AUS DEM UMWELTAUSSCHUSS

Pro und Contra Sonnenstrom

Neumarkt-St. Veit – Kritisch betrachten die Neumarkter die Pläne einer Firma, entlang der Bahnlinie Rosenheim- Pilsting auf Höhe von Sankt Lorent eine Fotovoltaikanlage zu bauen.

Im Bau- und Umweltausschuss wurde das Thema nun ausführlich diskutiert.

Dass, was die Firma Solarfaktor da vorhat, hört sich eigentlich sehr gut an. Entlang der Bahnlinie Rosenheim-Pilsting sollen Solarkollektoren aufgestellt werden. Die knapp einen Kilometer lange und einen Hektar umfassende Anlage könnte, so die Berechnungen, 1750 Haushalte mit Strom versorgen. Der Strom werde über Eon ins Netz eingespeist.

Einfach durchwinken wollte der Ausschuss das Projekt indes nicht. Fragen über Fragen hatten die Gremiumsmitglieder an den Firmenvertreter Peter Schnell. Und obwohl er auf alles eine passende Antwort hatte, wurde die Entscheidung schlussendlich zurückgestellt. Die Fraktionen wollen das Ganze noch einmal prüfen. Zur Sitzung: Michael Asbeck (CSU) konnte sich zunächst nicht erklären, wie ein in Mecklenburg ansässiges Unternehmen darauf kommt, im bayerischen Neumarkt-St.-Veit eine Fotovoltaikanlage bauen zu wollen. Die einfache Erklärung. Schnell lebt in der Region. „Ich bin dort vorbeigefahren und das Gelände passt.“

„Das ist komplett unser Baby“

Gebaut werden dürfen solcherart Anlagen nämlich nur noch entlang von Autobahnen oder eben Bahnlinien. Und dennoch: Auch wenn das Gelände ansonsten kaum nutzbar ist, machte sich Reinhard Fuchs (CSU) Gedanken um den Rückbau. Der stände in 20 Jahren an: „Und wer garantiert uns, dass Ihre Firma das dann noch übernimmt – und nicht pleite ist?“

Solche Details, so Schnell, würden vorab vertraglich garantiert. Überhaupt übernehme das Unternehmen alle Kosten: „Das ist komplett unser Baby“, so Schnell. Die Gemeinde profitiere danach vom Strom – und von der fließenden Gewerbesteuer.

Arbeit habe die Stadt übrigens auch nicht, wenn es darum ginge, Grundstücksverhandlungen zu führen. Auch das würde von Solarfaktor übernommen. Und wenn sich einer der Grundstückseigentümer weigere? „Dann können wir ein stückweit auch überbrücken“, so Schnell. Werner Huber (UWG) überzeugten all diese Argumente nicht: „Ich habe da kein Verständnis für, bei so einem schönen Grundstück.“

Bürgermeister Erwin Baumgartner nahm die Bedenken ernst: „Ja gesagt ist immer noch schnell. Aber wir müssen uns noch einmal Gedanken machen. Schließlich handelt es sich hier ja um keine kleine Anlage – und das Ganze muss schlussendlich vor allem ins Ortsbild passem“, sagte der Gemeinde-Chef. Sein Vorschlag: Informationsmaterial zum geplanten Bau sollte an alle Fraktionen geschickt werden.

Dann wird es eine erneute Sitzung geben - zunächst intern. Reinhard Fuchs hatte noch eine Bitte: Damit auch die juristische Seite abgesichert sei - besonders in Bezug auf eine mögliche Insolvenz des Unternehmens bis zur Anlagen-Abbau-Frist - wollte er einen Mustervertrag beigelegt wissen.

Betrieb könnte 2013 starten

Kein Problem für Peter Schnell, der alle gewünschten Unterlagen aus der Aktentasche zauberte: "Am Ende sollen schließlich alle zufrieden sein."

Sollten die Ausschuss-Fraktionen nach den Überlegungen ihre Zustimmung geben, könnte die Fotovoltaikanlage an der Bahnlinie Rosenheim-Pilsting schon Mitte 2013 in Betrieb gehen.

bst/Neumarkter Anzeiger

Rubriklistenbild: © pa

Zurück zur Übersicht: Region Neumarkt-Sankt Veit

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser