Glasfaser wäre die Optimallösung

Neumarkt-St. Veit - Schnelleres Internet, vor allem in den Außenbereichen von Neumarkt-St. Veit: Das fordern schon lange die unterversorgten Neumarkter Bürger.

Breitband - in Neumarkt-St. Veit selbst gibt es bereits schnelles Internet. Der Netzknoten befindet sich zentral gelegen, bis zu einer Entfernung von zwei Kilometern davon seien Bitraten von sechs bis 16 Megabit pro Sekunde möglich, erklärte Himmelstoß. "Mit zunehmender Kabellänge nimmt die Qualität der Verbindung jedoch ab", erklärte der Ingenieur.

Bis drei Kilometer Entfernung seien immer noch ein bis zwei Megabit möglich, alles, was in Bereichen darüber hinaus liegt, sei jedoch von DSL abgeschnitten. Orte also wie Oberndorf oder Frauenhaselbach, während sich Elsenbach noch im Bereich der schnellen Verbindung befinde und Sägmühle im Osten die Grenze bilde.

Im Zuge der nun anstehenden Kanal- und Wasserleitungsbaumaßnahmen in Blindenhaselbach böte sich ein Verlegen von Leerrohren an, die später einmal für Leitungen genutzt werden könnten, zumal teilweise in den Außenbereichen Kabelverzweigungen vorhanden seien, so Himmelstoß weiter.

Doch das sei mit hohen Kosten verbunden. Bürgermeister Erwin Baumgartner warf ein, dass die Rohre über ein sogenanntes Einpflügverfahren verlegt würden, ein drittes Rohr, ein Leerrohr, sei über dieses Verfahren nicht möglich.

Alternativ könnte die Stadt aber auch die bereits bestehenden Glasfaserkabeln an den Hochspannungsleitungen der Eon nutzen, die im nördlichen und östlichen Gemeindebereich verlaufen. Dafür würden jedoch Mietkosten anfallen, pro Meter Kabel ein Euro Miete im Jahr, "das läppert sich", warnte Himmelstoß.

Mit Einschränkungen sei auch die Nutzung von Mobilfunknetzen möglich, fuhr der Ingenieur fort. Übertragungsraten von bis zu 7,2 Megabit seien über UMTS möglich. Umstellungen seitens der Betreiber seien die Voraussetzung, doch seitens der Telekom oder Vodafone sei in dieser Hinsicht nichts geplant, um den nördlichen Teil Neumarkts zu erschließen.

Auf Nachfrage von Ulrich Geltinger (SPD) nach einer Satellitenlösung, erwiderte Himmelstoß, dass auch diese Technik funktioniere. Je nach der Menge der Teilnehmerzahl verlöre aber das Signal zunehmend an Stärke, berichtete Stadtrat Reinhard Fuchs (CSU) von ersten Versuchen nach diesem sogenannten "Shared Media"-Verfahren.

Auch die Möglichkeit der "digitalen Dividende" sprach Fuchs an. Darunter versteht man das Angebot zur Nutzung der durch die Digitalisierung des Rundfunks frei werdenden Frequenzen für den Breitband-Internetzugang. Himmelstoß meinte dazu, dass die Kapazitäten des Rückkanals für sogenannte Uploads begrenzt seien. Die Möglichkeit über Funk, wie es die Firma Televersa anbietet, will man prüfen.

Diskutiert wurde auch die Nutzung von Leerschächten bei der Deutschen Bahn, die offensichtlich bereits mit Glasfaser ausgestattet sind. Diese Variante nutze bereits in anderen Regionen der Anbieter Vodafone, so Himmelstoß, der die Glasfaser grundsätzlich als hochwertigste Lösung im DSL-Bereich nannte.

Die allerdings ist zugleich die teuerste, wenn auch langfristigste Variante. Himmelstoß rechnete vor, dass alleine die Versorgung von Gemeindeteilen bis Hörbering mit Ausgaben in Höhe von etwa 100000 Euro verbunden sei. Der Norden - etwa Frauenhaselbach - wäre aber immer noch nicht versorgt.

Auch die Möglichkeit über Richtfunk sprach Himmelstoß an, die mit einer Bitrate von sechs Megabit im Stadtbereich funktioniere, aber eben nur im Stadtbereich. Von Vorbehalten der Bevölkerung ganz zu schweigen.

Ins Spiel gebracht wurde schließlich die Technik der Firma Mvox, die schnelles Internet anbietet, dafür bestehende Kupferkabel der Telekom nutzt und schnelles Internet bis zu einer Entfernung von zehn Kilometern sicherzustellen verspricht. Über diese Technologie bestünden derzeit noch keine echten Erkenntnisse über deren langfristige Funktionalität. Außerdem: "Die Technik funktioniert nur innerhalb des entsprechenden Vorwahlbereichs", schränkte Himmelstoß ein.

Das heißt, zur Umsetzung auch in den Bereichen mit anderer Vorwahl ist man auf interkommunale Zusammenarbeit, in diesem Fall Massing, Gangkofen und Bodenkirchen, angewiesen. Hauptverteiler müssten dazu in den jeweiligen Gemeinden aufgebaut werden (Kosten: jeweils 25000 Euro), dazu entsprechend viele Nebenverteiler, die laut Himmelstoß mit etwa 18000 Euro zu Buche schlagen würden. Die anwesenden Bürgermeister dieser Gemeinden signalisierten grundsätzliche Kooperationsbereitschaft.

Zwar stellte Himmelstoß eine Förderung seitens der Staatsregierung in Höhe von 70 Prozent in Aussicht, diese wären aber nur einmalig der Fall. Sprich: Würde die Stadt danach in einen weiteren Ausbau investieren, würden keine Zuschüsse mehr zu erwarten sein. Weil die Technologie noch nicht erprobt sei, riet der Referent aber, das nächste halbe Jahr abzuwarten.

Der Stadtrat befolgte diesen Rat, will zunächst noch andere Varianten prüfen und abwarten, in welche Richtung sich letztlich die Nachbargemeinden entscheiden.

je/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © dpa

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