Baumgartner: "Fehler werden dir ewig vorgehalten"

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Seit zehn Jahren Schlossherr in Adlstein: Bürgermeister Erwin Baumgartner vor dem Eingangsportal seines Rathauses.

Neumarkt-St. Veit - Zu seinem zehnjährigen Jubiläum wünscht sich Bürgermeister Erwin Baumgartner wieder mehr Harmonie im Stadtrat.

Zehn Jahre ist es her, dass Bürgermeister Erwin Baumgartner sein Amtszimmer im Rathaus Schloss Adlstein bezogen hat. Der Schlossherr und Bürgermeister der Stadt Neumarkt-St. Veit zieht zufrieden Bilanz. Viel sei ereicht worden, doch finanziell werden die nächsten Jahre nicht leichter.

Haben Sie es schon einmal bereut, dieses Amt angenommen zu haben? Wie waren denn die ersten vier Wochen Ihrer Amtszeit?

Ich habe es noch nie bereut, dieses Amt angenommen zu haben. Es gibt natürlich auch Tage, die weniger Freude machen, aber insgesamt es ist ein tolles Gefühl, für Neumarkt-St. Veit etwas bewegen zu können. Die ersten vier Wochen waren natürlich noch geprägt vom Wahlkampf und der konstituierenden Sitzung, von der Forderung nach einem Dritten Bürgermeister und von der großzügig gewährten Schonfrist von 100 Tagen. Jedenfalls hatte ich den großen Vorteil, dass ich, aus der Verwaltung kommend, keine Einarbeitungszeit brauchte. Etwas eigenartig war die Umstellung vom Angestellten zum Chef.

Welche waren die drei wichtigsten Veränderungen, die in Ihrer Amtszeit in Neumarkt passiert sind?

Die drei wichtigsten Veränderungen sind die Verbesserungen im Verkehrsbereich, wie etwa die Spange, die Unterführung, der Bau der Umgehungsstraße und von Radwegen. Dann die Erweiterung des Sport- und Kulturangebotes, von Schlossgartenfest bis Weihnachtsgarten sowie von der Rollhockeybahn über das Sportheim bis zur kleinen Turnhalle. Und das bürgerschaftliche Engagement und die Kinderbetreuung, wie man es bei den Patenschaften, im Vereinsleben, beim Kinderhort oder der Kinderkrippe sieht.

Was war der erfreulichste Tag in Ihrer Amtszeit, welcher der schwerste?

Das Schönste war die Teilnahme bei der Prämierung unserer Schülerfirma als Bundessieger im Bundesgesundheitsministerium in Berlin. Auch der Zapfenstreich und das Feuerwerk zum Abschluss unserer 50-Jahr-Feier zur Stadterhebung - das ging unter die Haut. Der schwerste Tag im Beruf war die Beerdigung unseres Mitarbeiters Christoph Dobmeyer und im Privatbereich der Abschied von meinem Vater vor wenigen Monaten.

Welche wichtigste Erkenntnis haben Sie in den zurückliegenden zehn Jahren gewonnen?

Eine solche Aufgabe kann man nur übernehmen mit Rückhalt der eigenen Familie, aber nicht nur im Wahlkampf, sondern Tag für Tag. Man entwickelt Menschenkenntnis, man akzeptiert, dass es "menschelt", man merkt, dass für jeden sein Problem und Anliegen im Moment das Wichtigste auf der Welt ist. Man lernt aber auch zu unterscheiden von echten Freunden und Zwecksympathien. Man kann Erfolge und Leistungen am Fließband bringen, doch ein kleiner Fehler oder Misserfolg wird gnadenlos ausgebeutet und dir ewig vorgehalten.

Was hält die Zukunft bereit, zumal die Stadt nach Jahren des Schuldenabbaus aktuell wieder hohe Darlehen aufnehmen muss?

Im Moment häufen sich die Aufgaben und Ausgaben: Kanal- und Wasserbau, zwei große Feuerwehrfahrzeuge, Brunnenbohrung, Tegernbachbrücke, Kinderkrippe - das ist alles ein bisschen viel. Zu viel auf einmal, um es aus den laufenden Einnahmen finanzieren zu können. Wir sind aber dank der sparsamen und vernünftigen Haushaltsführung in den letzten Jahren noch gut dran. Ziel muss es sein, wieder auf diese Erfolgsspur zu kommen. Hier muss allerdings auch der Stadtrat in die Pflicht genommen werden und Disziplin zeigen. Ich würde auch gerne mehr fordern, ich muss es aber auch selber verantworten. Für die Zukunft gibt es noch viele Handlungsfelder, vom Radwegebau, Straßensanierungen, bis Stadtplatz-Neugestaltung und Umgestaltung des Badstraßenbereiches bis Vorsorge für die Senioren mit betreutem Wohnen, dessen Bedarf bei uns noch zu prüfen ist.

Gibt es eine dritte Amtszeit von Erwin Baumgartner? Welches Ziel möchten Sie noch erreichen?

Nach derzeitigem Stand würde sich noch eine dritte Amtszeit anbieten. Dies ist aber noch nicht entschieden. Was ich noch gerne erreichen möchte: Neumarkt-St. Veit in der Energiebilanz noch zu verbessern, eine der schönsten Ecken, den Badstraße-Kriegerdenkmal-Rott-Bereich, aufzuwerten. Und ein besonderes Anliegen: wieder mehr Harmonie im Stadtrat.

je/Mühldorfer Anzeiger

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