Bürgerbefragung zur Windkraft

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Lohkirchen – „Ein Windrad bauen – gar nicht so einfach!“ Mit diesen Worten führte Georg Aimer, der mit Reinhard Retzer zu einem Infoabend zum Thema „Windenergie“ eingeladen hatte, in den Abend ein.

Max Schäfer von der Raiffeisen Waren-GmbH Erdinger Land RWG in Taufkirchen erläuterte die Gründe für den Bau einer Windkraftanlage. Neben den Fotovoltaikanlagen hätten Windräder den Vorteil der häufigen Verfügbarkeit des Windes. Er bezog sich auf Fakten des deutschen Wetterdienstes, dass auch in Bayern mit steigenden Windgeschwindigkeiten zu rechnen sei. Gängige Kleinwindkraftanlagen arbeiteten schon sehr effektiv bei einer Höhe von 30 Metern, wobei der Wind hier durch Höhenunterschiede in der Topografie beeinflusst werde, so Schäfer.

Niedrige Anlagen im Landkreis ungeeignet

Im Landkreis Mühldorf wäre kein Standort geeignet für niedrige Anlagen. Auch wären Kleinanlagen unter sechs Kilowatt nicht wirtschaftlich, Dachlösungen können wegen der turbulenten Luftbewegungen hier nicht funktionieren.

Rentabel zu betreiben seien Anlagen ab 50 Metern Höhe, hier wäre die Windgeschwindigkeit mit 3,5 bis 5,5 Metern pro Sekunde im Durchschnitt schon wesentlich stabiler, erläuterte Schäfer. Großwindkraftanlagen (GWK) mit einer Nabenhöhe von 150 bis 160 Metern dagegen könnten mit Windgeschwindigkeiten von durchschnittlich 6,5 bis 9 Metern pro Sekunde rechnen.

Die kleinste GWK im Sortiment der Firma Enercon, des europäischen Marktführers bei den Binnenlandanlagen, liefere 800 Kilowatt, hätte eine Masthöhe von 75 Metern und einen Rotordurchmesser von 53 Metern bei einer Drehzahl von zwölf bis 29 Umdrehungen pro Sekunde. Es sei für das menschliche Auge schwer feststellbar, ob ein Windrad 75 Meter mit einem 50-Meter-Rotor oder 140 Meter hoch mit einem 82 Meter großen Rotorblatt sei, so Schäfer zur Relation der Anlagen. Der Abstand zu bebauter Wohnfläche liege bei 350 bis 900 Metern, je nach Anlagengröße.

Schattenwurf für 24 Minuten hinnehmbar

Optimierte Rotorblattformen, bessere Dämmung und niedrigere Drehzahlen hätten in den letzten Jahren die Lärmbelastung sinken lassen. Hinzu komme, dass vorhandene Umgebungsgeräusche wie Wind, Waldrauschen oder Straßen die Geräusche von Windrädern vor Ort überlagern und sie somit kaum wahrgenommen würden.

Zum Schattenschlag informierte Schäfer die Zuhörer, dass dieser nur bei tief stehender Sonne auftrete. Laut Gesetzgeber sei er für 24 Minuten pro Tag hinzunehmen. Sämtliche Fragen aus der Zuhörerschaft nach dem organisatorischen und zeitlichen Ablauf beim Bau einer Windkraftanlage beantwortete der Referent anschließend kompetent.

Den Bauantrag zur Genehmigung stelle im Auftrag des Kunden die RWG mit der Beachtung des Natur- und Landschaftsschutzes, einem Bodengutachten, Emissionsschutz, Statik, Kartenmaterial und Flächennutzungsplan. Auch ein Windgutachten, der Netzeinspeisevertrag und der Bauantrag beim Landratsamt lägen im Aufgabenbereich der RWG. Die Laufzeit eines Windrades liegt derzeit bei zirka 20 bis 30 Jahren, Generator und Flügel müssten danach ausgetauscht werden.

Wegen der stetig steigenden Strompreise und der Vergütung von derzeit 8,9 Cent pro Kilowatt sei der Eigenverbrauch des Windstromes auf alle Fälle wirtschaftlicher, so Schäfer weiter. Beim Netzparallelbetrieb könne überschüssiger Strom in das öffentliche Netz verkauft werden. Eine große Windkraftanlage kostet derzeit komplett zwischen 1,1 und vier Millionen Euro.

Seinen Ausführungen nach würde sich der Betrieb einer GWK nach zehn bis elf Jahren amortisieren. Allerdings übernähmen die Banken eine Finanzierung nur bei nachgewiesener Wirtschaftlichkeit. In diesem Punkt brächten der Zusammenschluss mehrerer Landwirte oder eine Bürgerbeteiligung wesentliche Vorteile.

„Der Umweltgedanke und das Verständnis der Bevölkerung für die notwendige Umgestaltung unserer Energieversorgung im Hinblick auf die derzeitige Stromerzeugung durch Kernkraftwerke helfen mit, die Energiequelle Wind regional und umweltfreundlich auszubauen.“

Dieser Meinung war auch Reinhard Retzer, der in seinem Schlusswort die regionale Wertschöpfung beschwor. „Öl holen wir von weit her, verbrennen es, die Erträge gehen an die Produzenten. Wir sollten Energie regional erzeugen und das Geld in unseren Kreisen behalten.“ Die beiden Initiatoren der Veranstaltung, Aimer und Retzer, wollen nun auf Gemeindeebene eine Befragung über das Interesse an einer Windkraftanlage durchführen, wobei sie die große Teilnehmerzahl an der Infoveranstaltung schon auf eine positive Stimmung hoffen lässt.

edi/Neumarkter Anzeiger

Rubriklistenbild: © pa

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