Kinder wären das schönste Geschenk"

Neumarkt St-Veit - Nach dem Tod ihrer Tochter Dana begann für Angelika Iwanski und ihren Mann Erich ein harter Kampf um ihre Enkelkinder. Mittlerweile ist das Ehepaar verzeifelt und weiß nicht mehr weiter.

"Ich kann nicht mehr", sagt Angelika Iwanski. Der Kampf um ihre Enkelkinder Julia, fünf Jahre, und Angelina, drei Jahre, hat die 54-Jährige mittlerweile schon fast all ihre Kraft gekostet. Am 19. November diesen Jahres erging vom Obersten Landesgericht in München endlich der Beschluss, dass die Kinder bei ihren Großeltern leben dürfen. "Wir waren überglücklich", meint Angelika Iwanski. Doch das Glück hielt nicht lange. Als die Iwanskis sich auf den Weg nach Hannover machen wollten, wo die zwei Mädchen bei einer Pflegemutter leben, um die beiden abzuholen, erreichte sie die nächste Hiobsbootschaft: Die Pflegemutter hat einen Antrag auf Verweildauer der Kinder gestellt. Das heißt, die Kinder dürfen noch eine Zeit bei ihr bleiben, um sich zu verabschieden. "Wir haben erfahren, dass das sogar zwei Monate dauern kann", so Angelika Iwanski, "dabei hätte ich mich so über ein gemeinsames Weihnachtsfest mit den Kleinen gefreut. Das wäre das schönste Geschenk gewesen." Bei diesem Satz kann die Großmutter ihre Tränen nicht zurückhalten. "Ich frage mich wirklich, ob das überhaupt jemals aufhört."

Diagnose Krebs

Die Geschichte der Iwanskis hat mit der Krebs-Diagnose ihrer damals 31-jährigen Tochter Dana im Januar 2008 begonnen. Zu dieser Zeit lebte Dana mit ihren drei Kindern Kevin (11), Julia (5) und Angelina (3) und mit ihrem Ehemann Josef in München. "Als die Diagnose kam, begann eine schwere Zeit", erinnert sich Angelika Iwanski. "Ich bin zwischen München und Neumarkt gependelt, um meiner Tochter beizustehen." Weil sich Dana wegen ihrer Krankheit nicht mehr gut um die Kinder kümmern konnte und sich der Älteste, Kevin, nicht gut mit seinem Stiefvater verstand, nahmen Angelika und Erich Iwanski den Jungen im Februar 2008 zu sich. "Das lief über das Jugendamt in München, da gab es überhaupt keine Probleme."  

Das Mühldorfer Jugendamt schaltet sich ein

Im Mai 2008 zog schließlich auch Dana mit dem Rest ihrer Familie von München nach Mühldorf, wo sich das Mühldorfer Jugendamt einschaltete. "Das Jugendamt wollte unbedingt, dass Dana eine Vorsorge für ihre Kinder trifft", erzählt Iwanski. Schließlich kamen zwei Damen zu Besuch, um alles zu klären. "Dana wollte, dass die Kinder zu uns kommen, denn ihr Mann ist selber krank und könnte sich nicht richtig um die Mädchen kümmern. Ihr war es wichtig, dass Angelina und Julia nicht in eine Pflegefamilie kommen, sondern in unserer Familie bleiben. Kevin hat ja da schließlich auch schon bei uns gelebt." Eigentlich wäre damit alles geregelt gewesen, doch das Jugendamt hatte Einwände. Angelika und Erich Iwanski seien zu alt für so junge Kinder hieß es. "Natürlich denkt man, vielleicht haben die Leute recht, darum kam ich auf die Idee mit meinem Neffen", berichtet die Neumarkterin. Angelika Iwanskis Neffe wohnt in Hannover und hatte sich zu der Zeit mit seiner Freundin sehnlichst Kinder gewünscht. Weil er aber zeugungsunfähig ist, sollten die Mädchen von Dana bei ihm und seiner Freundin unterkommen. "So wären sie ja in der Familie geblieben. Das war in Danas Sinn", betont Iwanski.

"Kümmere dich um die Kinder!"

Danas Zustand wurde schlimmer und so verabschiedete sie sich von ihren Kindern, die schließlich nach Hannover kamen. Am 2. Juli 2008 erlag die 31-Jährige ihrer Krankheit. An die letzten Worte ihrer Tochter erinnert sich Angelika Iwanski ganz genau und sie bringen sie jedes Mal wieder zum Weinen: "Mama, kümmere dich um die Kinder, versprich es mir! Und sie sollen auch Kontakt zu ihrem Papa haben." Im Oktober 2008 heiratete Angelika Iwanskis Neffe seine Freundin Sylvie. Nur vier Monate später nahm die Geschichte eine dramatische Wende. "Sylvie hat meinen Neffen rausgeschmissen und wollte die Scheidung. Die Kinder wollte sie aber behalten", berichtet Iwanski. Sofort stand für das Ehepaar aus Neumarkt fest, dass diese Konstellation nicht im Sinne ihrer Tochter wäre. Jetzt kämpfen sie schon fast ein Jahr dafür, dass die Kinder bei ihnen leben dürfen. "Wir sehen die Mädchen momentan nur vierteljährlich und dafür fahren wir 700 Kilometer einfach, um sie jeden Tag nur zwei Stunden sehen zu dürfen."

Unzählige Gutachten, Anträge und Erklärungen mussten die Iwanskis schon erstellen lassen und lesen. Einen dicken Ordner kann das Ehepaar mittlerweile damit füllen. Doch die Familie hat nicht aufgegeben. Bis zum Obersten Landesgericht in München haben sich die Großeltern durchgekämpft. Und es hat sich gelohnt, denn dort haben sie endlich eine Entschädigung für ihre Strapazen bekommen: den Beschluss, dass der Vater der Kinder alle Rechte wiederbekommt und, weil er eingewilligt hat, dass damit Angelina und Julia bei ihren Großeltern in Neumarkt leben dürfen. Auch wenn sie wegen dem Antrag auf Verweildauer der Pflegemutter die Mädchen doch nicht sofort holen dürfen, der Beschluss steht fest.

Vielleicht im neuen Jahr endlich vereint

"Jetzt hängt eigentlich alles vom Amtsgericht Mühldorf ab. Denn das muss seine ganzen Beschlüsse, die zuvor erfolgt sind, wieder zurücknehmen," erklärt Iwanski. Im ersten Stock des Hauses in Neumarkt haben die Iwanskis schon das Kinderzimmer für Julia und Angelina eingerichtet. Liebevoll haben die Großeltern alles bis ins kleinste Detail vorbereitet. Kleine Pferdchen an der Wand, Sitzsäcke, zwei kleine Prinzessinen-Bettchen. "Alles ist bereit, nur die Mädchen fehlen." Dieses Weihnchtsfest müssen Angelika und Erich Iwanski noch ohne ihre beide Enkelinnen verbringen und die Angst, dass trotz des Beschlusses doch wieder etwas schiefgehen könnte, bleibt. Wenn sie Glück haben, können sie aber zusammen mit Julia und Angelina und als Familie ins neue Jahr starten. Ein Jahr, das hoffentlich endlich Ruhe und Freiden bei den Iwanskis einkehren lässt.

Anette Mrugala

Rubriklistenbild: © Anette Mrugala

Zurück zur Übersicht: Region Neumarkt-Sankt Veit

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Sie haben aber die Möglichkeit uns Ihre Meinung über das Kontaktformular zu senden.

Die Redaktion

Live: Top-Artikel unserer Leser