Aber der Wagen, der rollt

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Beeindruckendes und technisch ausgereiftes Spiel an der Posaune: Der erst 15-jährige Andreas Jodl aus Dorfen.

Neumarkt-St. Veit - Höchstes blasmuskalisches Niveau, verbunden mit Rekordeinnahmen zugunsten der Hauner'schen Kinderklinik.

Beim 10. Benefizkonzert im Gasthaus Zens stand der komplette Saal dann auch gesanglich voll hinter Sepp Eibelsgruber und seinen Musikern: "Aber der Wagen, der rollt!" Tatsächlich dreht sich auch das Rad der Spendenbereitschaft immer weiter und weiter.

Benefizkonzert im Gasthaus Zens

Die Messlatte bei der Blasmusik von Sepp Eibelsgruber hängt hoch. Sehr hoch. Doch wer denkt, der Musemoaster aus Neumarkt-St. Veit sei schon am Gipfel des blasmusikalischen Niveaus angelangt, der irrt. Beim 10. Benefizkonzert präsentierte der Neumarkter nicht nur ein ausgewogenes Programm, das sämtliche Stile vereinte, sondern auch seinen neuen Zögling: Andreas Jodl an der Posaune. Erst 15 Jahre jung brillierte der Dorfener mit unglaublich sattelfestem Spiel, bewies, dass er die Doppelzunge perfekt beherrscht. Bei dem Stück "Silberfäden", eigentlich für Trompeten geschrieben, hielt er als Solist die Fäden fest in der Hand und wirkte auch dabei fast noch unterfordert.

Jodl war nicht der einzige Solist an diesem Abend, an dem "die Musik nur das Zweitwichtigste ist, das Wichtigste sind die krebskranken Kinder der Hauner'schen Kinderklinik", wie Eibelsgruber schon zu Beginn des ausverkauften Konzertes unterstrich.

Die Musiker boten dafür eine erstklassige Darbietung von Polkas, Märschen, Balladen, Schlagern, Musicals oder Swingmusik: Die Brüder Martin und Johannes Stadler (Bariton und Trompete) bewiesen geschwisterliche Einigkeit bei "Zwei Turteltauben". Andreas Marsmann holte bei "Arrival", ein Titel von Mike Oldfield, alles aus seiner Trompete heraus. Und Andreas Demm zeigte unglaubliches Feingefühl an Klarinette und Altsax bei "Unchained Melody". Ebenfalls erste Liga die beiden Posaunisten Werner Bondl und Robert Leitl, die eine virtuose Interpretation von "Good Bye my Love, Good Bye" lieferten. "Haarteile festhalten", hatte Eibelsgruber das Publikum vorgewarnt, als Fred Hirschberger bei der Ballade "Touches" in seine Trompete stieß. "Amorada" im Latino-Stil und mit Affentempo präsentierte zur Pause Martin Stadler (Posaune).

Humoristisch dann die Einlage von Sepp Asanger (Flügelhorn) und Andreas Jodl (Bariton), die "Max und Moritz" als gefällige Polka karikierten. Butterweich Robert Leitls Posaunenspiel bei "I'm Getting Sentimental Over You", nicht weniger filigran sein Registerkollege Alois Grob bei "Maledetta Primavera", bevor schließlich Spaßvogel Markus Mayer mit seiner Bass-Tuba den "Tuba-Wahnsinn" ausbrechen ließ.

Es war am Samstag auch die Bühne von Karl Korn. Der Tenorsänger ließ keinen Zweifel daran: "Frauen regieren die Welt", wozu ihn die Kapelle im Bigband-Sound begleitete. Eine Ballade bot er mit "You Raise Me Up". Der singende Metzger ließ auch sein Musical-Talent nicht im Verborgenen, als er aus "Elisabeth" den Titel "Die Schatten werden länger" sang. Bemerkenswert dabei: Das Arrangement stammte aus der Feder des erst 22-jährigen Keyboarders der Eibelsgruber-Kapelle Norbert Englbrecht.

Auch Sepp Eibelsgruber gab zu, einige schlaflose Nächte hinter sich zu haben, um für das Stück "Kinderüberraschung" die bekanntesten Zeichentrickklassiker - von der Maus und Pippi Langstrumpf, über Speedy Gonzales und Fred Feuerstein bis hin zum Rosaroten Panther und Wickie - zu einem gefälligen Potpourri zusammen zu fassen. Die Zuhörer sangen jedenfalls lauthals mit, wie zuvor bereits bei "Hoch auf dem gelben Wagen". Fast untergegangen ist bei diesem Volkslied die musikalische Rafinesse, die die Musiker an den Tag gelegt haben, indem sie durch erfrischende Stilwechsel daraus eine Schlagerparty inszenierten.

Zweifellos der Hit war an diesem Benefizabend, der seinen Ursprung in einem öffentlichen Probenabend hatte, jedoch die hohe Spendenbereitschaft. Am Samstag waren es alleine fast 4000 Euro, die in den Spendentopf an die Hauner'sche Kinderklinik geflossen sind. Seit Beginn der Konzerte habe man in den zurückliegenden zehn Jahren 48300 Euro gesammelt, verkündete Eibelsgruber stolz. Der Kauf von Fernsehern und tragbaren Messgeräten, das Elternhaus und eine Musiktherapie seien damit bereits finanziell unterstützt worden.

Im Sommer wird sich der Musemoaster auf dem Weg nach München machen, um das Geld der Klinikleitung zu überbringen. Gut möglich, dass dann die 50000 Euro-Grenze geknackt sein wird, hoffte er. Die Musiker machten schließlich auch mit ihren Stücken klar "Was wichtig ist" (Udo Jürgens). Sinnbildlich für das Engagement dieser hochkarätigen Musikerfamilie das abschließende Stück: "Freudentränen".

je/ Neumarkter Anzeiger

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