Beim Schmidwirt fing alles an

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Kein Faschingsscherz: Fast auf den Tag genau vor 50 Jahren gründete Rottalia-Präsident Max Neumeier die Unabhängige Wählergemeinschaft Neumarkt-St. Veit.

Neumarkt-St.Veit - Es war kein Faschingsscherz, als der damalige Präsident der Rottalia Max Neumeier, Stadtrat in Neumarkt-St. Veit, am 24. Januar 1960 zu einer Versammlung einlud, die die Gründung einer unabhängigen Wählergemeinschaft zum Ziel hatte. Heuer feiert sie ihr 50-jähriges Bestehen.

Pünktlich um 15 Uhr wurde im Gasthaus Schmidwirt die Sitzung eröffnet, der Neumarkter Anzeiger berichtete darüber: "In der überfüllten Gründungsversammlung der UWG in Neumarkt erklärte der Einberufer der Versammlung, Stadtrat Max Neumeier, es gehe darum die UWG neu zu formen." Die Stadträte der neuen UWG seien verpflichtet, mindestens einmal im Jahr öffentlich einen Rechenschaftsbericht abzulegen, "denn die Wähler wollen wissen, was im Stadtrat getan wird".

In Neumarkt-St. Veit arbeiteten drei politische Parteien auf Bundes- oder Landesebene. Da sie aber nur wenige Mitglieder in der Stadt hätten, sei die Auswahl geeigneter Kandidaten sehr schwer, "während die UWG auf breitester Basis entsprechende Persönlichkeiten zur Verfügung habe".

Nach der Gründung der UWG trugen sich laut Bericht im Anzeiger von den über 100 Anwesenden 75 als Mitglieder ein. Rasch sei unter der Leitung von Rudolf Angermeier die Wahl von statten gegangen. Dabei wurde Max Neumeier Obmann der UWG, Stadtrat Xaver Saller Protokollführer und zu Vertrauensleuten Rudolf Angermeier, Josef Kaiser, Fritz Weber, Schorsch Windhager, Otto Asbeck und Frau Annemarie Fritz gewählt. Anschließend erfolgte die Kandidatenaufstellung für die Stadtratswahl sowie für die Kreistagswahl.

Von 70 abgegebenen Stimmen für den Bürgermeisterkandidaten entfielen 66 auf Xaver Saller, drei auf Josef Kaiser und eine auf Buchhalter Walther Bernhard.

Die Anzeige mit der Einladung zur Gründungsversammlung.

Max Neumeier war bester Hoffnung mit diesem Personenkreis Sitze im Stadtrat erringen zu können und die UWG Neumarkt-St.Veit zu einem festen Bestandteil innerhalb des politischen Lebens werden zu lassen. Diese neue UWG sollte nicht das Schicksal ereilen, wie die unabhängige Wählergruppe, die acht Jahre zuvor ins Leben gerufen worden war. Denn für die Wahl 1952 wurde im November 1951 eine "Unabhängige Wählergemeinschaft" gegründet, die im Neumarkter Anzeiger wie folgt beschrieben wurde: "Auch in Neumarkt-St.Veit wurde eine unabhängige Wählergemeinschaft ins Leben gerufen. Wenn die nötigen Vorbereitungen erledigt und noch mehr Interessenten gefunden sind, wird die neue Wählergruppe auch an die Öffentlichkeit gehen".

Die dazu notwendigen Versammlungen wurden im Weinlokal Fortmühler abgehalten, weshalb die Bevölkerung sie damals als "Fortmühler-Gruppe" bezeichnete. Unter dem Namen "Christlich Unparteiische Wählerschaft" (CUW) kandierte schließlich diese Gruppierung und brachte 1952 mit Karl Hein und Bartholomäus Westermaier zwei ihrer Kandidaten in den Marktgemeinderat. Als Ersatzleute standen Andreas Ege und August Spirkl aus Hundham zur Verfügung. Aber bereits in der nächsten Kommunalwahl 1956 gibt es keine CUW mehr, weil deren Anhänger zum großen Teil in dem 1955 gegründeten Ortsverband der CSU Neumarkt-St. Veit übergetreten waren.

Max Neumeiers Optimismus wurde jedoch belohnt, denn mit Fritz Weber, Schorsch Kobler, Max Neumeier und Xaver Saller zogen im Mai 1960 erstmals vier UWG-Kandidaten in den 16-köpfigen Stadtrat. In der ersten Stadtratsitzung wurde Xaver Saller sogar zum Zweiter Bürgermeister gewählt. Fritz Weber und Dr. Franz Göttinger schafften den Einzug in den Mühldorfer Kreistag.

Ob sich die UWG Neumarkt-St. Veit in der kommunalpolitischen Szenerie weiterhin behaupten kann und welche Rolle sie zukünftig spielen würde, stand natürlich vor 50 Jahren noch vollkommen in den Sternen.

jaw/Neumarkter Anzeiger

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