Erlebnisreiches Praktikum im Waisenhaus

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Am Strand bei Mombasa hatten Elisabeth Auer und die Heimkinder sichtlich ihre Freude beim Planschen im Wasser.

Niederbergkirchen - Elisabeth Auer hat knappe vier Monate lang als Praktikantin in einem Waisenhaus in Kenia gearbeitet. Nun berichtete die 20-Jährige in einem Bildervortrag von ihrem Abenteuer.

Liebevoll nennt Elisabeth Auer sie "Mammi und Daddy", genauso wie es die anderen Kinder in Wajibu-Wetu tun. "Mammi und Daddy", das sind George und Jane Kilonzo, das Ehepaar, das es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, Waisenkindern in Kenia zu helfen, ihnen ein neues Zuhause zu geben und ihnen ihr kindliches Lachen wieder zu schenken. In diesem Waisenhaus hat Elisabeth Auer aus Niederbergkirchen knappe vier Monate lang als Praktikantin gearbeitet.

Im Niederbergkirchener Pfarrheim berichtete die 20-Jährige in einem Bildervortrag über ihre Erlebnisse und Erfahrungen. Und es waren nicht nur zahlreiche Interessierte gekommen, sondern auch drei ganz spezielle Gäste: Mammi und Daddy, sowie deren ältester Sohn, der derzeit selbst als Praktikant in Deutschland ist.

Elisabeth Auer führt einen Kartoffelschäler vor. Für uns ein ganz normaler Gebrauchsgegenstand des Alltags. Für die Kinder in Wajibu-Wetu eine Besonderheit, die sie bis dato nicht kannten.

Das "Abenteuer Afrika" begann im Oktober 2010. Nach elf Stunden Flug kam Elisabeth Auer in Nairobi an; angespannt und aufgeregt: "Man weiß ja nie, was einen erwartet, welche Leute man trifft." Aber dann "war ich so erleichtert, als Mammi und Daddy mich so herzlich begrüßt und aufgenommen haben. Da habe ich mich gleich ein Stückchen sicherer gefühlt", erinnert sie sich.

Das Kinderhaus liegt 20 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Eigentlich keine große Entfernung, könnte man als Europäer denken, doch "für diese Strecke haben wir zwei Stunden gebraucht. Die Straßen waren total verstopft."

Mit viel Witz erzählt Elisabeth Auer von ihren ersten Eindrücken, dem Verkehrsverhalten der Kenianer und ihrer Ankunft in Wajibu-Wetu: Anfangs sei es aber doch etwas schwierig gewesen, da sie Swahili, die Sprache, auf die man sich neben Englisch in Kenia geeinigt hat, noch nicht verstanden hatte. Zudem war sie die einzige Weiße im Haus. "Aber schon nach wenigen Tagen war ich so richtig angekommen", sagt sie.

In Wajibu-Wetu werden rund 30 Kinder betreut. Das Haus selbst ist für kenianische Verhältnisse sehr gut ausgestattet. "Auf den Fernseher sind sie da besonders stolz, das hat nicht jedes Waisenhaus." Seit letztem Jahr gibt es auch ein neues Küchenhaus mit Gasofen, das eine alte Kochstelle abgelöst hat, "aber leider ist Gas sehr teuer, und deswegen ist nicht immer welches da, also wird sehr oft mit Kohleofen gekocht."

Das Waisenhaus kann sich, was Nahrungsmittel betrifft in großen Teilen selber versorgen: "Gekocht wird aus dem eigenen Garten." Das bedeutet aber auch, dass es immer viel zu tun gibt. In Kenia ist vieles, was in Europa längst automatisiert ist oder von Maschinen übernommen wird, immer noch reine Handarbeit. So wird nicht nur alles per Hand gesät, gepflegt, geerntet und verarbeitet - mit einfachsten Küchenhilfsmitteln versteht sich.

Ein Kartoffelschäler zum Beispiel, in unseren Breiten fester Bestandteil eines jeden Haushaltes, war für die Kinder in Wajibu-Wetu eine Attraktion. "Jetzt streiten sie darum, wer damit schälen darf", grinst Elisabeth Auer.

Sie hat auch versucht ein Stückchen bayerische Kultur nach Kenia zu bringen. So hat sie den Kindern nicht nur bayerische Ausdrücke und Redensarten beigebracht, sondern auch Kartenspiele und ähnliches: "Das war immer wirklich lustig. Übersetz' mal "Schinterhans'n ziang" auf Englisch", lacht sie.

Sehr gerne erinnert sich Elisabeth Auer an das Weihnachtsfest in Afrika zurück. Zuerst sei sie etwas wehmütig gewesen. Doch auch in Kenia haben sich die Kinder im Haus schon Wochen vorher auf das große Fest vorbereitet und Dekorationen gebastelt. Und zum ersten Mal überhaupt gab es in Wajibu-Wetu für jedes Kind ein kleines Geschenk: "Es war einfach unglaublich zu sehen, wie sehr sich diese Kinder über ganz einfache Dinge, wie ein Paar Ohrringe oder Spielkarten freuen können." Zum einen war es bei 30 Grad Celsius das heißeste Weihnachten, das Elisabeth Auer bisher erlebt hat, zum anderen aber auch das schönste, sagt sie.

In ihrem Vortrag wurde aber auch eines ganz klar: Es gibt nicht nur immer glückliche und lachende Kinder. In der Region um das Waisenhaus herrscht viel Armut. Sie selbst hat einen Slum besucht, der direkt hinter einem Villenviertel beginnt, wo die Reichen ihre Pools im Garten haben.

Mehrere Kilometer lang, kein fließendes Wasser, keine sanitären Einrichtungen, Wellblechplatten, Wohnen auf engstem Raum - auch das ist Kenia. "Wir waren in einem Raum, da wohnen fünf Personen, mit einem Vorhang wird die Küche abgetrennt, mit einem anderen das Bett. Als dann die Tür zu war, war es dunkel wie in der Nacht, weil der Raum keine Fenster hat. Licht gibt es keins", schildert sie und führt den Zuhörern die andere Seite Afrikas, abseits von Touristenpfaden, Safaris, Nationalparks und Wildtieren vor Augen.

Mit dem Aufenthalt in Afrika hat sich die 20-Jährige einen Kindheits- und Lebenstraum erfüllt. "Ich wollte das schon immer und bin froh, dass ich es gemacht habe. In erster Linie wollte ich natürlich helfen, andererseits weiß ich heute, dass es auch für mich und mein Leben sehr hilfreich war."

Mammi und Daddy haben noch viel vor. Ein großer Umzug steht bevor. Für das Grundstück, auf dem sich das Waisenhaus derzeit befindet, müssen sie Miete bezahlen, deswegen sind sie auf der Suche nach einem größeren Platz, wo sie ein neues Haus bauen können. Eines, das dann ganz ihnen gehört.

"Irgendwann will ich auf jeden Fall wieder zurück.", sagt Elisabeth Auer. Das Lachen der Kinder, die Unbeschwertheit und die afrikanische Lebensfreude lassen sie nicht mehr los: "Wer das einmal erlebt hat, vergisst das nicht mehr."

alx/Neumarkter Anzeiger

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