Frischzellenkur für US-Oldtimer

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Beruf, der gleichzeitig Leidenschaft ist. Norman Cantori ist ein Perfektionist, wenn es darum geht, Oldtimer wieder in den ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Seine Lieblinge sind amerikanische Muscle-Cars, er selbst fährt einen Ford Mustang aus den 60ern.

Neumarkt-St. Veit - Die guten alten Zeiten - für Norman Cantori ist das nicht nur eine Floskel. Er hat sich den "Old Times" verschrieben, weil sein Herzblut an den alten Autos hängt.

Besonders die Boliden aus Übersee haben es dem 33-Jährigen angetan, der als Restaurator alter Fahrzeuge weltweit gefragt ist.

Jahrelang rostete dieses 520er-Automatik-Modell von BMW auf einem Bauernhof vor sich hin. Vom alten Glanz war nichts mehr zu sehen, bis...

Mustang, Buick, Chevrolet - glanzvoll sind allenfalls noch die Namen der altehrwürdigen amerikanischen Schlitten, die zur Frischzellenkur nach Hörbering gebracht werden. Wenn aber der Karosseriebaumeister die Rostlauben erst einmal unter seine Fittiche genommen hat, verlassen die Fahrzeuge wie neu die Werkstatt. "Jedes Fahrzeug ist vollkommen neuwertig", versichert der Perfektionist in Sachen Restauration alter Fahrzeuge.

Seit sechs Jahren gibt es den Betrieb in Hörbering. Das Geschäft floriert, er hat nicht nur das Betriebsgelände vergrößert, sondern auch den Mitarbeiterstamm auf sechs Personen erweitert. "Unsere Auftragsbücher sind für die nächsten drei Jahre voll", verkündet Cantori stolz.

Stolz auch deswegen, weil seine Auftraggeber aus der ganzen Welt kommen. Amerikaner, die ihre alten Lieblinge zur Restauration im Container nach Deutschland schicken. Erst vor Kurzem hat Cantori einen Ford Mustang restauriert für einen Geschäftsmann aus Dubai. Den Motor vor Ort auf die klimatischen Bedingungen einzustellen - auch das gehört zu seinem Job, den der 33-Jährige ernst nimmt. Obwohl er zugibt: Es ist auch Leidenschaft, die ihn antreibt, um den alten Karosserien neues Leben einzuhauchen.

... Norman Cantori den Wagen komplett neu aufbaute und ihn somit zu neuem Leben erweckte.

Kreativ und bastelfreudig war Cantori immer schon. Als Zehnjähriger fuhr er Off-Road-Rennen, schraubte mitseinem Vater an Autos rum. Sein erstes Auto, das er wieder instandgesetzt hat, war ein Karmann Ghia, erinnert er sich. Nach der Ausbildung zum Schreiner folgte Cantori seiner Berufung, als er zu Porsche nach München wechselte und sich als Karosseriebauer ausbilden ließ. Binnen kürzester Zeit machte der Innungssieger seinen Meister und eignete sich ein fundiertes Fachwissen über Motoren und deren Technik an. Als er sich entschloss, sich selbstständig zu machen, genoss er bereits hohes Ansehen in der Branche.

Die Präzision, mit der er sich der Aufgabe stellt, um ein schrottreifes Auto wieder in die Originalzustand zu versetzen, ist faszinierend. Eine vermeintlich gut erhaltene Ford Cobra aus den 60ern gibt nach deren Zerlegung in ihre Einzelteile einen anderen Einblick frei. Korrodierte Stellen im Rahmen oder gespachteltes Flickwerk an den Kotflügeln: für Cantori kein Zustand.

Er baut die Lieblinge seiner Kunden neu auf, schweißt, wenn es sein muss, einen neuen Rahmen zusammen, fliegt in die USA, um Originalteile zu kaufen oder klopft diese selbst zurecht, wenn er sie nicht mehr auftreibt. Die meisten Autos baut er mit seinem Team um, doch er gibt auch Hilfestellung, wenn ein Kunde, der selbst gerne schraubt, nicht mehr weiter weiß oder ihm die finanziellen Möglichkeiten einer Restauration von Meisterhand fehlen. Denn: "800 bis 1000 Stunden Arbeit steckt in so einem Fahrzeug, bis es wieder in neuem Glanz erstrahlt", erzählt Cantori.

Viel Zeit auch deswegen, weil ihn die Liebe zum Detail antreibt. Bei der Restaurierung bleibt alles originalgetreu. Verbesserungen an Bremsen oder Fahrwerkskomponenten nimmt er zwar vor, ansonsten sollte die klassische Bauweise der Autos erhalten bleiben. Airbags in einem Mustang von 1968? Für Cantori undenkbar. Obwohl er zugibt, dass er schon mal eine Hifi-Anlage in einem Mustang verbaut hat. "Aber die war von außen nicht zu sehen."

"Fabrikneu" würde man meinen, wenn der Blick auf den sterlinggrauen Ford Mustang fällt. Helle Ledersitze, dazu ein chromblitzender Motor, an dessen Kühlerfront der aufpolierte Mustang galoppiert. "Der Motor ist genauso original wie der ganze Wagen", erzählt Cantori. Über 850 PS hat der Wagen, innerhalb von vier Sekunden von 0 auf 100. Er verhehlt nicht: Der Mustang ist sein persönliches Traumauto. Er selbst bestreitet damit Nostalgierennen, wenn es sein Terminkalender zulässt.

Einen bulligen Dodge, der in der Garage zu sehen ist, nennt er ebenso sein Eigentum: Die Amerikaner sind seine Vorliebe. "Die Autos von damals hatten ein Gesicht. Das kann man bei den Autos von heute nicht mehr behaupten."

Und so verändert er nicht viel am Aussehen dieser nostalgischen Gefährte, glättet lediglich die Falten, die die Jahre hinterlassen haben, und freut sich jedes Mal, wenn er das Auto seinem Besitzer zurückgibt. "Das verläuft jedes Mal sehr emotional. Denn hinter jedem Auto steckt eine Geschichte."

Wie bei jenem BMW von 1976, ein 520er-Automatik-Modell. "Der war noch nie abgemeldet, rostete jedoch auf einem Bauernhof vor sich hin. Ein Auto, das der Besitzer nie verkaufen würde und der sich auch bewusst darüber war, dass das Preis-Leistungs-Gefälle nicht im Verhältnis steht." Cantori und Co. bauten den Wagen komplett neu auf. Selbst die Originalfarbe durfte nicht fehlen: Phönix-orange. Wie Phönix aus der Asche scheint er auferstanden zu sein - so wie alle Fahrzeuge, die die Werkstatt von Norman Cantori verlassen.

je/Mühldorfer-Anzeiger

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