Auf den Geschmack gekommen

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Die Schulkinder beim Schnipseln: Es gab Gemüsesuppe mit Cowboy-Nudeln.

Neumarkt-St. Veit (na) - Ernährungserziehung und die Bewusstseinsschärfung, woher gesunde Lebensmittel kommen: Neumarkts Grundschule ist eine von drei bayerischen Schulen, in welcher das Konzept „Bayern schmeckt mir“ testweise durchgeführt worden ist.

Die Montgelas-Gesellschaft hat dieses Projekt initiiert, um die Sinne von Schülern zu schärfen und die Tischkultur zu fördern.

Die Sinne schärfen: Ken Lochner von Sodexo beim Parcours der Sinne. Die Kinder mussten unter anderem Reis am Geräusch erkennen.

Die Kochmütze sitzt bereits, gerade binden sich die Schüler der 2 c die Schürze um, als Koch Volker Frohn in die Runde frägt: „Bevor wir anfangen: Was fehlt noch?“ – „Hände waschen“, antwortet die kleine Hanna wie aus der Pistole geschossen, und schon beginnen die Kinder eifrig zu schnipseln. Karotten, Stangensellerie, Ananas und Paprika. Am Ende des Vormittags werden sie dann „Cowboynudeln“ essen, dazu Obstsalat mit Sahnehäubchen und Möhren-Ananas-Salat. Die Belohnung eines ereignisreichen Vormittags, an dem die Catering-Firma Sodexo nicht nur mit den Kindern gekocht hat, sondern auch die Sinne geschärft. Von Zuckerolympiade bis hin zum Parcours der Sinne – Riechen, Schmecken Tasten von Lebensmitteln – eifrig beteiligen sich die Schüler an dieser besonderen Form der Ernährungserziehung. Die ganze Projektwoche hatten sich Neumarkts zweite Klassen, passend zum Erntedankfest, mit der gesunden Ernährung beschäftigt: Geschmückte Altäre in den Kirchen besichtigen, Gemüse benennen und richtig einsortieren, Gemüsegedichte lernen oder Gemüsecollagen frei nach dem Künstler Archimboldi zu erstellen. Schließlich folgte noch die Praxis, das Kochen. Die 2 c bereitete Nudeln zu, Gemüsesuppe gab es in den Klassen 2 a und b. Eine Niederschrift zum Thema „Wir kochen eine Gemüsesuppe“ war der Schlusspunkt dieses Projektes.

Lebensmittel wachsen nicht im Kühlschrank, sondern in der Natur

Neumarkt war eine von drei bayerischen Schulen, an welcher die Montgelas-Gesellschaft zur Förderung der bayerisch-französischen Zusammenarbeit zusammen mit dem pädagogisch erfahrenen Catering-Unternehmen diese Projektwoche durchgeführt hatte. Die Nähe zu Egglkofen, dem Wohnsitz Graf Montgelas, nennt Pierre Wolff, Vorsitzender der Montgelas-Gesellschaft, als Grund für die Entscheidung zugunsten der Neumarkter Grundschule.

Eine Schule im unterfränkischen Fladungen und eine Schule in München waren ebenfalls auserkoren, an diesem Testlauf teilzunehmen. Hintergrund der Aktionswoche: „Wir wollen die Kinder wieder gegenüber dem natürlichen Geschmack von Lebensmitteln sensibilisieren“, erklärt Wolff in Neumarkt. Kinder sollen begreifen, dass die Lebensmittel nicht aus dem Kühlschrank kommen, sondern dass es sich um Naturprodukte handle. Der Geschmackssinn leide unter Industrieprodukten oder Fertiggerichten, die allzu oft mit Geschmacksverstärkern angereichert seien. Dagegen will die Montgelas-Gesellschaft etwas unternehmen. „Gleichzeitig wollen wir Werte vermitteln, den Respekt gegenüber der Natur fördern oder Geschmackserziehung betreiben“, erklärt Wolff die Eckpfeiler.

Beim guten Geschmack gehe es aber auch darum, Tischkultur zu vermitteln. „Das beginnt bei der Dekoration, geht über das Decken des Tisches bis hin zu Tischmanieren“, erklärt Wolff weiter, der auch die Bedeutung des Tischgebets hervorhebt, „das daran erinnert, woher alles kommt“.

In Frankreich werde dieses Modell der Ernährungserziehung schon seit 20 Jahren umgesetzt, an allen Schulen, wie Wolff weiß. Und so hofft er, dass auch dieser Testlauf Schule machen wird. Geht es nach seinen Vorstellungen, sollte ab Oktober nächsten Jahres jede Schule die Möglichkeit haben, eine praxisnahe Geschmackserziehung und zumindest in Bayern eine flächendeckende Förderung der Tisch- und Esskultur zu betreiben.

In der nächsten Woche will man die Ergebnisse auswerten und zusammen mit dem bayerischen Kultusministerium die Zukunft dieses Projektes erörtern. Bei der Umsetzung will die Montgelas-Gesellschaft operativ zur Verfügung stehen, dabei Gastronomieverbände, Direktvermarkter und landwirtschaftliche Verbände ins Boot holen. Wolff ist überzeugt davon, dass dieses Projekt Geschmack finden wird.

je/Neumarkter Anzeiger

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