Bissiger Hund hält Behörden auf Trab

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Trampeltiere des Zirkus Alberti, der derzeit in Neumarkt ein Gastspiel gibt, grasen in Bubing und locken bereits seit drei Tagen Schaulustige und Spaziergänger entlang des Rottwegs an. Was sie nicht wissen: Der Zirkushund „Kion“ – auf dem Bild rechts zu erkennen – hat bei den Gastspielen in Garching und Burghausen zwei Passaten angefallen und verletzt. Auch gestern lief er frei herum, obwohl die Polizei Zwingerhaltung angeordnet hatte.

Neumarkt-St. Veit - Nachdem der Hirtenhund „Kion“des Zirkus Alberti in den letzten Tagen zwei Menschen bei Gastspielen angefallen hatte, ist die Verwaltungsgemeinschaft Neumarkt hellhörig geworden.

Vom 3. bis 6. September weilt der Zirkus in Neumarkt - und der Hund lief schon wieder frei herum.

Endlich wieder schönes Wetter. Klar dass die Neumarkter gestern ihre Radl auspackten und die Septembersonne entlang des Geh- und Radweges entlang der Rott genossen. Zumal es in Bubing dieser Tage auch etwas zu sehen gibt: Trampeltiere grasen bei Bubing, dort wo der Circus Alberti seine Zelte aufgeschlagen hat. Was die neugierig gewordenen Radfahrer und Fußgänger aber nicht wissen: Der kaukasische Hirtenhund "Kion", der auf dem Rottweg flaniert, hat in den vergangenen Tagen zwei Menschen gebissen, eine ältere Frau in Burghausen, die laut der Polizei in Burghausen sogar stationär im Krankenhaus behandelt werden musste, und einen Mann in Garching.

Deshalb müsste der Hund auch laut Anordnung der Polizei im Zwinger sein. Doch Fehlanzeige. Gestern Vormittag lief er frei auf dem Gelände herum. Besonders brisant: In der Nähe des Platzes, wo sich der Zirkus für die nächsten Tage niedergelassen hat, befindet sich ein Gehege mit Damwild.

Polizeihundeführer: Tier ist nicht aggressiv

Siegfried Mittermaier, stellvertretender Leiter des Operativen Ergänzungsdienstes bei der Polizei in Traunstein, jedenfalls hat reagiert und gestern eine nochmalige Überprüfung in Neumarkt angeordnet. Seit Tagen bereits ist die Diensthundegruppe in Traunstein mit dem Fall betraut, arbeitet derzeit die beiden Übergriffe in Garching und Burghausen auf und hat auch entsprechende Anordnungen erwirken lassen: Der Hund muss in den Zwinger. "Viermal haben wir daraufhin eine unangemeldete Überprüfung durchgeführt, doch es gab keinen Grund zur Beanstandung." Er stellt sich hinter seine Kollegen, erfahrene Hundeführer, beschreibt sie als absolut gewissenhaft in der Beurteilung eines Hundes, "zumal wir ständig mit Übergriffen solcher Art konfrontiert sind". Die Erkenntnis der Profis: Es handelt sich keinesfalls um ein aggressives Tier. Den Hund nach den Vorfällen aus dem Verkehr zu ziehen, hält Mittermaier für überzogen.

Den Hund einzusperren, gestaltet sich aber als schwierig, wenn es sich um einen Wanderzirkus wie den Circus Alberti handelt. Denn zuständig für Anordnungen oder Auflagen und deren Einhaltung ist die jeweilige Gemeinde, in der der Zirkus sein Gastspiel gibt. Verlässt er diese und schlägt woanders seine Manege auf, werden die bisherigen Anordnungen wirkungslos. "Die Auflagen gelten nur für den eigenen Gemeindebereich" bestätigt auch Lothar Witte, VG-Geschäftsstellenleiter in Neumarkt. Er sei bereits nach Ankunft des Zirkus' am Mittwoch von einem Kollegen der Garchinger Gemeindeverwaltung über die Vorfälle informiert worden, gestern dann kommunizierte er mit Polizist Mittermaier die weitere Vorgehensweise.

Bislang jedoch sei der Hund nicht auffällig geworden, "eine Kollegin hat am Mittwochabend nachgesehen, ob der Hund entsprechend sicher untergebracht ist. Da war der Hund im Zwinger." Doch ist sich Witte auch im Klaren darüber: "Man kann dies nicht lückenlos kontrollieren."

Wolfgang Frank, Pressesprecher des Circus Alberti, ist überzeugt, dass die Attacken des Hundes Ausnahmefälle bleiben werden. "Der Hund ist sieben Jahre alt und hat noch nie zugebissen." In Burghausen sei der Hund entlaufen gewesen und erst nach zwei Tagen wieder zurückgekehrt, "total ausgehungert und etwas verstört", sagt Frank. Nur so könne er sich die Bisse des Hundes erklären, den er als absolut gutmütig beschreibt, der mit seinen Kindern von eineinhalb bis zehn Jahren spielt und sogar in die Zirkusshow miteingebunden ist. Darüber hinaus verweist er auf die Fachstellen: Der Zirkus werde regelmäßig vom Veterinäramt kontrolliert, allen 40 Tieren werde stets beste Pflege bescheinigt. Am wichtigsten ist ihm allerdings das Urteil der Beamten der Diensthundegruppe. "Die haben das Tier eingehend untersucht und geprüft und sahen kein Aggressionspotenzial. Wenn die es nicht wissen, wer dann?"

Frank schließt nicht aus, dass der Hund gestern in Neumarkt für kurze Zeit frei herumlief, "weil das Tier auch etwas Auslauf benötigt. Aber dann war sein Tiertrainer in der Nähe", versichert Frank. Ansonsten sei "Kion" in seinem Zwinger untergebracht.

Zirkusbesucher blieben aus

Frank befürchtet, dass die negativen Schlagzeilen der vergangenen Woche auch in Neumarkt die Besucher abschrecken könnten. Denn nach den Vorfällen in Burghausen und Garching seien die Vorstellungen nur dürftig besucht gewesen. "Erst als wir glaubhaft versichern konnten, dass das Tier gutmütig ist, kamen die Besucher wieder." Das hofft er nun auch für Neumarkt.

je/Mühldorfer-Anzeiger

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