Beim Wasser braut sich was zusammen

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Sepp Strasser kritisierte das Darlehen an die Gemeinde und bezeichnete es als "satzungswidrig". Jetzt fehle Geld für die Ertüchtigung der Wasserversorgung.

Niederbergkirchen - Hellbraunes Wasser fließt minutenlang aus dem Hahn, doch die Trübung lässt nicht nach. Eine Plörre, die Stefan Artinger bei der Bürgerversammlung sogar mit Gülle verglich.

Immer wieder leidet die Gemeinde Niederbergkirchen unter oberflächlichen Wasserverunreinigungen. Vehement forderten die Bürger jetzt die Wassergenossenschaft zum Handeln auf.

Sauber muss das Wasser laut Satzung sein, geruchsarm und rein. "Von einem klaren Wasser kann aber derzeit nicht die Rede sein", kritisierte Niederbergkirchens Bürgermeister Werner Biedermann den Zustand des Wassers, den Bürger in diesem Jahr bereits Ende Mai zum ersten Mal beklagt hatten. Die Wassergenossenschaft sei gefordert, damit endlich wieder sauberes Wasser aus den Leitungen fließt. "Das Level ist erreicht, dass ich es persönlich krumm nehme", drohte Biedermann. In der vergangenen Woche habe es Gespräche mit Herren des Aufsichtsrates, der Wassergenossenschaft, dem Gesundheitsamt Mühldorf und dem Wasserwirtschaftsamt gegeben mit dem Ergebnis, dass ein Wasseringenieur zu Rate gezogen werden soll, um die Ursache der Verunreinigung zu finden. Dabei stellte Biedermann klar: "Gesundheitlich bestehen keine Bedenken", Eisenablagerung seien es, die dem Wasser die trübe Farbe verleihen.

Biedermann erhöhte den Druck auf die Wassergenossenschaft, brachte sogar Überlegungen eines Notverbundes mit Erharting oder Neumarkt-St. Veit ins Spiel, sollte es die Genossenschaft weiterhin nicht schaffen, eine einwandfreie Wasserqualität sicherzustellen. "Ich dachte mit der Spülung der Leitungen vor zwei Jahren wäre alles erledigt", dem sei faktisch nicht so, erläuterte Biedermann weiter. Doch auch mit Spülungen alleine, wofür vor zwei Jahren mehr als 30000 Euro ausgegeben wurden, ließe sich wohl das Problem nicht lösen. "Das Vermögen der Genossenschaft wird derzeit weggespült", hoffte Biedermann auf eine baldige zufriedenstellende Lösung.

Ignaz Bürger von der Wassergenossenschaft konnte nicht abschließend beurteilen, woher die Verunreinigung rührt. Ein Fachmann soll jetzt zu Rate gezogen werden.

"Warum jetzt erst, wenn das Problem schon ewig besteht", schimpfte daraufhin Josef Artinger. Vor drei Jahren sei schon Mal eine "schwarze Brühe" aus dem Wasserhahn geflossen. Die Mitglieder der Wassergenossenschaften seien alle Jahre hinters Licht geführt worden, warf er den Verantwortlichen vor. Stefan Artinger ließ sogar ein Video durch die Runde gehen, in welchem die Trübung des Wassers eindeutig zu sehen war. "Selbst wenn man das Wasser eine Stunde laufen lässt, ändert sich die Farbe nicht. Wer übernimmt die Kosten für diesen Wasserverlust?", fragte er. Er zahle seine Gebühren für Wasser "und nicht für Kaffeesatz".

Wie schließlich die Verfärbung zustande kommt, versuchte Ignaz Bürger, Vorstandsvorsitzender der Wassergenossenschaft zu erklären. Man sei gerade dabei die Pumpen auszutauschen, die laut Aussage von Wasserwart Franz Dirnberger 17 Jahre in Betrieb und entsprechend verschlammt seien. Bürger erklärte, dass sich die Pumpen an der Wasseroberfläche befunden hätten und dass dies die Verschlammung begünstigt habe. Nach Reinigung oder Austausch der Pumpen sollen diese zwölf Meter tiefer angebracht werden, um diesem Problem entgegenzuwirken.

Auch das Ersetzen von Sandfiltern sprach er als Maßnahme an, um die Wasserqualität langfristig zu verbessern. Er bat um Verständnis, wenn diese Baustelle nicht von heute auf morgen beseitigt werden könne, man müsse das Problem "Schritt für Schritt" anpacken, um sämtliche Ursachen auszumerzen. In drei bis vier Wochen hätte man "die Sache wieder im Griff", kündigte Bürger an.

Zur Haftung bei Wasserverlusten oder Schäden erläuterte VG-Geschäftsstellenleiter Walter Gruber, dass die Gemeinde in solchen Fällen als Versorger eine Haftpflichtversicherung besitze. Es gelte jedoch zu prüfen, ob nicht die Wassergenossenschaft als Lieferant dafür haftbar gemacht werden könne.

je/Mühldorfer Anzeiger

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