Der Neumarkter "Hundepapa"

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Siegfried Schenk mit einer kleinen Dalmatiner-Hündin.

Neumarkt-St. Veit - Siegfried Schenk und seine Frau Karin haben sich mit ihrem Gnadenhof für in Not geratene und alte Hunde einen Lebenstraum erfüllt.

Derzeit leben sie mit rund 40 Vierbeinern auf dem 6500 Quadratmeter großen Gelände in Blindenhaselbach. Hunde aller Rassen und Altersklassen haben auf dem Gnadenhof ein neues Zuhause gefunden und jeder von ihnen hat seine ganz eigene Geschichte.

Schwer misshandelte, traumatisierte Hunde, alte, kranke und schwache, solche, die als gefährlich eingestuft wurden und deswegen bereits vor der "Todesspritze" standen, verwahrloste Hunde oder schlichtweg ausgesetzte Vierbeiner, die einfach keiner mehr haben wollte: Ihnen allen geben Karin und Siegfried Schenk die Möglichkeit endlich ein "würdiges Hundeleben" zu führen.

Siegfried Schenk war Zeitungsdrucker. Als er Mitte der 90er Jahre seinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste, brach für ihn eine Welt zusammen. Die Familie stand vor dem Nichts. "Du hast drei schulpflichtige Kinder und weißt nicht, wie es weitergehen soll. Das war eine schwere Zeit", erinnert sich Schenk. Dann sei die Idee gereift, eine Tierpension zu bauen. Diesen Plan änderte man dann - auch aus Gründen der Umsetzbarkeit - schnell dahingehend, dass man sich auf Hunde spezialisierte. 2001 war die Tierpension fertig und konnte in Betrieb gehen. Zu Beginn haben die Schenks viel mit Tierschutzverbänden zusammengearbeitet, die ihnen Hunde zur Unterbringung und Pflege auf Zeit gebracht haben, bis diese eventuell weiter vermittelt werden konnten. "Ich weiß noch, an einem Sonntag, da haben sie mir 28 auf einen Schlag gebracht." Viele von diesen Hunden seien krank gewesen. Bis zu fünfmal am Tag mussten die Schenks in dieser Zeit zum Tierarzt fahren, "nur um die Erstversorgung der armen Hunde zu gewährleisten." Auf diese Weise hat sich Siegfried Schenk aber auch ein fundiertes tiermedizinisches Wissen angeeignet. Davon profitieren die Hunde heute täglich.

Urlaub ist für Schenks ein Fremdwort

Seit 2005 betreiben die Schenks einen reinen Gnadenhof, der sich von der Weitervermittlung gelöst und rein auf die Betreuung alter und in Not geratener Hunde spezialisiert hat. Siegfried Schenk und andere Tierfreunde aus der Region haben zu diesem Zweck auch einen offiziellen Verein gegründet, der sich auf die Fahne geschrieben hat, die Versorgung der Hunde zu optimieren. Dass der Verein mittlerweile nicht nur als gemeinnützig, sondern auch als besonders förderungswürdig eingestuft und anerkannt wurde, macht Siegfried Schenk besonders stolz.

"Ich lege Wert darauf, dass unsere Hunde gut untergebracht sind. Unsere Zwinger sind so groß, dass selbst die größten Hunde darin herumlaufen und fangen spielen können." Bei den Schenks muss kein Hund auf kaltem Boden schlafen. Rund 200 Decken und unzählige Matratzen haben sie im Einsatz, die regelmäßig ausgetauscht werden.

Das Ehepaar Schenk ist rundum für die Hunde da. "Sie sind wie meine Kinder", sagt Siegfried Schenk, "Ich sag' immer, ich hab drei eigene und 40 andere Kinder." 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr, sind Karin und Siegfried Schenk für ihre Hunde da. Seit die Schenks sich zu diesem Schritt entschieden haben, gab es für sie weder Sonn- noch Feiertag. An einen ausgedehnten Urlaub sei gar nicht zu denken. "Sicher, wir müssen auf vieles verzichten", meint Siegfried Schenk, "Aber für unsere Hunde machen wir das gerne. Wenn es ihnen gut geht, dann geht es uns auch gut."

Der Tag der Schenks beginnt um 5 Uhr morgens. Dann werden die ersten Hunde nach draußen gelassen. Wenn diese ihren Auslauf hatten, dann kommt die nächste Gruppe dran und so weiter. Auf diese Weise stellen die Schenks sicher, dass alle Hunde dieselbe Zeit an Auslauf bekommen. Unvorhersehbare Tierarztbesuche sind an der Tagesordnung und gerade jetzt nach dem Winter gibt es auf dem großen Gelände jede Menge zu tun. Zäune sind zu erneuern, Löcher zuzuschütten, Wege zu begradigen.

Neben dem täglichen Auslauf dürfen natürlich auch die Streicheleinheiten für jeden der 40 Hunde nicht fehlen. Jeder Hund auf dem Gnadenhof erfährt viel Zuwendung und Ansprache. "Wenn Sie wissen wollen, wie es einem Hund wirklich geht, wie es in ihm aussieht, dann müssen Sie ihm nur in die Augen schauen. Denn die sind der Spiegel seiner Seele", sagt Siegfried Schenk.

Pro Monat 150 Dosen Hundefutter nötig

Rund 1000 Euro brauchen die Schenks im Monat um ihre 40 Hunde zu verköstigen: 150 Dosen Hundefutter, 60 Futtersäcke je 15 Kilogramm. Von einer großen Supermarktkette bekommen die Schenks einmal die Woche eine Autoladung voll Obst und Gemüse, das sie an die Hunde verfüttern und eine Metzgerei bei Velden sponsert Fleisch und Wurst.

Dazu kommen Tierarztrechnungen und die Kosten für Medikamente. Manche Hunde brauchen täglich ihre Medizin, andere nur alle zwei Tage. "Das alles geht ins Geld", sagt Siegfried Schenk.

Siegfried Schenk würde sich wünschen, dass zumindest eines seiner Kinder einmal den Gnadenhof übernimmt und damit sein Lebenswerk und das seiner Frau fortsetzt. "Aber bis wir zwei uns hier zurückziehen, dauert's hoffentlich noch ein Weilchen", meint er. alx

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