Fünf-Liter-Auto aus den 60ern

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Christoph Dobmeyer mit seinen beiden Goggomobilen: Das weiße Modell stammt aus der wilden 68er-Jahren, das graue ist Baujahr 1967.

Neumarkt-St. Veit – Dass ein Auto durchaus auch mit weniger als fünf Litern Benzin auskommen kann, haben die Glaswerke in Dingolfing vor über 50 Jahren schon erkannt, als sie das Goggomobil erschaffen haben.

Der Neumarkt-St. Veiter Christoph Dobmeyer besitzt gleich zwei dieser kleinen Flitzer, die in den 50er- und 60er-Jahren den Siegeszug angetreten haben.

Sparsamkeit prägte die Zeit nach dem Krieg. Das schlug sich auch bei der Motorisierung des Goggomobils nieder: 14 Pferdestärken, 250 Kubikzentimeter Hubraum, ein gebläsegekühlter Zweizylinder-Zweitaktmotor. Und das beste: Man durfte das Fahrzeug als Inhaber eines Motorradführerscheins der Klasse 4 fahren. "Das war das Erfolgsrezept dieses Wagens, der damit das gefragteste Automobil in den Nachkriegsjahren wurde", weiß Dobmeyer über die Historie und Fahrzeugdaten bestens bescheid. "Doch die 3500 Mark waren damals schon eine Stange Geld."

Klar, mit knapp 70 Stundenkilometern Spitze waren keine Geschwindigkeitsrekorde möglich, "doch immerhin wurde man nicht nass", verteidigt Dobmeyer seine beiden Schmuckstücke.

Auch wenn die Fahrzeuge ein besonderes Benzingemisch benötigen: Mit nur fünf Litern auf 100 Kilometern können die Oldtimer verbrauchstechnisch durchaus mit den modernsten Autos mit Einspritzermotoren mithalten. "Allerdings darf man nie vergessen, beim Abstellen den Bezinhahn zuzudrehen, sonst säuft der Motor ab. Das ist wie beim Moped", grinst Dobmeyer.

Zunächst als finanzierbares Auto für die Familien, die in den Nachkriegsjahren allmählich mehr Geld in der Tasche hatten, war das Goggomobil später für die Mittelschicht das passende Zweitfahrzeug für die Ehefrau, erzählt Dobmeyer. Sportliche Varianten liefen vom Band, später auch als Cabrio-Version.

Er sei schon immer ein Fan dieser kleinen Gefährte gewesen. Vor 23 Jahren hat er sich das 68er-Modell gekauft, erst vor fünf Jahren auch den grauen Flitzer, Baujahr 1967. Weltweit, so schätzt er, tuckern wohl nur noch 1000 Goggos umher.

"Es hat mich immer schon fasziniert, mit wie wenig ein Auto auskommen kann", erklärt er seine Liebe zu den Mini-Boliden, die in den Wirtschaftswunderjahren auf die Welt kamen. So war das Urmodell des Goggomobils, das von 1955 bis 1969 produziert worden war, noch ein Minimalauto ohne jeglichen Komfort. Erst 1957 gab es einen zweiten Scheibenwischer und Kurbel- statt Schiebefenster. Die roten Kunstledersitze gaukeln in beiden Wagen den Komfort nur vor. Tatsächlich ähnelt das spartanisch gehaltene Inventar einem Autoscooter, in einem der Wagen befindet sich immerhin noch ein Autoradio. Eine Lüftung oder gar eine Heizung? "Das war Luxus, ebenso wie die Sonnenblende, die erst später dazu kam", meint Dobmeyer schulterzuckend, der seine Wagen nur bei schönem Wetter fährt. Denn: "Bei Regen beschlägt sofort die Scheibe", verrät er.

Auf der anderen Seite beschreibt Dobmeyer das Goggomobil aber auch als ein sehr robustes Auto: "Da brauchte man keine Werkstatt, ein Schmied reichte." Ersatzteile heute zu bekommen ist kein Problem. "Es gibt Händler, die haben sich darauf spezialisiert. Man bekommt alles, vom Blinkerglas bis zum Wischerblatt. Doch hat das natürlich auch seinen Preis."

Ein Blick in den Innenraum der beiden Goggomobile verrät: Der Besitzer liebt die Details. An der Heckscheibe liegt dekorativ eine österreichische Straßenkarte aus den 60er-Jahren. Vorne am Armaturenbrett ist Blumenschmuck angebracht. "Das war damals so üblich", erklärt Dobmeyer.

Gemütlich mag es also der Neumarkt-St. Veiter, er braucht keine PS-starke Limousine, genießt nach wie vor die Ausflugsfahrten mit seinen hochglanzpolierten Mini-Vehiklen, wenngleich er zugibt: "Am liebsten auf Nebenstraßen. Denn mit 70 Sachen ist man auf der Bundesstraße dann doch eher ein Verkehrshindernis." Dafür aber ein äußerst sparsames.

je/Mühldorfer Anzeiger

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