"Es war wie im Krieg"

Die freiwilligen Feuerwehrmänner kämpften vier Tage gegen das Feuer, das vermutlich Bodenspekulanten gelegt hatten. Geld bekamen sie für ihre Leistungen nicht, dafür die Dankbarkeit der Bevölkerung.

Erharting - Florian Schweiger (18) ist seit sieben Jahren Feuerwehrmann. Doch in Griechenland erlebte er nun den Einsatz seines Lebens. Vier Tage kämpfte er gegen die Feuerwalze.

Am Ende stand die totale körperliche Erschöpfung und die tiefe Dankbarkeit der griechischen Bevölkerung.

Florian Schweiger ist die Sorte Feuerwehrmitglied, die sich jeder Kommandant wünscht: Neben seinem aktiven Engagement in der Wehr liest der 18-Jährige nebenbei noch Feuerwehrfachmagazine, und selbst seinen Urlaub widmet er seiner Leidenschaft.

In einem dieser Magazine war er auch auf ein Angebot einer griechischen Organisation aufmerksam geworden. ESEPA, so deren Name, ist eine griechische Freiwilligengruppe, die sich um den Aufbau einer freiwilligen Feuerwehr und um Wiederaufforstung abgebrannter Wälder bemüht. Jeden Sommer veranstaltet die ESEPA ein Waldbrandcamp, bei dem Feuerwehrleute aus ganz Europa ihr Know-how an die Griechen weitergeben und im Gegenzug alles Wissenswerte über das Thema Waldbrände erfahren.

"Ich hab mich Anfang des Jahres angemeldet", erzählt der Erhartinger. Er entschied sich für die sogenannte Wachschicht 5, also die Zeit von 13. bis 27. August. Vom Termin her perfekt, am 1. September schließlich sollte die Ausbildung zum Metallbaukonstrukteur beginnen.

"Dass wir dann so einen Einsatz erleben, das war natürlich Glück", erzählt der Feuerwehrmann. Was ein Laie als Horrorszenario, als lebensgefährliches Abenteuer, schlicht als Alptraum bezeichnen würde, wurde für Florian Schweiger zum größten Kampf seines Lebens.

Bilder aus Athen

Waldbrände bedrohen Athen

Die erste Woche im Feuerwehrcamp im nordgriechischen Rezomata sei noch ruhig verlaufen, so Schweiger. Gemeinsam mit einigen Griechen, Deutschen, Österreichern und Holländern habe er Theorie gebüffelt, Einsätze trainiert, die teils arg veralteten Feuerwehrfahrzeuge der Griechen gepflegt und sogar den örtlichen Rettungsdienst unterstützt. "Wir haben im Fernsehen die Waldbrand-Situation verfolgt", blickt der Bayer auf seine ersten Camp-Tage zurück. Bis der Einsatzbefehl der Regierung kam.

Elf Stunden dauerte die 560 Kilometer lange Fahrt von Rezomata auf die Insel Evia. Die Vorfreude auf den Einsatz wich jedoch schnell dem blanken Entsetzen: "Wir kamen um 5 Uhr morgens an. Wir mussten sofort los. Es war wie im Krieg."

Die Strapazen sind ihm anzusehen: Florian Schweiger.

Zunächst hätten sie gar nicht gewusst, wo sie anfangen sollen. "Die Menschen waren verzweifelt. Einige haben alles verloren. Wir fuhren durch Gegenden, da stand kein Baum mehr." Dazu kamen die Eifersüchteleien der schlecht ausgebildeten und überforderten griechischen Berufsfeuerwehr vor Ort, schwer einzuschätzende Windverhältnisse und Wasserengpässe. "Es war eine brutale Erfahrung", rekapituliert Schweiger. In den vier Tagen seines Einsatzes schlief Florian Schweiger "nicht mehr als sechs bis sieben Stunden". Und: "Da hat man keinen Hunger, keinen Durst, da funktioniert man nur", erinnert er sich. Die Müdigkeit stecke ihm heute noch in den Knochen, vor allem in den Beinen, die vier Tage lang ungezählte Male bergauf und bergab laufen, klettern und schleppen mussten.

Pünktlich zu seinem Abflugtermin am vergangenen Donnerstag hatte es der Trupp tatsächlich geschafft, die Situation auf der Insel zu normalisieren. Die Dankbarkeit der Bevölkerung wog am Ende sogar die körperliche Erschöpfung auf. Der Bürgermeister spendierte den Feuerwehrmännern eine Nacht in einem Hotel ("Die erste Dusche nach vier Tagen!"), es gab für jeden eine Flasche Wein, und auf der Straße applaudierten und winkten die Menschen: "Das war unglaublich, ein tolles Gefühl."

Mittlerweile, wieder zurück in seiner Heimat, erholt sich Florian Schweiger von seinem Abenteuertrip nach Griechenland. Wie selbstverständlich verwendet er bei seiner Erzählung englische und an Kriegseinsätze erinnernde Vokabeln, spricht von Spotfire, Fußtruppen und Luftunterstützung. Ob er sich in den kommenden Wochen bei der Erhartinger Feuerwehr mangels Waldbränden und sonstiger Katastrophen denn nicht langweilen wird?

"Nein, um Gottes Willen, mir macht's doch auch so Spaß." Und den nächsten Adrenalin-Kick hat er schon in Planung: "Nächstes Jahr fahr ich wieder nach Griechenland ins Camp. Für mich ist das wie Urlaub."

zip/Mühldorfer Anzeiger

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