Glasfaser gibt es nicht für 19,95

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Alle ziehen an einem Strang - aber jeder in eine andere Richtung: Diesen Eindruck erweckte die ergebnislose Diskussion um die Breitbandversorgung mit Dr. Helmut Steininger von der Regierung von Oberbayern , Bundestagsabgeordneten Stephan Mayer, Lorenz Bögle von der Telekom und Herbert Klotz von Mvox (von links).

Erharting - 97 Prozent der deutschen Haushalte verfügen laut Bundesregierung bereits über schnelles Internet mit einer Bandbreite von mindestens einem Megabit - nicht so in den Landkreisen Mühldorf und Altötting.

Unter den verbleibenden unterversorgten drei Prozent sind auch viele Gemeinden aus den Landkreisen Mühldorf und Altötting, deren Vertreter bei der Diskussion im Gasthaus Pauliwirt ihren Unmut äußerten.

Grund der Versammlung, die der Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer einberufen hatte: Der Ausbau stockt, weil es offensichtlich zu große Dissonanzen zwischen der Telekom und weiteren Anbietern, in diesem Fall die Firma Mvox, gibt. Verträge zum Ausbau könnten deswegen nicht eingehalten werden, es fehle ein Ansprechpartner oder das Interesse zum Ausbau, wie die Bürgermeister unisono kritisierten. Zumal sie diejenigen seien, die dann die Prügel seitens der Bevölkerung einstecken müssten, wie Neumarkts Bürgermeister Erwin Baumgartner vielen seiner Kollegen aus der Seele sprach.

Ohne Schaltverteiler kein Breitband

Lorenz Bögle von der Deutschen Telekom machte keinen Hehl daraus, dass seine Firma den Ausbau nur dort forciere, wo sich dieser auch rentiert. Das Hauptziel sei die Erschließung mit Glasfaser. Dort, wo dies nicht möglich sei, seien auch andere Anbieter gefordert ihre Technologie einzusetzen. Klar reguliere die Bundesnetzagentur, welche technischen Voraussetzungen die Telekom dann für andere Anbieter schaffen müsse. "Wir enthalten keinem Mitbewerber die Technologie vor."

Doch genau in diesem Punkt setzt die Kritik von Herbert Klotz, Vorstand von Mvox, an. Seine Firma hat zum Ausbau der Breitbandversorgung via Kupferleitungen der Telekom bereits viele Verträge mit Kommunen abgeschlossen. Doch die Realisierung lässt auf sich warten, weil oftmals die technischen Voraussetzungen aufgrund von fehlenden Schaltverteilern nicht vorhanden sei. Dafür sei die Telekom zuständig und Bögle machte auch klar, dass die Telekom die Verteiler dort anbringe, wo sie sie als für sinnvoll erachte.

Offensichtlich ist das aber in Unterreit nicht der Fall, wie Bürgermeister Gerhard Forstmaier monierte. Seit einem Jahr wartet seine Gemeinde auf die schnelle Datenautobahn. Die Hoffnungen ruhten auf Mvox. Doch passiert ist bis heute nichts. Kein Bewilligungsbescheid seitens der Regierung von Oberbayern, keine Reaktion von Mvox. "Wir verdursten in der Wüste." Nicht die einzige Gemeinde, der es so geht, davon zeugten weitere Wortmeldungen.

Klotz gab zu, dass seine Firma blauäugig gewesen sei, weil sie bei Vertragsabschluss die technischen Voraussetzungen vielerorts nicht gekannt habe. In Unterreit, wie in vielen anderen Gemeinden auch, sei es nun so, dass zusätzliche Schaltverteiler und Glasfaserleitungen verlegt werden müssten, die den Ausbau verteuerten. Die Folge: es ist eine neue Ausschreibung erforderlich.

Dr. Helmut Steininger von der Regierung von Oberbayern begründete das Zurückhalten von Förderungsbescheiden mit der Skepsis gegenüber der Mvox-Technologie. "Mvox hat Angebote abgegeben, ohne zu wissen, ob es funktioniert. Das ist ärgerlich, weil Hoffnungen geweckt wurden und jetzt die Gemeinden wieder bei Null anfangen müssen", kritisierte Bernhard Amler von der Regierung von Oberbayern.

Klotz reichte den "Schwarzen Peter" weiter an die Bundesnetzagentur, die Raten bis zu 50 Megabit versprochen habe, ohne sich Gedanken zu machen, wie diese in der zweiten Ausbaustufe umzusetzen sei. Kurzfristig ließe sich die Grundversorgung (ein bis zwei Megabit) verwirklichen. Was darüber hinaus geht, werde schwierig, wie auch Bögle feststellte. Eine Alternative stelle die neue LTE-Technik dar, so Bögle, die auf frei gewordene Funkfrequenzen basiere. Nachteil: Je mehr Nutzer, desto langsamer wird die Verbindung.

Die paradoxe Situation brachte Alfons Mittermaier, Dritter Bürgermeister von Taufkirchen, auf den Punkt: "In den Städten zahlen die Nutzer weniger für eine bessere Leistung", die Politik müsse Lösungen präsentieren, "damit wir auf dem Land nicht absaufen". Die Gemeinde sei für den Ausbau nicht zuständig und könne diesen auch nicht leisten, "doch der Bürger erwartet es".

Bögle konterte: "Glasfaser gibt es nicht für 19,95." Lange Wege auf dem Land, spiegelten sich auch im Preis für schnelles Internet wider. Herbert Klotz ergänzte dazu: "Die Telekom verlegt Glasfaserleitungen, wenn ein Unternehmer bereit ist 140 bis 500 Euro im Monat zu zahlen." Viele aber seien dazu eben nicht bereit.

Ernüchterndes Ergebnis

Kopfschütteln dann, als Mettenheims Bürgermeister Stefan Schalk davon berichtete, dass die Telekom zwar Glasfaser für eine Software-Firma im Ort verlegt habe, es aber nich für nötig erachte, die Gemeinde zu kontaktieren, um damit auch einen Gemeindeteil Mettenheims zu erschließen. Dass LTE-Standorte momentan dort errichtet werden, wo bereits DSL verfügbar ist, wie in Lohkirchen, konnte Oberbergkirchens Bürgermeister Michael Hausperger nicht nachvollziehen.

Das Ergebnis nach dreistündiger Diskussion: ernüchternd. Antworten auf die Frage nach der zeitlichen Umsetzung der Breitbandversorgung blieben die Protagonisten schuldig. Stephan Mayer appellierte an Telekom und Mvox auf mehr Kooperationsbereitschaft.

je/Mühldorfer Anzeiger

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