Donikkl: "Die besten Einfälle kommen in der Dusche"

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400 Karten im Vorverkauf, dazu noch etliche Besucher an der Tageskasse. Heidi Braun vom städtischen Kindergarten in Neumarkt-St. Veit war überglücklich über den Erfolg des Konzertes von Donikkl und seine Weißwürschtl am Samstag in Neumarkts Mehrzweckhalle. Nicht zuletzt, weil die Neumarkter Geschäftswelt fleißig gespendet hatte, stellte das Konzert für den Elternbeirat schließlich kein finanzielles Risiko mehr da, erklärte Braun freudestrahlend.

Neumarkt-St. Veit - Das Fliegerlied hat Donikkl berühmt gemacht. Der Neumarkter Anzeiger nutzte das Gastspiel des Regensburgers, um sich über seine Definition von Kindermusik zu unterhalten.

Frage: Du bist ja kein professioneller Musiker, was hast du ursprünglich gelernt?

Antwort: Ich bin eigentlich Realschullehrer, Englisch und Religion. Seit ich 15 war, hab ich aber immer schon in Bands gespielt und eigene Lieder geschrieben. Damals aber eher Brit-Pop und Fun-Punk.

Frage: Davon ist aber beim Donikkl-Projekt schon etwas erhalten geblieben?

Antwort: Gott sei Dank, denn die Mischung macht es. Das fängt bei meiner Band an, die vom argentinischen Ska-Punker über den traditionellen Reggae-Mann bis zum alternativen Rocker und studierten Jazzer reicht. Jeder hat seinen Stil, wir schmeißen das alles in einen Topf und spielen das, was uns Spaß macht. Das ist cool.

Frage: Wo findet man denn Musiker, die bereit sind Kinderlieder so zu spielen, wie Ihr es macht?

Antwort: Ich wollte lebenshungrige Leute haben, die Spaß daran haben, das Kind in sich leben zu lassen. Diese unbeschwerte Leichtigkeit ist es, die unsere Band ausmacht. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, dass die Leute nach zwei Stunden Konzert auch etwas von uns mitnehmen und dann auch unbeschwerter sind.

Frage: Macht Ihr die Musik inzwischen hauptberuflich oder geht jemand von Euch noch einer geregelten Arbeit nach?

Antwort: Donikkl und die Weißwürschtl ist unser Job, unser Beruf. Der eine ist noch Musiklehrer, der andere hat ein Veranstaltungsbüro. Auch geben einige Seminare in Kindergärten. Ich bin aber Vollzeit-Donikkl.

Frage: Was ist Euer Erfolgsrezept?

Antwort: Dass wir nur das machen, was uns Spaß macht. Ein Geheimrezept gibt es nicht. Das Fliegerlied war reiner Zufall.

Frage: Das gibt es aber schon seit 2001...

Antwort: Seit dem ersten Konzert spielen wir das, immer zum Schluss. So wie die Stones "Satisfaction" spielen müssen, weil sie sonst von der Bühne geprügelt werden, spielen wir das Fliegerlied. Und es macht jeder mit. Ob klein oder groß, ob Bänker oder Punker, alle nehmen sich an der Hand und tanzen mit. Schon damals haben die Leute immer gesagt: Das gibt es ja nicht, dass Eure Musik so verbindend ist.

Frage: Eure Musik ist sehr kompatibel, ihr habt Zuhörer von zwei bis zum Rentenalter. Was unterscheidet Eure Kinderliedermix vom herkömmlichen Kinderlied?

Antwort: Sämtliche Kinderliedermacher haben eine Zielgruppe von drei bis sieben Jahren und schneiden ihre Lieder darauf gezielt zu. Wir machen aber das, was uns gefällt, aber auch auf Kinder zugeschnitten, damit sie mittanzen und mitsingen können.

Frage: Und ganz nebenbei vermittelt ihr den Kindern auch noch einen guten Musikgeschmack, oder?

Antwort: Reinhard May, der auf einem Stuhl sitzt und mit seiner Nylongitarrenseite Lieder über die schöne heile Welt singt. So stellt man sich Kindermusik vor, ist sie aber nicht. Kindermusik ist Gott sei Dank auch laut und wild und da sind wir halt die "jungen Wilden". Dadurch sind wir vielfältig und sprechen damit auch Erwachsene an, die gerne Reggae oder Ska hören. Aber ein ganzes Reggae-Konzert alleine wäre ja auch langweilig.

Frage: Dennoch: Schaut Ihr manchmal nicht auch neidisch auf Rockbands, die ganze Stadien füllen?

Antwort: Naja, nächstes Jahr feiern wir unser Zehnjähriges im Zirkus Krone, wo auch schon ACDC gespielt hat. Außerdem spielen wir auch an Orten, wo sonst ein Kinderliedermacher nie spielen würde und haben darunter auch Auftritte vor 5000 Leuten. Wenn dann nach dem Konzert der 16-jährige Rasta mit seiner fünfjährigen Schwester kommt und ein Autogramm will und jeder findet uns cool, dann ist das super. Was will man mehr?

Frage: Wann kommen denn die besten Einfälle?

Antwort: In der Dusche. Nur - ich sollte vielleicht öfter duschen? Im ernst: Ich hab praktisch keine Freizeit mehr. Und wenn ich daheim bin, dann zu 100 Prozent für meine Familie, immerhin habe ich auch zwei kleine Kinder mit zwei und fünf Jahren.

Frage: Ihr initiiert auch Hilfsprojekte für Kinder. Worum handelt es sich dabei?

Antwort: Zum einen unterstützen wir den Verein für krebskranke und körperbehinderte Kinder in Regensburg, wo wir am Freitag das Elternhaus eröffnen, neben der Klinik, wo praktisch die Eltern von krebskranken Kindern kostenlos wohnen dürfen. In Liberia helfen wir auch noch bei einem Schulprojekt in einem durch den Bürgerkrieg sehr zerrütteten Gebiet mit.

Frage: Wenn Du in 20 Jahren Bilanz ziehst: Was möchtest Du dann am liebsten von Dir oder über Dich sagen können?

Antwort: Dass ich ehrlich mit mir selber war und mit den Leuten da draußen. Es gab Zeiten, in denen wir jedes Jahr einen großen Plattenvertrag abgelehnt haben. In der Fliegerliedzeit waren wir zwar exklusiv bei Sony und sind hofiert worden wie Stars. Doch nach einem Jahr haben wir uns entschieden, ohne Plattenfirma weiter zu machen. Jetzt machen wir das, was uns Spaß macht und sind ganz nah an den Leuten, authentisch und ehrlich. Auch deswegen spielen wir nur Familienkonzerte. Uns wird man nie auf dem Ballermann oder beim Aprés Ski sehen oder gar im Bierzelt, wenn nicht gerade Kindertag ist. Wir waren immer schon sehr alternativ und machen nicht das, was die großen Konsum-Mainstream-Leute verlangen, sondern das, was uns Spaß macht - und das merken die Leute auch. Wir haben auch die Auftritte auf dreimal in der Woche reduziert und nicht mehr neun Konzerte in zehn Tagen. So wollen wir unsere Frischheit bewahren. Wir sind schließlich auch immer noch aufgeregt, wenn wir auf die Bühne treten.

Frage: Ihr seid immer noch aufgeregt? Nach so vielen Auftritten?

Antwort: Das musst du sein. Wer sagt, er sei nicht aufgeregt, der lügt oder ist fehl am Platz.

je/Neumarkter Anzeiger

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