Boandlkramer im Klosterhof

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Evi Eberherr (links) probt mit den Bewohnern der Außenwohngruppe in St. Veit. Isolde Klein (sitzend) Karl-Peter Pomp, Marga Pfab und Resi Dein (von rechts) freuen sich auf ihr Heimspiel in Neumarkt.

Neumarkt - St. Veit - Der Boandlkramer wird auch in Neumarkt-St. Veit nichts zu melden haben, wenn er am Sonntag, 13. September, zu Gast im Klosterhof von St. Veit ist.

Vom Brandner Kaspar mit Kerschgeist abgefüllt, wird er auch dann enttäuscht von dannen ziehen. Die Integrative Theatergruppe Ecksberg führt dieses Volksstück auf, mit dabei auch Bewohner der Außenwohngruppe Neumarkt.

"Ich bin bei der Wirtshausgesellschaft dabei und sitze vor einem Bierglas - das ist aber leider leer", schmunzelnd erklärt Isolde Klein von der Außenwohngruppe der Stiftung Ecksberg ihre Rolle, die sie am kommenden Sonntag bei der Aufführung im Klosterhof von St. Veit spielen wird. Im Trachtenanzug erscheint deshalb die 72-Jährige schon zu den letzten Stellproben, bevor am Sonntag um 19 Uhr "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben" aufgeführt wird. Die Integrative Theatergruppe der Stiftung Ecksberg führt dieses Stück auf, darunter auch einige Bewohner der Außenwohngruppe in Neumarkt. Und sie stehen nicht zum ersten Mal auf der Bühne. Stolz verkündet Isolde Klein, dass sie schon mit Mundharmonika, Ziach, Zupfbrett und Trommel aufgetreten ist. Sie verfügt also über ausreichend Theatererfahrung. "Dennoch ist man schon etwas nervös, wenn man dann auf der Bühne steht", gibt Resi Dein zu, eine der drei Engerl aus der Wohngruppe in Neumarkt. "Aber dann sieht man, dass es klappt und dann geht's schon". Das Lampenfieber sei dann wie weggeblasen, erklärt die Resi, die ebenfalls nicht zum ersten Mal vor großem Publikum auftritt, schließlich habe sie auch schon bei Olympia, den Specialolympics, teilgenommen. Auch Marga Pfab und Karl-Peter Pomp werden am Sonntag ins Engelskostüm schlüpfen, wobei Karl-Peter zugibt, dass ihm die Rolle bei der Wirtshausszene im Brandner Kaspar viel besser gefällt: "Da hab ich meinen Trachtenanzug an. Der ist besser".

Auch mit dem Brandner Kaspar stehen die vier Neumarkter nicht zum ersten Mal auf der Bühne. Vergangenes Jahr hatte das Stück in Ecksberg Premiere gefeiert, es folgten Auftritte in Unterholzhausen und sogar auf der Waldbühne in Halsbach. Vor 470 Zuschauern, schildert Betreuerin Evi Eberherr. "Für die Betreuten ein schönes Erlebnis, wenn sie auch mal außerhalb von Ecksberg auftreten dürfen." Und Resi ergänzt: "Das war schon ein tolles Gefühl." Auch wenn es bei der Aufführung ein kleines Malheur gegeben hatte und zwei Schauspieler auf dem rutschigen Boden hingefallen sind. "Wir haben uns nicht weh getan, sondern nur gelacht", plaudert sie aus dem Nähkästchen.

Zusammen mit Betreuern und Regisseur Martin Winklbauer von der Waldbühne in Halsbach - er spielt auch den Brandner Kaspar - lassen die Betreuten die Geschichte vom Brandner Kaspar, der den Boandlkramer austrickst, wieder aufleben. Die Geschichte kennen Isolde Klein und Co. natürlich, "aus dem Fernsehen", ergänzt Resi Dein. Auch wenn der Stoff noch so fantastisch ist. Mit dem Gedanken, dass es im Himmel Weißwürste und Blasmusik gibt, könnten sie sich schon anfreunden. "Des wär doch was?", sagt Isolde Klein. Aber ans Paradies wollen die vier Neumarkter Schauspieler noch lange nicht denken. Der Blick richtet sich auf ein neues Projekt, das sich die Integrative Theatergruppe für das nächste Jahr vorgenommen hat. "Ein Pandurenstück", ein Reiterstück, nennt Evi Eberherr, das bislang als Vision in den Köpfen rumspukt. Und Resi Dein bietet sich gleich an, sie könne schließlich bereits reiten, weil in Ecksberg Reittherapie angeboten würde. Doch das letzte Wort hat Isolde Klein: "Reiten? Das wäre auch was für mich. "Oder meinst, dass des Pferdl unter mir zusammenbricht?"

je/Mühldorfer Anzeiger 

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