Eine Abenteuerreise durch Alaska

Langsam fließt der Kanektok-River in Alaska dahin. Da ist es auch möglich, dass sie vom Boot aus angeln.

Neumarkt - Marcus Voglsamer machte sich mit dem Ziel, Fische und Einsamkeit zu finden, auf eine Abenteuerreise durch Alaska auf. Der Urlaub sollte etwas ganz besonderes werden.  

Die Romantik Alaskas liegt tief in seiner Vergangenheit begraben. Viele Menschen erhofften sich Reichtum von den Goldschätzen in Amerikas nördlichstem Bundesstaat und stürzten sich in ein Abenteuer, das von Leid geprägt war. Auf der Suche nach Gold war Marcus Voglsamer (30) nicht. Er war auf der Suche nach etwas anderem: Fische und Einsamkeit. Mit seinem Bruder Thomas und den Freunden Bernhard Bauer, Dieter und Christian Müller war er zwei Wochen mit einem Boot auf einem Fluss in Alaska unterwegs.

Die fünf sind mit Leidenschaft Angler. Am Feierabend und an den Wochenenden geht es an die bayerischen Flüsse, die Angel ist immer mit dabei. Einmal im Jahr fahren sie gemeinsam in Urlaub und dabei liegt nichts näher, als dass sie ihr Reiseziel auf ihr Hobby abstimmen. Die Reise nach Alaska sollte ein ganz besonderer Urlaub werden: "Sonst waren wir mit dem Auto in Europa unterwegs. Aber wir haben uns gedacht: Solange wir ungebunden sind, wollen wir eine etwas andere Tour machen", erzählt Marcus Voglsamer. Spektakulär, aber möglichst einsam sollte die Reise werden. Und auch das Fischvorkommen spielte bei der Suche eine Rolle. "Alaska ist für die Lachsfischerei ein Mekka", erklärt er. Damit war schnell klar, wohin die Reise geht. Ein Bericht in einem Angelmagazin machte der Suche nach dem richtigen Fluss ein Ende: Der Kanektok-River im Westen Alaskas.

Ganz ohne Führer haben sie sich mit einem Wasserflugzeug an einen See - der Start ihrer Bootstour - fliegen lassen. Am Ufer stapelt sich das Gepäck: vier Zelte, zwei Boote, die Angelausrüstung, Verpflegung für zwei Wochen und die Kleidung. Zur Sicherheit haben sie ein Satellitentelefon bei sich. 14 Tage und 130 Kilometer auf dem Fluss liegen vor ihnen, bis zur Mündung in den Pazifik gibt es keine Siedlung, nur die Wildnis wartet auf sie. Das einzige Ziel: Pünktlich zum Treffpunkt mit dem Buschpiloten kommen.

Ein gemeinsames Erinnerungsfoto an einen Urlaub, den sie wohl nicht vergessen werden.

Nur ein einziges Mal treffen sie auf ein anders Boot. Grizzlys werden zu ihren ständigen Begleitern. "Natürlich haben wir uns anfangs informiert, wie man sich Bären gegenüber richtig verhält. Aber als ich den ersten Bären gesehen habe, ist mir doch das Herz in die Hosentasche gerutscht", erinnert sich Marcus Voglsamer. Die Bären stehen am Flussufer, streifen im Unterholz umher oder suchen nachts das Lager der Fünf auf. "Die Bären halten immer einen Abstand zu uns ein, sie sind aber auch neugierig", erzählt Marcus Voglsamer. Einmal tritt eine Bärenmutter mit ihren zwei Jungen nur wenige Meter von ihm entfernt aus den Gebüsch. "Wir standen gerade alle im Wasser beim Fliegenfischen und hatten uns in dem Moment nicht laut unterhalten. Die Bären hatte vermutlich zunächst nicht bemerkt, dass wir da sind." Bei den Begegnungen verlassen sie sich auf das richtige Verhalten, eine Waffe haben sie nicht dabei. Zur Verwunderung der Alaskaner, für die sie deshalb nur die "crazy germans" sind. Zu einer brenzligen Situation mit Bären kommt es nie.

Ihre Tage verbringen sie mit paddeln und fischen. Gemächlich schlängelt sich der Kanektok-Fluss durch die Tundra Alaskas. Sie haben für die Tour drei Tage länger geplant, um auch mal länger an einem Uferplatz bleiben zu können. Jeden Tag stehen die Fünf im Wasser oder am Ufer und angeln. In erster Linie ziehen sie Lachse und Saiblinge aus dem Wasser, sogar alle fünf pazifischen Lachssorten. Darunter auch einige Kapitale.

Zum Essen sind die nicht mehr geeignet und auch viele andere Fische landen wieder im Wasser. "Wir haben viel mehr gefangen, als wir essen konnten. Schließlich konnten wir wegen der Bären auch keine Essensreste im Zeltlager liegen lassen." Die Zeit auf dem Fluss ist entbehrungsreich, der einzige Luxus besteht darin, jeden Tag frischen Fisch essen zu können. Die Temperaturen des Flusses sind kalt, ein Lagerfeuer wärmt in den Abenstunden und Millionen von Mücken werden zur Plage.

Nach ihrem Urlaub ist ihnen das Angeln in den heimischen Flüssen nicht langweilig geworden. "Bei uns ist das Angeln eine andere Herausforderung. In Alaska kennen die Fische keinen Köder, entsprechend naiv sind sie. Bei uns besteht die Herausforderung darin, den Fisch zu überlisten."

Die Reise ist bei allen tief verankert, die Erinnerungen bleiben lebendig. "Für uns war das die Reise des Lebens. So etwas macht man nur einmal. Es war zwar schon vor zwei Jahren, aber wir reden immer wieder darüber", sagt Marcus Voglsamer. Ob sie noch einmal zu einem solchen Abenteuer aufbrechen, das weiß Marcus Voglsamer nicht. "Wir haben es uns fest vorgenommen."

hi/Mühldorfer Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Neumarkt-Sankt Veit

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser