Unterricht in bayerischen Grundschulen

„Stoppen Sie die Digitalisierung des Grundschulunterrichts!“

Bayern - Kreis- und Gemeinderat Reinhard Retzer (ÖDP) fordert den Bayerischen Kultusminister Bernd Sibler in einem offenen Brief auf, „die Digitalisierung des Grundschulunterrichts zurückzunehmen“.

Der Mittelschullehrer aus Lohkirchen hat auch im Gemeinderat Lohkirchen einen Beschlussvorschlag eingereicht, dass die Gemeinde als Sachaufwandsträger keine Zuschüsse für die W-LAN-Ausstattung der Klassenzimmer der Grundschulen beantragt und diese Pläne nicht weiter verfolgt. 

Der ÖDP-Politiker findet es „sehr bedenklich, dass die Kommunen durch Zuschüsse in die „Smartphonisierung“ des Unterrichts gedrängt und kleine Kinder einer permanenten W-LAN-Strahlung ausgesetzt werden“.

Analog statt digital

„Bayern wäre nach meiner festen Überzeugung ganz vorne, wenn wir die Weichen für eine analoge Kindheit und Grundschule ohne Smartphone und Facebook stellen. Das alles schon im frühesten Schulalter führt in die falsche Richtung. Abgesehen davon kommt mir das wie ein Ablenkungsmanöver vor, angesichts des desaströsen Lehrermangels“, so Retzer an Minister Sibler.

Medienkompetenz und der sichere Umgang mit digitalen Systemen seien natürlich auch wichtige Bildungsinhalte. Aber in den unteren Schulklassen gehe es doch zunächst um das Erlernen unserer Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen. Die lerne man nicht am Tablet. Die Fixierung kleiner Kinder vor einem elektronischen Gerät könne allzu schnell zu einer suchtartigen ungesunden Entwicklung führen, befürchtet Retzer.

Gehirnentwicklung erleben und ausleben:

„Wer als erwachsener Mensch in der digitalen Welt aktiv mitgestalten und sich behaupten will, muss in der Kindheit alle Möglichkeiten der Gehirnentwicklung erleben und ausleben können. Für eine umfassende Gehirnentwicklung sind nach Auffassung von Gehirnforschern die physische Bewegung im Raum notwendig, ebenso begeisternde Sinneswahrnehmungen, Handwerksarbeiten, eigene Ideen, Begegnungen mit anderen Menschen und deren Emotionen statt vernichtender Mobbingaktionen in der elektronischen Gruppe“, schreibt Mangold an den Minister.

Retzer befürchtet, dass eine zu frühe Fixierung von Kindern auf die digitale Welt eine weitere Form der Kinderarmut bewirkt: nämlich der Armut an Beziehungen und Bindungen zu Menschen und zur realen Welt. 

„Ich weiß, dass sich alle Landtagsparteien für eine Smartphonisierung des Schullebens aussprechen. Ich spreche mich dagegen für ein Recht auf analoge Bildung aus. Ärgerlich finde ich zudem, dass der Freistaat zeitgleich zu diesem kostspieligen Ausgabenvorhaben Geld spart, in dem er jungen Lehrern durch befristete Anstellung im August kein Gehalt zahlt“, kritisiert der ÖDP-Politiker.

Pressemitteilung Reinhard Retzer, Gemeinde- und Kreisrat ÖDP

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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