Des einen Freud, des andern Leid

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Die Verkehrsader pulsiert - in Süd-Nord-Richtung (hier mit Blick auf Furth) mittlerweile nicht mehr vollständig im Ortszentrum bvon Neumarkt-St. Veit, sondern von der Statsstraße 2086 nach Mayerhof auf einem Teil der Umgehungsstraße. Die Anwohner in der Bahnhofsstraße sind darüber erleichtert, die Anwohner in der Jaudstraße bedauern die Lärmentwicklung.

Neumarkt-St. Veit - Seit 14 Tagen umfahren Lkw das nördliche Stadtgebiet auf der neuen Umgehungsstraße - manche freut's, manche nicht!

Die bisher so geplagten Bahnhofstraßler sollten eigentlich Erleichterungen spüren, während die Anwohner von Neumarkts Nordwesten den Verkehr nun nur 80 Meter hinter ihrem Grundstück haben. Welche Vor- oder Nachteile werden bereits wahrgenommen?

Sonja Heiß, die direkt am Kreisel an der Bahnhofstraße wohnt, spürt "eine große Erleichterung. Es ist nun manchmal schon möglich, bei offenem Fenster zu telefonieren oder fernzusehen". Lastwagen würden beim Wegfahren laut Gas geben oder beim Ankommen mit dem Motor bremsen. "Das schallt in unserer Straßenschlucht bis in die obersten Stockwerke, Erschütterungen sind im ganzen Haus zu spüren." Heiß berichtet davon, dass sie früher manchmal das Gefühl gehabt hätte, "die Brummis würden durch mein Friseurgeschäft fahren". Sie hofft darauf, dass die Umgehung noch besser angenommen wird.

Fritz Huber, der fast am anderen Ende der Bahnhofstraße eine Metzgerei betreibt: "Wir merken den nachlassenden Verkehr kaum, weil der große Parkplatz dazwischen ist, und nachts sind wir ja nicht im Geschäft. Der Ost-Westverkehr führt aber nach wie vor durch die Bahnhofstraße, auch der Schwerverkehr." Geschäftlich habe er bisher keine Einbußen zu beklagen, "weil ich ja wusste, dass die Umgehungsstraße einmal kommt".

Katharina Dietrich, wohnt genau in der Mitte der Bahnhofstraße, wo viele Autos "rasen": "Also viel spüren wir nicht von der Umgehung. Bei uns würde eine Erleichterung wohl erst zu spüren sein, wenn man die Raser von hier verbannen könnte." Brettert schon mancher Durchgangsverkehr ihrer Ansicht nach an dieser Stelle viel zu schnell und zu laut vorbei, so stören sie vor allem die abendlichen Rennfahrer, die über Stadtplatz, Birken- und Bahnhofstraße Rennen fahren. "Ja, und die Schlaglöcher verstärken den Lärmpegel ebenfalls über den ganzen Tag verteilt."

Die Leidtragenden der Umgehungsstraße sind offensichtlich die Anlieger im Gebiet der nördlichen Jaudstraße und der Alten Teisinger Straße. Obwohl der Verkehr nach der endgültigen Fertigstellung der Umgehung um ein Vielfaches stärker erwartet wird als bisher, meinen die Betroffenen, dass die Belästigungen durch Lärm und Scheinwerfer jetzt schon grenzwertig seien. Sie zeigen sich enttäuscht darüber, weil entgegen ihrem Wunsch der Erdaushub teuer entsorgt und nicht etwa als Material für einen höheren Dammbau verwendet worden sei. Auch wenn der fließende Verkehr die Häuser nicht erschüttert, wie in der Altöttinger und Birkenstraße, so hoffen die Betroffenen, dass die zuständigen Stellen noch rechtzeitig alle Maßnahmen ergreifen, damit die dereinst "paradiesisch" genannten Zustände in diesem Gebiet nicht zur Hölle auf Erden werden.

"Der Verkehrslärm stört Tag und Nacht ganz erheblich. Wenn die LKWs den Berg vom Fürstenweg runterkommen, dann meinen wir, Tiefflieger sind im Anflug", schimpft Rudolf Schaffer, der in der Jaudstraße wohnt. Schon die Bauarbeiter hätten ihm erklärt, sie hätten noch nie so nahe an einer Siedlung Umgehungsstraßen gebaut. Der Mindestabstand von 80 Metern sei "gerade eingehalten, aber nun hat man noch die Alte Teisinger Straße dazwischen gelegt". Deren Lärm beschreibt Schaffer als gewaltig. Seine Bitte richtet sich an alle Behörden, in diesem Bereich noch viel für den Lärmschutz zu tun. "Als wir die Grundstücke erwarben und nach der zu erwartenden Umgehungsstraße fragten, sagte man uns von der Stadt aus: ,Die Umgehungsstraße erlebt Ihr nicht mehr!` Wir waren zu gutgläubig."

Tina Frühwirt wohnt direkt an der Brücke, die die Alte Teisinger über die U 299 führt: "Unser Haus steht seit etwa 60 Jahren hier und man fragte uns erst gar nicht, weil wir keine direkten Anlieger zur Umgehungsstraße sind." Ein 20 Meter breiter Fichtenwald biete keinen Lärmschutz. "Wir hören jedes Auto. Das Straßenbauamt empfahl uns dreifach dicke Fenster! Wie soll das im Sommer gehen?" Im schönen Garten vor dem Haus helfe schließlich auch kein Fenster. Die Alte Teisinger Straße gehe schon immer an ihrem Haus vorbei, "aber die neue Brücke erlaubt es Rasern, Gas zu geben. Nachts würden deren Scheinwerfer die Zimmer hell erleuchten. Sie hofft, "dass wir wenigstens vom Lärm, der vom Berghang im Norden herüberschallt, irgendwie geschützt werden." nz

Mühldorfer Anzeiger

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